Bereits die Alten Griechen zweifelten am Wahrheitsgehalt religiöser Vorstellungen, Foto: Pixabay
Schwerpunktthema

Aufklärung & Kritik als zentrale Komponenten alteuropäischer Identität

Hermann Josef Schmidt

Angesichts modischen Geredes, Europa sei in ausschlaggebender Weise determiniert durch seine christlich-jüdische Prägung, kann nicht oft genug wiederholt werden, dass, wie seit vielen Jahrzehnten bekannt und längst aufgearbeitet,1 die für europäisches Denken sowie spezifische europäische Identität entscheidenden Quellen historisch bei weitem früher, nämlich im 8. bis 5. Jahrhundert vor unserer kuriosen Zeitrechnung, und geographisch im großgriechischen Kulturraum zwischen der kleinasiatischen Mittelmeerküste und Unteritalien sowie Sizilien anzusetzen sind.

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Schwerpunktthema

Die anderen Deutschen

Horst Groschopp

Bundesbürger „alt“ sind gewöhnlich wenig interessiert am Alltag der Ostdeutschen und noch weniger an dem in der DDR. Warum auch, schließlich gab es keine Wiedervereinigung, sondern den Beitritt der DDR zum Geltungsgebiet des Grundgesetzes. Wer kommt, muss sich an die Gepflogenheiten halten. Seitdem gilt der ostdeutsche Mensch ganz allgemein als unvollkommener, noch nicht richtig entwickelter westdeutscher. Worin „Lebensleistungen“ der „Ossis“ bestehen könnten, wird durch die allgegenwärtige Diktaturgeschichte und die anhaltende Delegitimation des durch Beitritt untergegangenen Staates vernebelt. Wegen des in übergroßem Maß ausgeprägten Atheismus kommt noch das Urteil „kulturlos“ hinzu.

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Schwerpunktthema

Christenverfolgung in der DDR?
Staat und Kirche im SED-Staat

Karsten Krampitz

Die politischen Strukturen in der DDR waren nie dafür gedacht, dass in ihnen eines Tages Menschen zusammenkommen, um mit­einander kritische Fragen zu diskutieren. Diese Aufgabe fiel 
in den 1980er-Jahren den evangelischen Kirchen zu; daran sind 
sie gewachsen, aber auch gescheitert. Die evangelischen Kirchen­gemeinden boten den Friedens-, Umwelt- und Menschenrechts­gruppen einen Raum zur Organisation, zur Diskussion und zur Selbstfindung. Die Kirche selbst fungierte aber nur als Dolmetscher im Konflikt mit dem SED-Staat. Dass ihre Vermittlung am Ende innerhalb der DDR-Strukturen vergeblich war, ist wohl zuerst darauf zurückzuführen, dass man es mit einem Staat zu tun hatte, 
der Probleme, die in der Kirche ausgesprochen wurden, als Prob­leme der Kirche gesehen und behandelt hat.

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Schwerpunktthema

„… dass ich erst weiß, wohin ich gehe, wenn ich weiß, woher ich komme“
Eine subjektive Sicht auf die DDR, die Rolle der Kirche 
und Religion in der DDR

Jutta Jahn und Nicole Thies

In dem Jahr des Mauerfalls feierte die DDR ihr 40-jähriges Bestehen. 40 Jahre haben Menschen Alltag erlebt, berufliche Laufbahnen eingeschlagen, Familien gegründet und Kinder erzogen etc. und zwar in einem „System“ oder besser in einer Gesellschaft, die anders organisiert war als in der BRD. Die politische Idee der DDR organisierte nicht nur Bildung, Geschichtsschreibung und Politik anders und in vielen Bereichen doktrinärer, sondern insbesondere den Alltag der Menschen. Bildung und Sprache wurde geprägt von anderen Worten, nicht nur von Neologismen wie „Antifaschistischer Schutzwall“, sondern u.a. bekamen die Worte Humanismus und Solidarität einen anderen Stellenwert und Bedeutung. Für die MIZ sprach Nicole Thies mit der Kunstwissenschaftlerin Jutta Jahn über die Rolle der Kirchen im Alltag und in der Gesellschaft.

