Neulich | Veröffentlicht in MIZ 3/18 | Written by Daniela Wakonigg

Neulich … beim Auftragsmörder

Und schon wieder hat er einen Klops rausgehauen. Die Rede ist von Papst Franziskus. Üblicherweise entströmen seinem Mund diese atemberaubenden Äußerungen, wenn er auf Flugreisen in sauerstoffarmen Höhen mit Journalisten plaudert. Doch diesmal kann man die Schuld wirklich nicht auf einen möglichen Sauerstoffmangel schieben. Es war bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Anhand eines vorbereiteten Redemanuskripts verurteilte das Oberhaupt der katholischen Kirche die „Abwertung menschlichen Lebens“ durch Kriege, Ausbeutung und Ausgrenzung. Soweit so gut. Doch dann begann er zu improvisieren und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Ohne jede Frage ein Herzstillstandsmoment bei den vatikanischen PR-Beratern, die nach den päpstlichen Improvisations-Fiaskos regelmäßig die Wogen glätten und die Äußerungen des Papstes irgendwie zurechtrücken müssen.

Nach dem Verdammen der Abwer­tung menschlichen Lebens durch Krie­ge, Ausbeutung und Ausgrenzung fügte der Papst frei improvisierend hinzu, dass eine Schwangerschaft abzubrechen sei, „wie jemanden zu beseitigen“. „Ist es richtig, ein menschliches Leben zu beseitigen, um ein Problem zu lösen?“, fragte Franziskus, um die Stimmung unmittelbar mit einer weiteren Frage anzuheizen: „Ist es richtig, einen Auftragsmörder anzuheuern, um ein Problem zu lösen?“ Die Auflösung des Rätsels gab der Pontifex dann gleich selbst: „Einen Menschen zu beseitigen, ist wie die Inanspruchnahme eines Auftragsmörders, um ein Problem zu lösen“. Um seinen neuerlichen Klops zu garnieren, fügte Franziskus ergänzend hinzu: „Wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?“

Abtreibung als Auftragsmord. Diese Gleichsetzung ist so atemberaubend frauenverachtend, dass einem fast die Spucke wegbleibt. Zum Glück ging es nicht nur nicht-religiösen Menschen so, sondern auch vielen christlichen Frauen und bisherigen Papst-Groupies. Für seine Äußerung erntete Franziskus einiges an Kritik und sein einst beachtlich hoch gestarteter Beliebtheitsscore sank auf einen neuerlichen Tiefststand.
Dabei hat er doch eigentlich Recht, der Pontifex. Wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein? Wie kann das kirchliche Verbot der Abtreibung und der Nutzung von Verhütungsmitteln therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein? Dieses Verbot führt zu Überbevölkerung und Armut, führt dazu, dass kleine Kinder, die sich ihrer selbst bewusst sind, die im Gegensatz zu Zellhaufen fühlen und denken können, leiden und wie die Fliegen krepieren, weil es an Nahrung und medizinischer Versorgung fehlt. Dieses Verbot führt dazu, dass Krankheiten wie Aids sich ausbreiten und Menschen töten, weil kirchengläubige Katholiken Lümmeltüten für Teufelszeug halten. Das alles im Auftrag des Herrn auf Anweisung der Heiligen Mutter Kirche mit ihrem CEO Franziskus. Es sei dem Pontifex deshalb dringend geraten, noch einmal in sich zu gehen und sich zu fragen, wer hier eigentlich ein Auftragsmörder ist.