Buchbesprechung | Veröffentlicht in MIZ 2/19 | Written by Viola Schubert-Lehnhardt

Rezension von Franz Josef Wetz: Tot ohne Gott

Franz Josef Wetz: Tot ohne Gott. Eine neue Kultur des Abschieds. Alibri Verlag, Aschaffenburg 2018. 309 Seiten, kartoniert, Euro 20.-, ISBN 978-3-86569-249-8

Der Titel des Buches führt die/den LeserIn zunächst in die 
Irre („ohne Gott“), denn von Gott und religiösen Vor­stel­lungen wird in dem Buch sehr oft gesprochen. Der Autor, Professor für Philosophie und Ethik, analysiert durch die Jahrhunderte hindurch menschliche Vorstellungen von Alter, Tod, Unsterblichkeit, Auferstehung u.a.m. Zeitweise liest sich das Buch wie eine Abhandlung zur Geschichte der Philosophie – leider fehlt dann ein Namensverzeichnis. Dafür ist das Buch keinesfalls so trocken geschrieben, wie gängige Lehrbücher. So beginnt der Franz Josef Wetz seine Überlegungen mit der Frage, warum wir eigentlich jedes Jahr unseren Geburtstag feiern. Dieses dadurch angeregte Nachdenken über scheinbare Selbstverständlichkeiten machen den Reiz des Buches aus und – wie der Autor meint – seine „lebenspraktische Relevanz“ (S. 13). Für mich kam noch ein weiteres hinzu: neben religiösen und wissenschaftlichen Quellen wird auch sehr viel belletristische Literatur zum Thema Sterben und Tod zitiert – was natürlich „zwischendurch“ zum Weiterlesen erst mal dieser Stoffe verführt (ein ausführliches Literaturverzeichnis ist beigefügt).

Das Buch gliedert sich in fünf Teile: 1. Endlichkeit, 2. Gibt es ein Leben nach dem Tod?, 3. Wer stirbt schon gern?, 4. Metaphysik der Metastasen, 5. Wie ist Trost möglich? In allen Teilen setzt sich der Autor kritisch mit vorhandenen Quellen auseinan­der – so z.B. mit den berühmten Gottes- und Unsterblichkeitsbeweisen (in dieser Analyse wird dabei auch die Genese der jeweiligen Theorien erläutert – daher oben der Verweis auf einen Lehrbuchcharakter). Zu allen Darlegungen wird dann stets auf die heutige praktische Relevanz verwiesen – z.B. die Beseelungstheorie des Fötus und neuzeitige Debatten zum Schwangerschaftsabbruch; oder 
Todesvorstellungen und ihre Bedeu­tung für Entscheidungen zur Organ­spende. Viele teilweise immer wieder als „Beleg“ für göttliche Fügungen angeführte Phänomene – wie die „Nah­toderfahrung“ werden wissenschaftlich erklärt und damit ihrer geheimnisvollen Aura beraubt.

Der letzte Teil des Buches beschäftigt sich mit modernen Bestattungsformen bzw. dem heute veränderten Umgang mit der Leiche (u.a. Ausstellung Körperwelten).
An einer Stelle des Buches heißt es: “Zu sterben ist eine Erfahrung, aus der man nichts mehr für sein Leben lernen kann“ (S. 143) – aus dem Lesen dieses Buches sehr wohl.

Viola Schubert-Lenhardt