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Schwerpunktthema

„Wissenschaftlicher Atheismus“
Zur Geschichte eines „wetterwendisch“ behandelten Unterrichtsfaches in der DDR

Viola Schubert-Lehnhardt

„Wissenschaftlicher Atheismus“1 – so hieß in der DDR ein Unterrichtsfach an vielen Universitäten – dessen wechselnde Geschichte hier kurz skizziert werden soll. Dabei geht es nicht um Debatten, ob dieser Begriff korrekt war oder besser Begriffe wie Religionskunde, Religionssoziologie o.ä. hätten verwandt werden müssen, sondern um die teilweise skurril anmutende Verflechtung dieses Faches mit der aktuellen Tages-/Kirchenpolitik der DDR.

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Ketzertag in Dortmund 2019, Foto: Daniela Wakonigg
Schwerpunktthema

Ketzertag – auf dem Weg zum Erfolgsmodell

Daniela Wakonigg

Ketzertage verstehen sich als kritische Gegenveranstaltungen zu Kirchentagen. 2018 fand in Münster parallel zum dortigen Katholikentag der erste Ketzertag statt, im Juni dieses Jahres in Dortmund der zweite während des Evangelischen Kirchentags. Der „Ketzertag“ hat das Potential, eine reguläre Gegenveranstaltungsreihe zu Kirchentagen zu werden.

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Porträt Konny G. Neumann
Schwerpunktthema

„Trennung von Staat und Kirche, humanistische Werte, Verständigung“
Gespräch mit Konny G. Neumann über den 
Deutschen Humanistentag 2019

Redaktion MIZ und Konny G. Neumann

Seit einiger Zeit gibt es Humanistentage. Das sind Großveranstal­tun­gen mit Vorträgen, Diskussionen und Kulturprogramm, auf denen die humanistische Szene sich trifft und humanistische Themen bespricht. Dieses Jahr findet der Deutsche Humanistentag (DHT) in Hamburg statt. Mit einem der Organisatoren, Konny Neumann, der zugleich Sprecher des DHT 2019 ist, unterhielt sich MIZ über die Kernaussagen, die Veranstalter und die Unterschiede zum Kirchentag.

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Schwerpunktthema

Kirchentage: Staatlich finanzierte Glaubensfeste

Redaktion MIZ

Die Geschichte der Kirchentage reicht in Deutschland zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Erst seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg findet in Deutschland jedoch regelmäßig in jedem Jahr jeweils ein katholischer oder evangelischer Kirchentag statt – in ungeraden Jahren ein Evangelischer Kirchentag, in geraden Jahren ein Katholikentag und gelegentlich auch ein ökumenischer Kirchentag. Die Kirchentage werden in wechselnden deutschen Städten und Regionen veranstaltet.

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Schwerpunktthema

Den Wind kränken

Arnab Goswami

Was ist der berühmteste Mythos, der je erschaffen wurde? Tja, das ist eine wirklich schwierige Frage. Je nachdem, wen man fragt, reicht die Bandbreite der Antworten von Gotham über Gott zu Atlantis und bis hin zur Apokalypse. Lasst es mich anders formulieren: Was ist der größte, von den Medien erschaffene Mythos, der euch je untergekommen ist? Immer noch zu vage? Dort wo ich lebe, ist die Antwort einfach: Bangladesch ist ein säkularer Staat.

