MIZ 3/16

Evas Selbstermächtigung

Rollenbilder, Genderfragen und Gleichstellung
Porträt Nicole Thies
Editorial

„Macht wird eben niemals freiwillig abgegeben“

Nicole Thies

Dieses Heft greift ein Thema auf, das in den letzten Jahren immer wieder in den Fokus geriet: Gender. Die Feuilletons jedweder Zeitungen – egal welcher Couleur – und die sozialen Medien sind zu Schlachtfeldern der erbitterten Fürsprecher_innen und Gegner_innen geworden. Die Angriffe betreffen das Thema Gender als Konzept, Gleichstellungsforschung, Gleichstellungspolitik oder Gleichstellungs­strategien.

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Schwerpunktthema

Schwerpunktthema

Heiliger Bimbam!

Juliane Löffler

Der NDR-Satiresendung Extra3 gelang der beste Papst-Witz. „Mann in weißem Kleid und Schmuck besteht auf Unterschied zwischen Mann und Frau“, twitterte Extra3 zu Franziskus’ Einlassungen zur Gendertheorie. Kürzlich hatte das Kirchenoberhaupt erklärt, die Gendertheorie führe einen „Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören“. Dieser werde nicht mit Waffen geführt, „sondern durch ideologische Kolonisierung“.

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Schwerpunktthema

Wespennest Genderforschung
Philosophische Rückfragen

Bettina Bussmann

Als Philosophin liegen mir zwei Dinge besonders am 
Herzen. Zum einen die Aufgabe, junge Menschen und 
die Öffentlichkeit im Allgemeinen nach den Prinzipien der Aufklärung zu unterrichten. Mündigkeit, verstanden als die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu reflektieren 
und den Mut zu haben, an gesellschaftlichen Debatten 
zu partizipieren, heißt im Geiste der Kritik die Urteils­
kraft zu schulen. Zum anderen muss diese Form der 
Aufklärung mit einem Philosophieverständnis erreicht 
werden, dass sich als Reflexions- und Integrationswissenschaft an den Erkenntnissen aus den anderen Wissenschaften orientiert, sowohl inhaltlich als auch in 
kritischer Funktion.

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Im 19. Jahrhundert: die Familie als das "organische Vorgebildet der Gesellschaft".
Schwerpunktthema

„Man könnte ‚die Familie‘ aufgeben…
Ein Gespräch mit Gisela Notz über Rollenbilder, Familienmodelle und Alternativen zur Norm

Redaktion MIZ

„Das Private ist politisch“ – so lautete in den 1970ern ein feminis­tischer Slogan. Dieser sollte verdeutlichen, dass Sorgeleistung für Kinder und Senioren etc. Arbeit ist und dass der Frauenkörper nicht Gegenstand verfehlter Sozialpolitik ist. In Zeiten höchst individualisierter Familienplanung scheint sich diese Frage gar 
nicht mehr zu stellen. Oder doch? Denn wie funktionieren heute 
Familien? Wer gehört zu einer Familie? Oder besser, wer definiert, 
welche Personen zu einer Familie gehören? Welche sozialpoliti­schen Konsequenzen ergeben sich aus der Privilegierung des über­kommenen „Vater-Mutter-Kind-Modells“? Gisela Notz hat jüngst ein Buch mit dem vielsagenden Titel Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes geschrieben.

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Schwerpunktthema

Organisierter Antifeminismus
Zur Kategorisierung antifeministischer Organisationen 
und Argumentationen

Andreas Kemper

Der Antifeminismus ist so alt wie der Feminismus, doch die ideologische Grundstruktur des Antifeminismus hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis weit in die 1970er Jahre hinein versucht, den Feminismus abzuwehren, indem offen patriarchal die vermeintliche Legitimation der Vorrangstellung des Mannes vor der Frau verteidigt wurde, hat eine solche Argumentationsfigur seit 1968 deutlich schlechtere Aussichten auf Erfolg. Wir haben es heute mit einer opferideologischen Argumentation zu tun, die feministische Positionen in die Täter*innenrolle drängt. Dieser argumentative Rückzug hat allerdings auch eine Konsequenz hinsichtlich der Frage, wer nun eigentlich das vermeintliche Opfer des Feminismus sein soll.

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Schwerpunktthema

Gendermainstreaming im Land des „Genderstellungsweltmeisters“ Schweden
oder: Was hat Gender Mainstreaming mit Gleichstellung zu tun?

Brigitte Stepanek

Vor mehr als 20 Jahren wurde Schweden von der UNO zum Weltmeister in Sachen Gleichstellung ernannt. Damals wie heute wird in der öffentlichen Debatte des Landes mit den erreichten Ergebnissen wesentlich kritischer umgegangen. So schrieb die auflagenstärkste liberale Tageszeitung Dagens Nyheter am 8. März 2015: „Auch wenn Schweden bei vielen internationalen Rankings gut dasteht, bedeutet das nicht, dass in Schweden Gleichstellung herrscht; das kann eher in Beziehung zur mangelhaften Entwicklung in vielen anderen Ländern gesehen werden.“

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Staat und Kirche

Staat und Kirche

Religiöse Symbole in öffentlichen geregelten Räumen wie Schulen und Gerichten polarisieren
– das Kreuz als Schmuckstück ...

Mukeba Muamba

Sie können Ausdruck der Ausübung individueller Religionsfreiheit des einen sein, dabei aber auch mit der negativen Religionsfreiheit sowie mit öffentlichen Interessen von Verfassungsrang kollidieren. Für manch einen Befürworter dessen, auch während der Ausübung seines Amtes, seiner religiösen Identität und Lebenspraxis durch Tragen entsprechender Symbole Ausdruck zu verleihen, bedeutet dies ein Teil seiner staatsbürgerlichen Freiheiten, die so weit wie möglich zu gehen haben. Also auch in staatlich-geregelten Räumen wie dem Gerichtssaal. Anderen wiederum geht religiöse Symbolik in staatlichen Sphären zu weit, sie wollen eine striktere Trennung von Staat und Religion. Welches Verständnis ist nun richtig? Genauer gesagt, welches Selbstverständnis? Denn um Grundsätzliches geht es auf beiden Seiten.

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Staat und Kirche

10 Jahre AGG
Da geht noch was!

Corinna Gekeler

Deutschland führte 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ein. Damit war man nicht nur europaweites Schlusslicht bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Diskriminierungsschutz aus 2000, sondern legte auch noch einige Vorgaben sehr kirchen­freundlich aus. Besonders die Kirchenklausel (§9 AGG) wird spätestens seit der Kampagne Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz (http://www.gerdia.de) breit kritisiert und auch beim Begriffspaar „Religion und Weltanschauung“ besteht Veränderungsbedarf.

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