Buchbesprechung | Veröffentlicht in MIZ 1/16 | Written by Christoph Lammers

Rezension von Ulrich Willems (Hrsg.) u.a.: Moderne und Religion.

Kontroversen um Modernität und Säkularisierung

Ulrich Willems / Detlef Pollack / Helene Basu /
Thomas Gutmann / Ulrike Spohn (Hrsg.): Moderne und Religion. Kontroversen um Modernität und Säkularisierung. Transcript Verlag, Bielefeld 2013. 538 Seiten, kartoniert, 35,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1966-9.

In den letzten Jahren ist in der Wissenschaft eine neuerliche Debatte über die Moderne entstanden. Einen erheblichen Anteil an der Diskussion hat die kritische Rezeption der in den 1950er und 1960er ausgearbeiteten Modernisierungstheorien, die bis heute als „heimliche[r] oder offen angesprochene[r] Referenzpunkt der gegenwärtigen Kontroversen um die Moderne“ (S. 9) angesehen wird, so die Herausgeber_innen des voluminösen Sammelbandes Moderne und Religion. Kontroversen um Modernität und Säkularisierung.

Die Grundlage dieses Buches bildet das Forschungskolloquium und die dazugehörige Ringvorlesung des Exzellenz-Clusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ an der Universität Münster im Jahr 2009. Ergänzt durch Beiträge namhafter Wissenschaftler_innen versucht sich der Sammelband an einer Standortbestimmung der Moderne und deren Diskussion im Hinblick auf die Säkularisierungsthese. Dabei bietet das Buch sehr unterschiedliche Zugänge zur Moderne und zur Rolle der Religion darin. Das Besondere an diesem Band ist sicher der Versuch, fächerübergreifend die Kontroversen zu bündeln und zugänglich zu machen.

Dafür wurde der Band in zwei Teile eingeteilt. Im ersten Teil beschreiben die Autor_innen die sehr unterschiedlich gelagerten Perspektiven auf die Moderne und die damit einhergehenden Kontroversen der letzten Jahrzehnte. Sehr kritisch nehmen die Autor_innen zu der Frage Stellung, ob es sich bei der Moderne „um eine universale gesellschaftliche Entwicklungsstufe oder um das kontingente Ergebnis einer partikularen kulturellen Praxis handelt“ (S. 11). Der Versuch, die unterschiedlichen Haltungen in Bezug auf die Moderne darzustellen, ist insoweit nötig, da im zweiten Teil das Spannungsfeld von Religion und Moderne ausgelotet wird. Der Fokus liegt hierbei eindeutig auf dem sich, vor allem mit dem 11. September 2001, ändernden Säkularisierungsverständnis in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Säkularisierung wird dabei durchaus kritisch diskutiert. Es wird als Fortschritts- wie als Verfallsaspekt der Moderne gesehen, mit unmittelbaren Auswirkungen auf die verfassten Strukturen der Kirchlichkeit, wie der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack in seinem Beitrag feststellt. „Religion und Kirche [sind] von den Folgen der Modernisierung doch eher negativ betroffen.“ (S. 324)

Es sind vor allem theoretisch angelegte Diskurse, die diesen Band bestimmen. Gerade weil die Beiträge die unterschiedlichen Positionen darstellen, ermöglichen sie den Leser_innen ein besseres Verständnis der aktuellen Debatte. Schwächen des Buches, wie z.B. die Beantwortung der Frage, welche Rolle die Religion in der säkularen Gesellschaft besetzen soll, sind zwar vorhanden, aber als Auftakt einer neuerlichen Diskussion ist dieser Sammelband ein Gewinn.