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Schwerpunktthema

Die Reise zur freien Meinung

Durba Zahan

Schreiben lag mir schon immer am Herzen, gerade beim Schreiben fühlte ich mich sehr geborgen. Ich wollte damit nicht die Welt verändern, offen gesagt war es meine Absicht, meine Gedanken mitzuteilen und eine konstruktive Diskussion anzuregen. Und ich wollte nicht, dass meine Denkanstöße aus einer religiösen Sicht bewertet oder gar verurteilt werden. Vor allem sollten in einem ‘säkularen’ Staat alle Menschen über das Recht verfügen, sich selbst ohne jegliche Furcht vor Repression auszudrücken. Ich habe mir nie erhofft, das Leben der Menschen mit meinen Texten zu verändern, allerdings änderten sie den Lauf meines Lebens.

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Schwerpunktthema

Bedrohung als Dauerzustand –Säkulare Medienschaffende in Bangladesch

Rainer Ponitka

Der Internationale Bund der Konfes­sionslosen und Atheisten (IBKA) ist seit dem Jahr 2001 über die beklagenswerte Menschenrechtslage in Bangladesch informiert; im Jahr 2002 verlieh er seinen damaligen Erwin-Fischer-Preis der bangladeschischen Schriftstellerin und Ärztin Taslima Nasrin, die ihre Heimat 1994 aufgrund eines Mordaufrufs verlassen musste und seitdem im Exil lebt.

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Schwerpunktthema

„Eine wissenschaftliche Erforschung 
der geistigen Welt“
Anthroposophie zur Einführung

Ansgar Martins

Anthroposophie – berichtet ihr Erfinder Rudolf Steiner (1861–1925) – „ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum 
Geistigen im Weltenall führen möchte“.1 Es geht also zunächst um zweierlei „Geistiges“: im „Menschenwesen“ und im „Weltenall“. Anthroposophie ist der „Erkenntnisweg“, der dem menschlichen Geist bewusst machen soll, dass auch das All geistig ist. Entspre­chend heißt Steiners Gegner „Materialismus“, worunter er vor allem die Leugnung des allumfassenden Geistes versteht. Die Mission der Anthroposophie besteht darin, „den Materialismus“ zu überwinden und die Menschheit in ein neues, spirituelles Zeitalter zu geleiten.

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Das Goetheanum in Steiners Sterbeort Dornach (Schweiz) ist der Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die bis heute an die Verbreitung von Steiners antiintellektueller Agenda arbeitet. (Foto: © CC0 Public Domain/pixabay.com)
Schwerpunktthema

Von Seelenmumien und Christusbewusstsein
Antiintellektualität in der Anthroposophie

Ann-Kathrin Hoffmann

Mit der Gründung der ersten Waldorfschule vor 100 Jahren ist Rudolf Steiner angetreten, ein Gegenmodell zur materialistischen Gesellschaft und eine heilende Antwort auf die Entfremdung und „leere Rationalität“ seiner Zeit anzubieten. In der Analyse seines Intellektualitätsbegriffs zeigt sich einerseits, wie untrennbar die weltanschaulichen, erkenntnistheoretischen und pädagogischen Vorstellungen in der Anthroposophie miteinander verwoben sind. Andererseits offenbart sich darin, dass Steiner mit seiner „Geisteswissenschaft“ weniger ein Prophet als Kind seiner Zeit war.

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Die sog. Stuttgarter Erklärung von 2007 ist einer der wiederkehrenden Versuche, die Waldorfschulen der Öffentlichkeit als frei von Rassismus zu präsentieren.
Schwerpunktthema

Waldorfschulen – Erfolgsmodell mit Schattenseiten

André Sebastiani

In diesem Jahr feiern die Waldorfschulen den hundertsten Jahres­tag der Gründung der ersten Schule mit anthroposophischem Unter­richtskonzept in Stuttgart durch den Direktor der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, Emil Molt. Auf Bitten Molts übernahm Rudolf Steiner, der, von einer Tätigkeit als Hauslehrer abgesehen, keinerlei pädagogischen Hintergrund hatte, die Ausbildung und Beratung des Lehrerkollegiums der ersten Waldorfschule. Die Waldorfschulen begehen ihr Jubiläum geradezu euphorisch, mit zahlreichen Aktio­nen und Veranstaltungen. Sie blicken mit Stolz auf das zurück, was ihrer Meinung nach eine einzige Erfolgsgeschichte ist.

