Rezension | Veröffentlicht in MIZ 1/19 | Geschrieben von Christoph Lammers

Rezension von Ralph Ghadban: Arabische Clans

Die unterschätzte Gefahr

Ghadban, Ralph: Arabische Clans. Die unterschätzte Gefahr. Econ, Berlin 2018. 304 Seiten, kartoniert, Euro 18.-, ISBN 978-3-430-20255-8

Als die deutsche Fernsehserie 4 Blocks 2017 im deutschen Bezahlfernsehen ausgestrahlt wurde, lobte das Feuilleton nahezu einhellig deren Authentizität und erklärten sie zu einer der besten, wenn nicht gar zur aktuell besten Serie im deutschen Fernsehen. Kritiker_innen hatten es zunächst schwer, ihre Positionen vorzutragen. Gegen protzige Autos, Gewalt und coole Typen kam der erhobene Zeigefinger eben nicht an. Doch die Realität hat die Fiktion längst eingeholt und damit auch die positiven Stimmen langsam verstummen lassen. Erst kürzlich forderte der Bund Deutscher Kriminalbeamter in einem Positionspapier ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Clans in Deutschland.

Einer, der das wahre Gesicht der mittlerweile viel diskutierten Parallel­gesellschaft arabischer Familien in Deutschland offenlegt, ist der im Liba­non geborene Politikwissenschaftler Ralph Ghadban. Er zählt zu den wenigen Expert_innen auf dem Gebiet der arabischen Clans. Mit seinem aktuellen Buch gibt Ghadban in acht Kapiteln einen interessanten Einblick sowohl in die Anfänge der Clans als auch deren Ideologie. Ghadban ermöglicht es, die Struktur des Denkens, allen voran den Familienbegriff im Islam, die Stammeskultur und das Patriarchat, besser zu verstehen. Im Mittelpunkt dabei steht der Mhallami-Clan und dessen Geschichte.

Mit Schutzgelderpressung, Drogen­handel, Geldwäsche und Zwangsprosti­tution haben der Mhallami-Clan sowie andere arabische Familienclans in Berlin und vielen weiteren Städten Deutschlands eine Parallelwelt etabliert. Dass die Politik viele Jahre tatenlos zusah, hat diese Entwicklung maßgeblich befördert. Möglicherweise förderten Unwissenheit und Furcht vor Applaus aus der falschen politischen Ecke die bisherige Wahrnehmung. Ganz nach dem Motto, ‘Wird schon nicht so schlimm sein’ geschah lange nichts. Gerade diese falsch verstandene Idee des Multikulturalismus hat dazu geführt, dass sich parallele Lebenswelten haben herausbilden können. Ghadban kritisiert in seinem Buch diese Haltung in aller Deutlichkeit, macht aber auch Vorschläge, wie diesen Strukturen beizukommen ist.

Mag sein, dass sich die eine oder der andere von dem Alarmismus des Autors abgeschreckt fühlt. Und bestimmt wird den wenigsten die deutliche Kritik an falsch verstandenem Multikulturalismus gefallen. Fakt ist jedoch, arabische Clans und deren Strukturen haben sich in der deutschen Gesellschaft einen festen Platz erobert. Und nicht nur das. Der organisierte Islam akzeptiert nur die Scharia als Gesetz. Die Clans richten sich nach den Gesetzen des Clans. In beiden Fällen werden das Grundgesetz und die Menschenrechte nicht anerkannt.

Es ist an der Zeit, die Erkenntnisse des Buches ernst zu nehmen und gegen diese Parallelgesellschaft vorzugehen. Eine Verklärung, wie sie durch Serien im TV zu beobachten ist, trägt nicht dazu bei, dass ein Problembewusstsein entsteht. Sieht die Politik weiterhin tatenlos zu, geht dies zu Lasten aller Menschen in unserer Gesellschaft und gefährdet den sozialen Frieden.