MIZ 3/14

Marx reloaded

Zur Aktualität von Marxismus und Religionskritik
Editorial

Religionskritik als Gesellschaftskritik

Christoph Lammers

Als sich kurz vor den diesjährigen Landtagswahlen in Thüringen abzeichnete, dass es für ein Regierungsbündnis zwischen Linke, SPD und Grüne reichen könnte, schürte die Pfarrerstochter und Bundeskanzlerin Angela Merkel die Angst vor dem Gespenst des Kommunismus. Es könne doch nicht sein, so Merkel, dass „jetzt der Karl Marx in die Staatskanzlei getragen werden“ solle.

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Schwerpunktthema

Schwerpunktthema

Die Aktualität von Karl Marx’ Religionskritik

Axel Rüdiger

„Marx ist tot, Jesus lebt!“ verkündete 1989 der damalige Arbeits­minister Norbert Blüm (CDU) triumphierend vor den polnischen Werftarbeitern in Danzig. Und in der Tat galt Marx in der Zeit nach dem Zusammenbruch des osteuropäischen Staatssozialismus all­gemein als „toter Hund“. Zu eng hatten die sozialistischen Staaten ihre politische Autorität an die wissenschaftliche Reputation seines Werkes geknüpft, so dass ihr Scheitern im Kalten Krieg als dessen Falsifikation erscheinen musste. Die sich anschließenden „Flitterwochen“ von Kapitalismus und liberaler Demokratie tilgten jede Erinnerung an eine noch auf Marx bezugnehmende realistische Alternative aus dem öffentlichen Gedächtnis.

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Schwerpunktthema

Marxismus und Religion – 
Marxismus als Religion?

Lutz Brangsch

Das Thema ist heikel. Das liegt sowohl an Natur und Rolle von Kirche
und Religion als auch am Marxismus. Bebel hob hervor, dass Reli­gion Privatsache sei. Rosa Luxemburg vermerkte in ihrer Schrift Kirche und Religion im Jahr 1905, dass die Sozialdemokraten auch hinsichtlich der Religion für Gewissensfreiheit gegen staatliche Bevormundung stünden. Gleichzeitig gehören Atheismus bzw. Freidenkertum zu wichtigen Strömungen schon der jungen Arbei­terbewegung. Allerdings fällt das Bekenntnis und praktische Han­deln als Kommunist oder Sozialdemokrat im 19. Jahrhundert nicht zwangsläufig mit einem 100prozentigen Atheismus zusammen.

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Schwerpunktthema

Eine fruchtbare Konvergenz
Ein Gespräch mit Richard Saage über Marxismus 
und Darwinismus

Richard Saage und Christoph Lammers

Beide großen Persönlichkeiten, Charles Darwin wie auch Karl Marx, gehören zu den Vordenkern eines emanzipatorischen Weltbildes des 19. Jahrhunderts, auf welches sich viele Säkulare berufen. Bisher wurden jedoch beide Denkrichtungen getrennt voneinander gedacht. Der Politologe Richard Saage lehrte bis zu seiner Emeritierung an der MLU Halle-Wittenberg und gilt als ausgezeichneter Kenner der deutschen Sozialdemokratie. In seinem aktuellen Werk Zwischen Darwin und Marx versucht Saage erstmals für den deutschsprachigen Raum die Rezeption der Evolutionstheorie in der deutschsprachigen Sozialdemokratie vor 1933 zusammenzuführen. Für die MIZ sprach Christoph Lammers mit ihm.

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Staat und Kirche

Staat und Kirche

Der Islam gehört nicht ins Klassenzimmer
Warum die staatliche Ausbildung muslimischer Theologen 
ein Irrweg ist

Frank Welker

Während in der Politik vordergründig noch immer heftig debattiert wird, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder eben nicht, werden derweil bereits Fakten geschaffen. Ob nun zugehörig oder nicht, in jedem Fall sollen muslimische Gruppen jetzt wie die Kirchen privilegiert werden. So wird derzeit in mehreren Ländern der Islamunterricht etabliert und die staatliche Ausbildung von islamischen Religionslehrern forciert.

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Markus Rainer, Gemeinderatsmitglied und Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen in Gröben­zell, Foto: privat
Staat und Kirche

Geht das Ende des diskriminierenden Kirchenarbeitsrechts von Gröbenzell aus?
Interview mit Markus Rainer von Bündnis 90/Die Grünen, Initiator des Gemeinderatsbeschlusses

Markus Rainer und Corinna Gekeler

Einschränkung von Religionsfreiheit und Einmischung ins Privatleben durch kirchliche Arbeitgeber schob der Gröbenzeller Gemeinderat einen Riegel vor. Auf Initiative von Rechtsanwalt Markus Rainer wurden Ende Juli diskriminierungsfreie Vorgaben an alle Träger beschlossen. Damit schuf der Ort im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck nahe München als erster eine reelle Chance auf eine juristisch haltbare Umgehung der Sonderrechte für christliche Arbeitgeber.

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Prisma

Porträt Maria Mucha
Prisma

„Leider wiegt in Polen die Autorität eines Priesters noch immer schwerer als das Wort eines unschuldigen Kindes“
Interview mit Maria Mucha von der polnischen Kinderschutzorganisation Ocaleni

Maria Mucha und Daniela Wakonigg

Seit Sommer 2014 verleiht in Polen die Organisation Ocaleni (Überlebende) Opfern von sexuellem Missbrauch eine Stimme. MIZ-Redakteurin Daniela Wakonigg sprach mit Vorstandsmitglied und Mitgründerin Maria Mucha über die neue Organisation und die Problematik des sexuellen Missbrauchs durch Priester in Polen.

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Prisma

Kirchen in Deutschland
Auf dem Weg von der Monopolstellung zur Bedeutungslosigkeit

Gerhard Rampp

Vor kurzem sprach der katholische Bischof von Stuttgart-Rotten­burg von einem „Überlebenskampf“ der Kirchen in Europa. Dies mag übertrieben scheinen, denn ihre Existenz steht ja nicht in Frage. Aber noch nie sind Religionsgemeinschaften auf friedlichem Wege in so kurzer Zeit derart stark geschrumpft wie die beiden großen christlichen Kirchen in Mitteleuropa seit 1970. Wir be­finden uns mitten in einem grandiosen, öffentlich noch kaum registrierten Umdenkprozess.

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