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Schwerpunktthema

Störungen des Mondorgans

Colin Goldner

Die anthroposophische Heilkunde ist untrennbar mit der Figur ihres Begründers, des Okkultfunktionärs Rudolf Steiner (1861–1925), verbunden. Schon in früher Kindheit, wie die Legende es formuliert, sei Steiners „primäre Erfahrung die der Welt des Seins hinter der sinnlichen Welt“ gewesen. Als junger Erwachsener entwickelte er Symptome, die, aus heutiger psychiatrischer Sicht, auf den Beginn einer schizoiden Persönlichkeitsstörung hinweisen. Die von ihm ab Anfang der 1920er entwickelten Vorstellungen einer „geisteswissenschaftlichen“ Heilkunde sind, wie auch seine sonstigen Beiträge zu Pädagogik, Psychologie, Kunst, Philosophie und anderem, durchzogen von Ideen und Begrifflichkeiten, die sich ihm in „mystischer Schau“ offenbart hätten. Steiners Vorstellungen stehen in diametralem Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft.

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Schwerpunktthema

Anthroposophie und (Anti-)Impfen

Natalie Grams

Ärztinnen und Ärzte, die die anthroposophische Medizin anwen­den, würden sich selbst wohl nicht als „Impfgegner“ bezeichnen – und doch raten sie oft vom Impfen ab. Das bewährte Impfschema der zuständigen Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) lehnen sie ab. Sie bevorzugen ein eigenes, individuelles Impf­schema, die sogenannte „eigenverantwortliche Impfentscheidung“, deren hauptsächlicher Proponent der der Anthroposophie nahe­stehende Verein Ärzte für eigenverantwortliche Impfentscheidung ist.

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Schwerpunktthema

Adolph Hoffmann und die Staat-Kirche-Trennung 1918/19

Horst Groschopp

In den beiden großen deutschen Revolutionen 1848/49 und 1918/19 wirkten Freireligiöse und Freidenker als führende Akteure. Diese Tatsache ist weitgehend unbekannt. Das hängt erstens mit ungenügender Geschichtsarbeit der freidenkerischen Nachfolgeorganisationen zusammen; zweitens zeigt diese Leer­stelle, dass solche Zusammenhänge nicht zu den Themen der deutschen Geschichtsforschung gehören. Es gibt aber noch einen dritten Grund. In biographischen Studien wird in der Regel wenig wert auf die Verankerung der Personen in der Freidenkerbewegung gelegt – als schade dies noch rückwirkend dem Leumund.

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Schwerpunktthema

Was hat die Novemberrevolution 1918 den Frauen gebracht?

Gisela Notz

Die Novemberrevolution brachte den Frauen nach langem Kampf das Wahlrecht. Das jedenfalls wird in diesem 100-jährigen Jubiläumsjahr der Novemberrevolution überall gefeiert. In der Erklärung des Rates der Volksbeauftragten, der im Zuge der revolutionären Ereignisse nach dem Ersten Weltkrieg ab 10. November 1918 die höchste Regierungsgewalt inne hatte und zu diesem Zeitpunkt aus Vertretern der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) und Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) bestand, an das deutsche Volk vom 12. November 1918 hieß es eindeutig: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht (…) für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“

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Schwerpunktthema

Der Kampf um den weiblichen Unterleib

Daniela Wakonigg

Bis heute ist es in Deutschland weder legal abzutreiben noch über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren. Beides ist lediglich unter bestimmten Bedingungen straffrei. Hinter diesen Regelungen steckt ein Frauenbild, das den Kampf von Frauen um ihre Autonomie von Anfang an begleitet hat und das heute durch das Erstarken rechtsklerikaler Kreise neuen Aufwind erhält.

