MIZ 2/18

Aufbruch- oder Alarmsignal?

Der EuGH und das kirchliche Arbeitsrecht
Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Eigentlich…

Gunnar Schedel

Eigentlich könnte es ein Aufbruchsignal für gesellschaftliche Veränderung sein: Im April wurde in einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs festgestellt, dass die Nichtberücksichtigung einer konfessionslosen Bewerberin durch ein Unternehmen der Diakonie gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen hat. Und Ende Mai kam der Generalanwalt des Gerichts im Fall der Kündigung 
eines Chefarztes eines „katholischen“ Krankenhauses zu dem Schluss, dass die Wiederverheiratung nach einer Scheidung bei einem Mediziner kein zulässiger Kündigungsgrund sei. Da das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wegen der Sonderbehandlung der Kirchen bereits kurz nach seinem Inkrafttreten ins Visier der EU-Kommission geraten war, kam die Entwicklung nicht wirklich überraschend. Und eigentlich wäre nach so einer klaren Ansage aus Luxemburg der Gesetzgeber gefordert, die deutschen Rechtsvorschriften an europäische Standards anzugleichen.

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Schwerpunktthema

Ein Blick in den Sitzungssaal des Europäischen Gerichtshofes. (Foto: Stefan64 / Wikipedia)
Schwerpunktthema

„Kirchliche Hardliner sehen keinen Veränderungsbedarf“
Ein Gespräch mit Corinna Gekeler über das Kirchliche Arbeitsrecht im Lichte der jüngsten europäischen Rechtsprechung

Redaktion MIZ und Corinna Gekeler

Dass das diskriminierende Kirchliche Arbeitsrecht sich nicht im Einklang mit dem Geist europäischer Rechtsvorschriften befindet, wurde spätestens unverkennbar, als von der Europäischen Kommission die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens geprüft wurde. Denn das deutsche Antidiskriminierungsgesetz (AGG) entspricht in dem einschlägigen Paragraphen über die Kirchen ganz offensichtlich nicht der europäischen Richtlinie. Damals gelang es der Bundesregierung noch, den drohenden Schritt abzubiegen, und alles blieb beim Alten. Jetzt sieht es so aus, als würde der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit zwei Entscheidungen dafür sorgen, dass vielleicht doch wieder Bewegung in die Sache kommt.

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Staat und Kirche

Staat und Kirche

Kreuze in staatlichen Gebäuden?

Gerhard Rampp

Seit dem 1. Juni 2018 sollen nach dem Willen der CSU im Eingangsbereich aller staatlicher Gebäuden ein Kreuz hängen, das damit erstmals seit 20 Jahren wieder öffentlicher Diskussionsgegenstand wurde. Anders als nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zu Schulkreuzen behaupten Söder und Konsorten nun, das Kreuz sei nicht als religiöses Zeichen, sondern wahlweise als Ausdruck der bayerischen Tradition, der bayerischen Grundwerte oder des bayerischen Lebensgefühls zu verstehen.

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Prisma

Prisma

Verstümmelungen an Kindern als Form von „Entwicklungshilfe“ und „HIV-Prävention“

Victor Schiering

„Als sie das Krankenhaus erreichten, wollten einige weglaufen, da sie ihre Mitschüler weinen hörten. Sie hatten keine Wahl, wie sehr sie sich auch wehrten: sie mussten beschnitten werden, weil ihre Eltern bereits ihre schriftliche Zustimmung gegeben hatten. Einige der Schüler klagten nachher über anhaltende Schmerzen und Schwellungen. Bei auftretenden Komplikationen gibt es aber weder Nachbetreuung und noch die Möglichkeit eines Transportes zurück ins Krankenhaus. Transporte sind nur für die eigentliche Operation vorgesehen. Die meisten Schüler dieser Gruppe bezeugten, dass sie mit dem jetzigen Wissen nicht hätten beschnitten werden wollen.“

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Katholisches Mittelalter: „Ein graues memento mori ersetzt das bunte carpe diem.“ (Foto: © CCO Creative Commons / pixabay.de)
Prisma

