MIZ 1/17

Luderjahr und lutherische Kirche

Was ist dran an Luther-Jahr und Reformationsjubiläum?
Porträt Nicole Thies
Editorial

Luther ist wieder in aller Munde – das hat Methode

Nicole Thies

Der Reformation wurde seit 2007 mit 
Ausstellungen, Themenreihen in allen Medien, Symposien etc. viel Aufmerk­samkeit und Steuergeld geschenkt. Höhepunkt ist das sog. Luther-Jahr 2017. Die Reformation, nunmehr an eine Person gebunden? Nach den Werbeplakaten zu urteilen: Eine ganze Dekade ist allein einem Menschen gewidmet. Dabei zahlt jede_r Steuerzahler_in für den Tourismushype. Nur weil Personengeschichte nach dem Motto „Große Männer machen große Politik“ sich vermeintlich leichter vermarkten oder verkaufen lässt als komplexer gesellschaftlicher, ökonomischer und sozialer Wandel?

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Schwerpunktthema

Schwerpunktthema

Martin Luther – Reformator und Volksverhetzer
Ein Editionsprojekt macht die Hasspredigten des Reformators erstmals für alle verständlich

Bernd Kammermeier

Martin Luther wird derzeit mit bisher nie dagewesenem Aufwand gefeiert. 2008 wurde von der EKD eine Lutherdekade ausgerufen, massiv durch die öffentliche Hand gefördert. Zehn Jahre lang sollte der berühmte Reformator gefeiert werden. Am 31. Oktober dieses Jahres – des Luther-Jahres – findet der Höhepunkt dieses „Jahrzehnts der Erinnerung an Martin Luther“ (Bischof Wolfgang Huber, 2008) statt; Luthers angeblicher Thesenanschlag jährt sich zum 500. Mal. Eigens dafür bewilligte die Politik einen einmaligen Feiertag. Bisher verschlang dieses Mammut-Tourismus-Unternehmen über 250 Millionen Euro allgemeiner Steuergelder.

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Schwerpunktthema

„Jedermann sei untertan“ – Deutscher Protestantismus
Teil 1: Geschichte wird gemacht

Karsten Krampitz

Schon der Anfang ist frei erfunden, jenes Hammerstakkato an der Kirchenpforte zu Wittenberg, mit dem Dr. Martin Luther am Vorabend zu Allerheiligen anno 1517 den Anbruch der Reformation angekündigt und damit die Papstkirche in ihren Grundfesten erschüttert haben soll. Den Thesenanschlag hat es nie gegeben, dieses Großereignis der Weltgeschichte, das nachweislich zu Luthers Lebzeiten keine Rolle spielte.

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Schwerpunktthema

„Die Reformation hat den Wahnsinn nicht gehemmt“
Karlheinz Deschner zu Luther und seinen Auswirkungen Staat und Kirche

Redaktion MIZ

Wie sind die Folgen der Reformation einzuschätzen? War sie das Aufbruchssignal in die Neuzeit? Bereitete sie die Aufklärung und die Emanzipation des Dritten Standes, der Frauen, der Minderheiten vor? Und welche Rolle spielte Luther bei den Auseinandersetzungen und Debatten des 16. Jahrhunderts? Die MIZ-Redaktion hat dazu das Werk eines Historikers befragt, der sich sehr ausführlich mit Kirche und Christentum beschäftigt hat: Karlheinz Deschner.

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Staat und Kirche

Staat und Kirche

Gleiches Recht für alle. Wer stört hier eigentlich wen?
Gedanken zum nordrheinwestfälischen Feiertagsgesetz

Rainer Ponitka

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schützt die Sonn- und Feiertage durch den aus der Weimarer Reichsverfassung übernommenen Artikel 139: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Es geht also um staatlich anerkannte Feiertage – nicht um in erster Linie religiöse Feiertage. Dennoch können diese Feiertage einen religiösen Bezug aufweisen, allerdings ohne dass der Staat – als „Heimstatt aller Bürger“ – sich diesen zu eigen macht. Artikel 139 WRV vermittelt keine besonderen Rechte oder Pflichten.1 Auch sagt er nichts darüber aus, was eine „seelische Erhebung“ ist oder wie sie zu gestalten sei.

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Prisma

Prisma

François Fillon – der Kandidat der religiösen Rechten

Bernard Schmid

„Fillon: Seine geheime Armee.“ So lautet die Überschrift auf der Titelseite des vierzehntäglich in Paris erscheinenden Magazins für gesellschaftspolitische Themen Society, in seiner Ausgabe vom 16. März 2017. Seite Eins schmücken ein Foto des französischen konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon und eine Abbildung, die vor allem aus einem Meer blau-weiß-roter Nationalfahnen besteht. Das zuletzt genannte Foto wurde am 5. März dieses Jahres auf dem Pariser Trocadéro-Platz aufgenommen, wo rund 40.000 Menschen für den unter Beschuss geratenen Präsidentschaftsbewerber Fillon demonstriert hatten. In Bussen und Zügen waren sie aus ganz Frankreich herangekarrt worden.

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Prisma

Humanismus für alle
Wer Humanismus zur religionsähnlichen Weltanschauung macht, fesselt dessen gesellschaftsverändernde Kraft

Gunnar Schedel

In der letzten Ausgabe der MIZ stellte Horst Groschopp in seinen Fünf Thesen unter anderem fest, dass Atheistinnen und Atheisten, die sich als solche organisieren, eine grundsätzliche Distanz gegenüber dem organisierten Humanismus an den Tag legen. Die Beobachtung ist richtig, und es gibt dafür gerade derzeit gute politische Gründe.

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