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Porträt Nicole Thies
Editorial

„Macht wird eben niemals freiwillig abgegeben“

Nicole Thies

Dieses Heft greift ein Thema auf, das in den letzten Jahren immer wieder in den Fokus geriet: Gender. Die Feuilletons jedweder Zeitungen – egal welcher Couleur – und die sozialen Medien sind zu Schlachtfeldern der erbitterten Fürsprecher_innen und Gegner_innen geworden. Die Angriffe betreffen das Thema Gender als Konzept, Gleichstellungsforschung, Gleichstellungspolitik oder Gleichstellungs­strategien.

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Ein Blick in den Sitzungssaal des Europäischen Gerichtshofes. (Foto: Stefan64 / Wikipedia)
Schwerpunktthema

„Kirchliche Hardliner sehen keinen Veränderungsbedarf“
Ein Gespräch mit Corinna Gekeler über das Kirchliche Arbeitsrecht im Lichte der jüngsten europäischen Rechtsprechung

Redaktion MIZ und Corinna Gekeler

Dass das diskriminierende Kirchliche Arbeitsrecht sich nicht im Einklang mit dem Geist europäischer Rechtsvorschriften befindet, wurde spätestens unverkennbar, als von der Europäischen Kommission die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens geprüft wurde. Denn das deutsche Antidiskriminierungsgesetz (AGG) entspricht in dem einschlägigen Paragraphen über die Kirchen ganz offensichtlich nicht der europäischen Richtlinie. Damals gelang es der Bundesregierung noch, den drohenden Schritt abzubiegen, und alles blieb beim Alten. Jetzt sieht es so aus, als würde der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit zwei Entscheidungen dafür sorgen, dass vielleicht doch wieder Bewegung in die Sache kommt.

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Schwerpunktthema

#Luderei /// Die große Verdrängung
Über den Umgang der evangelischen Kirche 
mit ihrer DDR-Geschichte

Karsten Krampitz

Ein Blick auf den Veranstaltungskalender der EKD und die darin enthaltene Fokussierung auf ganz bestimmte Ereignisse offenbart eine geistige Erinnerungslandschaft mit für die evangelische Kirche typischen Fund- und Leerstellen. So wird regelmäßig der Confessio Augustana gedacht, der führenden Reformatoren und freilich auch der Barmer Erklärung, der Bekennenden Kirche und Dietrich Bonhoeffers. Daneben aber finden sich etliche historische Vorgänge und Persönlichkeiten, die keine, erheblich weniger oder auch die falsche Beachtung erfahren. Eine solche Tendenz ist beispielsweise beim Thema „Kirche in der DDR“ zu beobachten.

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Schwerpunktthema

Sein und Wissen – die Untauglichkeit der Religionen
Reichweite und Grenzen der Welterklärungen

Rüdiger Vaas

Kann und soll Religion explanatorisch sein? Sind also Erklärungen im strengen – und nicht nur metaphorischen – Sinn möglich? Wenn nicht, kondensiert Religion zu Anthropologie, Psychologie oder Psychopathologie und ist allenfalls eine obskure Ornamentik. Daher müssen Religionen, die von ihren Gläubige(r)n ernst genommen werden wollen, trotz aller Entmythologisierung auf ein Residuum einer explanatorischen Sonderstellung beharren. Damit geraten sie unweigerlich in Konkurrenz zur Naturwissenschaft und Philosophie. Da diese jedoch keine Letzterklärungen liefern können und wollen (sollten), ist ein ultimatives Verständnis der Welt aussichtslos. Begründet das ein Standortvorteil für Religionen, weil die immerhin den frommen Wunsch nach Universalerklärungen zu erfüllen suggerieren oder aber eine demütige(nde) Beschränkung rechtfertigen?

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Schwerpunktthema

Wunderwunden

Bernd Harder

Franz von Assisi soll der erste Stigmatisierte der Kirchengeschichte gewesen sein. Bis heute behaupten Frauen und Männer, die blutigen Wundmale Christi zu tragen. Was steckt hinter dem seltsamen Phänomen?