Vom Sieg des Katholizismus und dem Verlust an Menschlichkeit

Rolf Bergmeier

Im Jahre 385 rollen die Köpfe. Priscillian, Bischof von Faro (Portu­gal), ein Christ, wenngleich nicht katholischer Art, und weitere sechs Männer seiner Umgebung werden in Trier öffentlich hinge­richtet. Ihr Verbrechen: Sie fordern unter Verweis auf die Briefe des Paulus Ehelosigkeit und Verzicht auf Fleisch und Wein, ein Ende der Sklaverei und die Gleichstellung von Frauen. Das ist zu viel. Gerade ist der Katholizismus zur Staatsreligion erhoben worden, gerade wurde die unsterbliche Wahrheit per Dekret verkündet, und immer noch erheben die Schlangen der Häresie ihre Köpfe.

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Der Nationalsozialismus betrachtete sich keineswegs als religionsfern – Fotografie aus dem Propagandaheft Deutsche Kriegsweihnacht von 1941.
Prisma

Nationalsozialismus und Gottgläubigkeit

Wolfgang Proske

MIZ-Leser*innen haben sich sicher schon des Öfteren gewundert, wie viele Konfessionslose nach rechts und sogar rechtsaußen tendieren. Woher kommt das? Gibt es historische Zusammenhänge zwischen rechter Gesinnung und Kirchenferne? Im Folgenden will ich mich diesem Phänomen über eine historische Betrachtung der „Gottgläubigkeit“ annähern.

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Prisma

Muslimischer Shitstorm gegen Mannheimer Brauerei

Frank Welker

Die Mannheimer Eichbaum-Brauerei hat eine über 300-jährige Tradition und musste bereits einige Krisen überstehen. Doch was kurz vor der Fußball-WM über das Unternehmen hereinbrach, war besonders absurd. Anlässlich der Fußball-WM hatte das Unternehmen die Flaggen aller 32 Teilnehmer auf die Kronkorken seiner Bierflaschen drucken lassen. Darunter war auch die Flagge von Saudi-Arabien. Auf dieser ist jedoch das muslimische Glaubensbekenntnis abgedruckt. Es dauerte nicht lange und radikale Muslime beschimpften und bedrohten über Facebook die Brauerei, die daraufhin sich dem Shitstorm der Radikalen unterwarf, sich entschuldigte, und die Flaschen aus dem Sortiment nahm. Eichbaum ist dabei kein Einzelfall. So nahm Aldi erst kürzlich aufgrund muslimischer Beschwerden eine Seife wegen einer darauf abgebildeten Moschee aus dem Sortiment. Bereits 2017 wurde Lidl wegen orientalischer Backwaren, die Schweinefett enthielten und die während des Ramadans angeboten wurden, massiv verbal über das Internet attackiert. Ebenfalls erwischt hatte es Real. Deren „Verbrechen“ war der Verkauf von Badezimmermöbeln, auf denen Moscheen zu sehen waren.

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Prisma

Jupiter im laizistischen Staat
Präsident Macron nähert sich den Kirchen an

Bernard Schmid

Während der US-amerikanische Präsident der Welt seine Politik 
in Twitter-Botschaften erklärt, bevorzugt der französische Staats-
präsident ausführlichere Grundsatzreden. Offenbar möchte er nun 
das Verhältnis des französischen Staates zu den Religionsgemein­schaften grundlegend ändern. Dies kündigte er in einer Rede vor 400 geladenen Gästen der französischen Bischofskonferenz am Abend des 9. April 2018 an.

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Ketzertag Münster 2018 – 
die Alternative zum Katholikentag

Daniela Wakonigg

Die kirchen- und religionskritische Veranstaltungsreihe Ketzertag Münster 2018 fand vom 9. bis 12. Mai 2018 parallel zum 101. Deut­schen Katholikentag im westfälschen Münster statt. Der Ketzertag stand unter dem Motto „Suche Streit – Für eine vernünftige Streit­kultur“, während sich der Katholikentag das Motto „Suche Frieden“ auf sein Banner geschrieben hatte.

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