MIZ 3/13

Hintertreppen zur Macht

Kirchliche Lobbyarbeit in der Postdemokratie
Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Wie mächtig ist die Kirchenlobby?

Gunnar Schedel

Politische Abläufe in ein Bild zu fassen,
hat Vor- und Nachteile. Denn jedes deutliche Bild vereinfacht den dargestellten Sachverhalt, es spitzt ihn auf das Wesentliche zu und setzt sich damit dem Vorwurf aus, undifferenziert zu sein. Aber zugleich schafft genau diese Konzentration auf den Kern der Sache manchmal die Voraussetzung für das grundlegende Verständnis und eröffnet die Perspektive für eine differenzierende weitere Analyse.

 

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Schwerpunktthema

1980: Bundestagspräsident Richard Stücklen, CDU/CSU, empfängt den Vorsitzenden der gemeinsamen Schiedsstelle für die Bundestagswahl 1980, den Augsburger Bischof Dr. Hermann Kunst, nach der konstituierenden Sitzung am 22. Mai 1980, Foto: Deutscher Bundestag / Heribert Bode
Schwerpunktthema

Kirchen als politische Akteure

Carsten Frerk

Immer wieder stellt sich die Frage, warum die Kirchen – trotz des Mitgliederrückgangs, der immer wieder öffentlich thematisierten Skandale, ihrer rigiden Moralpolitik – immer noch einen politi­schen Einfluss haben oder zugesprochen bekommen, sogar Ver­treter in die staatliche Kommission zur Klärung der Atommüll-Endlager entsenden. Damit werden die zwei Seiten des Themas deutlich: Zum einen, welchen Anspruch haben die christlichen Kirchen in Deutschland gegenüber der Politik und zum anderen, welcher Einfluss wird den Kirchen von der Politik eingeräumt? 
Das Wollen muss ja nicht dem Gewähren lassen entsprechen.

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Schwerpunktthema

Der kirchlich-mediale Komplex
und warum er den Medienleuten nicht stinkt

Ulli Schauen

Wer sich lange in einem Raum aufhält, in dem ein Hundehaufen liegt, der bemerkt ihn nicht mehr. Also reagieren Medienvertreter verdutzt, wenn man ihnen vorhält, nach Kirche zu riechen. In dem tief empfundenen Bewusstsein, die Sache der Kirchen sei grundsätzlich positiv, vergessen manche ihre Kardinalspflicht: unabhängig zu bleiben. Abseits der kritischen Berichterstattung über Kirchenskandale verfängt die Kirchen-PR so umfänglich, unbemerkt und unhinterfragt, dass von einem kirchlich-medialen Komplex gesprochen werden muss. Ausgeblendet bleiben die institutionellen Eigeninteressen der Kirchen.

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Schwerpunktthema

„Die Wählerstimmen der Konfessionslosen scheint man nicht zur Kenntnis zu nehmen“
Ein Gespräch mit Corinna Gekeler über das Antidiskriminierungsgesetz, hartnäckige Lobbyarbeit und Ämtervermischung

Redaktion MIZ und Corinna Gekeler

Als auf europäischer Ebene Schritte eingeleitet wurden, Diskriminierung auch in der Arbeitswelt zu verbieten, schien das Ende des Kirchlichen Arbeitsrechts mit seinen besonderen „Loyalitätsobliegenheiten“ gekommen. Denn die Kündigung einer Erzieherin, weil sie aus der Kirche austritt, eine zweite Ehe eingeht oder sich zu ihrer Homosexualität öffentlich bekennt, erscheint als eindeutiger Verstoß gegen die Idee einer Welt ohne Diskriminierung. Trotzdem ist es den Kirchen gelungen, eine Gesetzesfassung durchzusetzen, die genau das nach wie vor erlaubt. Wie es dazu gekommen ist, fragte MIZ Corinna Gekeler, die sich in ihrer soeben als Buch erschienenen Studie Loyal dienen auch mit diesen Vorgängen auseinandergesetzt hat.

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Staat und Kirche

Kruzifix im Klassenzimmer: Adieu! Foto: Dieter Schütz / pixelio.de
Staat und Kirche

Reli adieu!
Mit Schuljahresbeginn hat die Kampagne ihre Öffentlichkeitsarbeit aufgenommen

Rainer Ponitka

Unter dem Motto Reli Adieu! startete der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) zum Schuljahresbeginn 2013/14 eine jahresweite Kampagne zur Aufklärung von Schülerinnen und Schülern, deren Eltern sowie auch Lehrern über deren Möglichkeiten, das Grundrecht auf Religionsfreiheit in Schulen einzufordern. Dies ist nach dem Kirchenaustrittsjahr und der verlängerten Kampagne Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz (GerDiA) das dritte vom IBKA jahresweit gesetzte Thema.

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Prisma

Quo vadis Türkei? Foto: Rainer Sturm | pixelio.de
Prisma

Kein Demokratiepaket, keine Demokratisierung
Die AKP arbeitet nach wie vor an der Islamisierung der Türkei

Arzu Toker

Noch nie in den letzten 30 Jahren habe ich so brutal wahr­genommen, wie unterschiedlich die deutschen Nachrichtensender berichten. Warum eigentlich zahle ich GEZ-Gebühren? Um mit meinen eigenen Gebühren Scheinnachrichten zu finanzieren? Über das angebliche Demokratie-Paket der Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP) berichtete das ZDF, ohne über die Proteste, ohne über die hinterlistigen Aspekte dieses Pakets ein kritisches Wort zu verlieren.

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Prisma

Geschäft mit der Altenpflege
Die Kirchen haben das Vorbild des barmherzigen Samariters 
in der Rumpelkammer abgelegt

Roland Ebert

1997 forderte das Diakonische Werk eine „Europäische Charta“ für Pflegedienste, weil durch das Lohndumping anderer Träger kirchliche Sozialeinrichtungen zunehmend in Not gerieten. Es gäbe teilweise existenzgefährdende Situationen.1 Der Wunsch blieb unerfüllt. Stattdessen näherte man sich der Konkurrenz an und fand selbst neue Wege zur kostengünstigeren Führung der sozialen Einrichtungen. Ob diese Wege den eigenen moralischen Ansprüchen entsprechen, darf bezweifelt werden.

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Prisma

Evolution in der Grundschule
Bildungsinitiative der Giordano-Bruno-Stiftung möchte 
das Thema Evolution im Unterricht verankern

Frank Welker

Die Politik wird nicht müde zu betonen, dass ein Land, welches über kaum Rohstoffe verfügt, seinen Wohlstand auf Dauer nur durch Bildung und Wissen sichern kann. Die Realität sieht jedoch anders aus. Wirklich gefördert wird nur, was sich direkt ökonomisch verwerten lässt. Das Wissen über Evolution gehört leider nicht dazu. Eine Initiative, die das Ziel hat, die Evolutionslehre stärker in den Schulen zu verankern, will das ändern.

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