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Schwerpunktthema

Geistheilerei
Branche mit Zukunft

Krista Federspiel

Volksheiler und Wender hatten seit je her ihren Platz im Land. Meist nahmen sie eine geringe Spende und machten nicht viel Aufhebens von ihrem tröstenden Angebot. Mundpropaganda sorgte für Kunden aus der Nachbarschaft. Aktuell ist das anders. Wer sich zum Heiler berufen fühlt, posaunt das hinaus, um sich einen Kundenstock aufzubauen und das Geschäft anzukurbeln.

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Schwerpunktthema

Funktionieren abergläubische Rituale wirklich?

Stuart Vyse

Lassen Sie uns annehmen, dass es keine Magie gibt. Ja, sicherlich gibt es Taschenspielertricks, Illusionen und Zaubertricks, aber keine „wirkliche“ Magie. Unter den naturwissenschaftlich denkenden Menschen herrscht darüber Einigkeit. Doch in Bezug auf Aberglaube gibt es eine weitere, weniger offensichtliche Komponente: Natürlich hat Aberglaube keine magische Auswirkung auf die reale Welt, aber gibt es einen psychologischen Nutzen? Kann Aberglaube helfen, schwierige Situationen einfacher zu bewältigen?

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Schwerpunktthema

Was kommt nach der Wahl?
Die religionspolitischen Vorstellungen der Parteien lassen Veränderungen erwarten

Gunnar Schedel

Wenn es um das Verhältnis von Staat und Kirchen bzw. Weltan
schauungsgemeinschaften ging, war bisher klar, dass Wahlpro­gramme eher Bekenntnisse als die Blaupause für künftiges Regierungshandeln enthalten. Vor vier Jahren immerhin wären 
Veränderungen denkbar gewesen, wenn es eine rot-rot-grüne Regierung gegeben hätte; hatten sich doch alle drei Parteien 
eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts auf die Fahnen geschrieben. Diesmal wird es voraussichtlich zu deutlich weit­reichenderen Veränderungen kommen, und zwar unabhängig davon, wer das Rennen macht.

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Schwerpunktthema

„Die Passivität vieler Konfessionsfreier schwächt die Durchsetzbarkeit ihrer Interessen“
Ein Gespräch mit dem Sozialdemokraten Rolf Schwanitz

Redaktion MIZ

Einst war die Sozialdemokratie für die Trennung von Thron und Altar eingetreten, nach dem Godesberger Programm Ende der 1950er-Jahre wurde sie in der öffentlichen Wahrnehmung zur „evangelischen“ Partei. Bis heute tun sich die Genossinnen und Genossen schwer mit Positionen, die auf das Missfallen der Kirchen stoßen. Auch dass nach mehr als einem halben Jahrzehnt die Laizisten in der SPD noch nicht als Arbeitskreis anerkannt sind, deutet auf ein schwieriges Verhältnis der Partei zu den organisierten Konfessionslosen hin.

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Schwerpunktthema

„Wir brauchen einen Dialog mit den säkularen Verbänden“
Ein Gespräch mit Linken-Politiker Rico Gebhardt

Redaktion MIZ

Die Partei Die Linke hat in den vergangenen Legislaturperioden mehrere parlamentarische Initiativen für eine konsequentere Trennung von Staat und Kirche ergriffen. So legte sie 2013 einen Gesetzentwurf für eine Ablösung der Staatsleistungen vor und beantragte 2015 eine Kommission einzusetzen, die die bisher an die Kirchen geleisteten Entschädigungszahlungen für die Enteignungen aufgrund es Reichsdeputationshauptschlusses evaluieren sollte (was von den Grünen unterstützt, der Bundestagsmehrheit aber abgelehnt wurde).

