Porträt Gunnar Schedel
Editorial MIZ 3/13

Wie mächtig ist die Kirchenlobby?

Gunnar Schedel

Politische Abläufe in ein Bild zu fassen,
hat Vor- und Nachteile. Denn jedes deutliche Bild vereinfacht den dargestellten Sachverhalt, es spitzt ihn auf das Wesentliche zu und setzt sich damit dem Vorwurf aus, undifferenziert zu sein. Aber zugleich schafft genau diese Konzentration auf den Kern der Sache manchmal die Voraussetzung für das grundlegende Verständnis und eröffnet die Perspektive für eine differenzierende weitere Analyse.

 

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Editorial MIZ 3/15

Möglichkeiten und Grenzen säkularer Medienarbeit

Christoph Lammers

Es ist schon paradox: Obwohl der Anteil Konfessionsloser in unserer Gesellschaft stetig zunimmt und damit der Bedarf an Information und der Wunsch nach Partizipation steigen, spiegelt sich diese Entwicklung nur zu einem geringen Teil in der Berichterstattung der Medien wieder. Themen, die von gesellschaftlicher Relevanz sind (so z.B. die aktuelle Diskussion um selbstbestimmtes Leben und Sterben), werden zwar in den sozialen Netzwerken ausführlich diskutiert. In Zeitungen, Radio und Fernsehen werden aufgeklärte Positionen jedoch weitgehend ignoriert. Es fehlt schlicht an Gegenöffentlichkeit. Die Gründe hier
für sind vielschichtig und können an dieser Stelle nur angerissen werden. Zunächst muss es darum gehen zu verstehen, welche Funktion Medien haben und inwieweit sie diese im Hinblick auf die säkularen Positionen erfüllen.

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Staat und Kirche MIZ 3/15

Die Kirchen vertreten ihre Interessen sehr erfolgreich
Warum das so ist, erklären die Ergebnisse der Lobby-Studie

Gunnar Schedel

Wer beschäftigt in Deutschland die meisten hauptberuflichen Lobbyisten? Es ist nicht eine der großen Industriebranchen, es sind die Kirchen. Sie bezahlen in Bund und Ländern über 100 hochqualifizierte Angestellte, damit ihre Anliegen in Parlamenten und Bürokratie Gehör finden. Und dies war nicht das einzige beeindruckende Erkenntnis, die Carsten Frerk auf einer Presse­konferenz in Berlin vortrug.

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Staat und Kirche MIZ 3/15

Kirchenlobbyismus außerhalb 
des Rechtsstaats
Ein juristischer Kommentar zur Kirchenrepublik Deutschland

Jacqueline Neumann

Lobbying ist legitim und legal in der Bundesrepublik Deutschland. Es gelten die gleichen Regeln für alle. Jedoch dokumentiert die neue Studie Kirchenrepublik Deutschland von Carsten Frerk: Die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sind die Dunkelmänner unter den Lobbyisten. Sie sorgen für die Beeinflussung von Geset­zen außerhalb demokratischer Verfahren. Sie haben staatliche Ver
gabestellen personell besetzt, um in exklusiven Verfahren Steuer­mittel in Milliardenhöhe an die Organisationen und Unternehmen im Großraum der Kirchen zu leiten. Das heißt: Kirchenlobbyisten sind zukünftig – auch mit den Instrumenten unseres Rechtsstaates – von der Hintertür zur Vordertür unserer Ministerien und Parlamente zu führen.

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Staat und Kirche MIZ 4/15

Die Macht der Religiösen
Warum Carsten Frerks Studie zur „Kirchenrepublik“ 
erst ein Anfang ist

Frank Welker

Carsten Frerk hat mit seiner vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten angestoßenen und finanzierten Studie Kirchenrepublik Deutschland. Christlicher Lobbyismus1 erstmals den Einfluss der Kirchen auf die Politik genauer analysiert. Dabei hat der Politikwissenschaftler eine beeindruckende Menge an Material zusammengetragen und ausgewertet. Doch wie Frerk selbst feststellt, kann dies erst eine „Annäherung“ an das Thema sein. Das für die säkulare Szene wichtigste Projekt muss weiter vorangetrieben werden.

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1980: Bundestagspräsident Richard Stücklen, CDU/CSU, empfängt den Vorsitzenden der gemeinsamen Schiedsstelle für die Bundestagswahl 1980, den Augsburger Bischof Dr. Hermann Kunst, nach der konstituierenden Sitzung am 22. Mai 1980, Foto: Deutscher Bundestag / Heribert Bode
Schwerpunktthema MIZ 3/13

Kirchen als politische Akteure

Carsten Frerk

Immer wieder stellt sich die Frage, warum die Kirchen – trotz des Mitgliederrückgangs, der immer wieder öffentlich thematisierten Skandale, ihrer rigiden Moralpolitik – immer noch einen politi­schen Einfluss haben oder zugesprochen bekommen, sogar Ver­treter in die staatliche Kommission zur Klärung der Atommüll-Endlager entsenden. Damit werden die zwei Seiten des Themas deutlich: Zum einen, welchen Anspruch haben die christlichen Kirchen in Deutschland gegenüber der Politik und zum anderen, welcher Einfluss wird den Kirchen von der Politik eingeräumt? 
Das Wollen muss ja nicht dem Gewähren lassen entsprechen.

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Schwerpunktthema MIZ 3/13

Der kirchlich-mediale Komplex
und warum er den Medienleuten nicht stinkt

Ulli Schauen

Wer sich lange in einem Raum aufhält, in dem ein Hundehaufen liegt, der bemerkt ihn nicht mehr. Also reagieren Medienvertreter verdutzt, wenn man ihnen vorhält, nach Kirche zu riechen. In dem tief empfundenen Bewusstsein, die Sache der Kirchen sei grundsätzlich positiv, vergessen manche ihre Kardinalspflicht: unabhängig zu bleiben. Abseits der kritischen Berichterstattung über Kirchenskandale verfängt die Kirchen-PR so umfänglich, unbemerkt und unhinterfragt, dass von einem kirchlich-medialen Komplex gesprochen werden muss. Ausgeblendet bleiben die institutionellen Eigeninteressen der Kirchen.

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Prisma MIZ 2/13

Wahlkampfgetöse
Union macht Grüne für Aushöhlung der religiösen Identität verantwortlich

Rainer Ponitka

In vielen Parteien gibt es christliche Arbeitsgemeinschaften. Bei der Union sind sie in katholisch und evangelisch aufgeteilt, es 
gibt den Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU (AEK)
 sowie auch den Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU (EAK). 
Ein Schelm ist, wer sich nun an die „Volksfront von Judäa“ und 
die konkurrierende „Judäische Volksfront“ aus dem Kultklassiker Das Leben des Brian erinnert sieht. Der EAK gab im April 2013 die Broschüre Die Grünen und ihr Verhältnis zur Kirche1 heraus. Sie ist in fünf Kapitel unterteilt und sucht am Beispiel des politischen Gegners die säkulare Sicht auf das jeweilige Thema zu beschädigen.

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