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Schwerpunktthema

„… wären wir in puncto Säkularität in Deutschland ein großes Stück weiter“
Ein Gespräch mit dem säkularen Grünen Walter Otte

Redaktion MIZ

Als Ende der 1980er-Jahre das Thema „Trennung von Staat und Kirche“ von einem baden-württembergischen Kreisverband in die Partei getragen wurde, zeigte sich schnell, dass es auch bei den „Alternativen“ kaum anders zuging als bei den etablierten Parteien: In den Leitungsgremien der Partei gab es massive Widerstände gegen das Vorhaben, die Grünen in dieser Frage zu positionieren.

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Podium 21. Oktober 2017 in Madeburg
Schwerpunktthema

„Mein Körper gehört…“
Reproduktive Selbstbestimmung in der Diskussion

Redaktion MIZ

Vor 25 Jahren beschloss der Bundestag zum Schwangerschafts­abbruch die Fristenlösung mit Beratungspflicht. „Lebensschützer“ rufen alljährlich im September zur Demon­stration in Berlin und in Annaberg-Buchholz (Sachsen) auf. Sogenannte „Besorgte Eltern“ machen Stimmung gegen Sexualpädagogik in Kitas und Schulen. Die Bandbreite der Akteur_innen geht von religiös-fundamentalistisch bis zu konfessionslosen Verfechter_innen konservativer Familien­politiken. Anlass aber auch Grund genug sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung zu diskutieren.

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Schwerpunktthema

„Mein Bauch gehört mir“ – 
oder wem sonst?

Gisela Notz

Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper war eine der zentralen Forderungen der Frauenbewegungen der 1970er Jahre. Heute wird Selbstbestimmung oft eingefordert, ohne nach der sozialen Bedingtheit der Wünsche zu fragen. In einer auf Zwängen, Ungerechtigkeiten und Konkurrenz beruhenden Gesellschaft kann es keine wirklich freien Entscheidungen geben. Beispiele sind die weitverbreitete und schon zum Standard gewordene Anwendung von Pränataldiagnostik (PND) und die mit Wirkung vom 8. Dezember 2011 erfolgte Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik (PID).

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Den Konservativen und Reaktionären die Argumente ablaufen…

Nicole Thies

Das selbstbestimmte Leben gilt als eines der wichtigen Ziele in säkularen Kreisen und darüber hinaus. Sexuelle und reproduktiven Selbstbestimmung ist das Recht der Frau, über ihren Körper zu verfügen, und folglich die klare Forderung nach ersatzloser Streichung des § 218 und § 219 StGB, wie auch der IBKA in seinem politischen Leitfaden definiert.

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Schwerpunktthema

„Ich habe keine Lust aufs Patriarchat und eine Gesellschaft ohne Gleichberechtigung“
Ein Gespräch mit Vera Muth über Ehre, Punk und religiöse Kleiderordnungen

Redaktion MIZ

Seit Jahren beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Frauenrechts­organisation Terre des Femmes mit den Auswirkung religiöser Vorstellungen auf das Leben von Frauen weltweit. In Bezug auf Deutschland forderte die Mitfrauenversammlung im Mai ein Verbot des Kinderschleiers, nun liegt ein Papier vor, das Argumente für ein Verbot der Vollverschleierung zusammenstellt. Eine der Autorinnen ist Vera Muth, die Koordinatorin der GerDiA-Kampagne; sie gibt Auskunft über Motivation und Zielsetzung der AG-Frauen und verteidigt Religionskritik gegen kulturrelativistisch begründete Angriffe.

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Schwerpunktthema

Terre des Femmes: Argumente zur Debatte um die Vollverschleierung

Redaktion MIZ

Terre des Femmes ist eine Frauenrechtsorganisation mit feministischem Leitbild. Sie setzt sich für eine Verbesserung der Lebens­situation von Frauen ein. Dabei gerät auch Religion als eine Ursache der Benachteiligung oder Unterdrückung von Frauen immer wieder in den Blick, ob es nun um Genitalverstümmelung oder Ehrverbrechen geht. Im Folgenden dokumentieren wir auszugsweise die derzeit kontrovers diskutierte Argumentations­hilfe zum Thema Vollverschleierung.

Warum dieses Papier?

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Editorial

Voll verschleiert oder besser getrennt?

Frank Welker

Es war 2012 der glücklose CDU-Bundespräsident Christian Wulff, der in Reaktion auf das Erscheinen von Thilo Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab Folgendes ausführte: „Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Aus einer säkularen Sicht war dies damals schon eine falsche Antwort auf eine ebenso falsche Frage. Denn warum sollte der private Glaube Teil eines Staatsgebildes sein? Es zeichnet einen modernen und offenen Staat ja gerade aus, dass Religion und Staat getrennt sind.

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Schwerpunktthema

Martin Luther – Reformator und Volksverhetzer
Ein Editionsprojekt macht die Hasspredigten des Reformators erstmals für alle verständlich

Bernd Kammermeier

Martin Luther wird derzeit mit bisher nie dagewesenem Aufwand gefeiert. 2008 wurde von der EKD eine Lutherdekade ausgerufen, massiv durch die öffentliche Hand gefördert. Zehn Jahre lang sollte der berühmte Reformator gefeiert werden. Am 31. Oktober dieses Jahres – des Luther-Jahres – findet der Höhepunkt dieses „Jahrzehnts der Erinnerung an Martin Luther“ (Bischof Wolfgang Huber, 2008) statt; Luthers angeblicher Thesenanschlag jährt sich zum 500. Mal. Eigens dafür bewilligte die Politik einen einmaligen Feiertag. Bisher verschlang dieses Mammut-Tourismus-Unternehmen über 250 Millionen Euro allgemeiner Steuergelder.

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Schwerpunktthema

#Luderei /// „Jedermann sei untertan“ – Deutscher Protestantismus
Teil 1: Geschichte wird gemacht

Karsten Krampitz

Schon der Anfang ist frei erfunden, jenes Hammerstakkato an der Kirchenpforte zu Wittenberg, mit dem Dr. Martin Luther am Vorabend zu Allerheiligen anno 1517 den Anbruch der Reformation angekündigt und damit die Papstkirche in ihren Grundfesten erschüttert haben soll. Den Thesenanschlag hat es nie gegeben, dieses Großereignis der Weltgeschichte, das nachweislich zu Luthers Lebzeiten keine Rolle spielte.

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Luther ist wieder in aller Munde – das hat Methode

Nicole Thies

Der Reformation wurde seit 2007 mit 
Ausstellungen, Themenreihen in allen Medien, Symposien etc. viel Aufmerk­samkeit und Steuergeld geschenkt. Höhepunkt ist das sog. Luther-Jahr 2017. Die Reformation, nunmehr an eine Person gebunden? Nach den Werbeplakaten zu urteilen: Eine ganze Dekade ist allein einem Menschen gewidmet. Dabei zahlt jede_r Steuerzahler_in für den Tourismushype. Nur weil Personengeschichte nach dem Motto „Große Männer machen große Politik“ sich vermeintlich leichter vermarkten oder verkaufen lässt als komplexer gesellschaftlicher, ökonomischer und sozialer Wandel?

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Doppelte Ausgrenzungserfahrung

Gunnar Schedel

Wenn heute über Flucht nachgedacht, geschrieben oder diskutiert wird, geht es meist um die großen Flüchtlingsströme, um Regionen, in denen Krieg herrscht oder Warlords und Milizen die Menschen terrorisieren. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht derzeit Syrien, doch auch im Irak, in Zentralafrika oder Afghanistan bestimmt Gewalt das alltägliche Leben; hinzu kommen unzähligen kleinere Konfliktherde. Es sind Millionen von Menschen, die dort auf der Flucht sind,1 Tendenz steigend.

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Schwerpunktthema

„Die Reformation hat den Wahnsinn nicht gehemmt“
Karlheinz Deschner zu Luther und seinen Auswirkungen Staat und Kirche

Redaktion MIZ

Wie sind die Folgen der Reformation einzuschätzen? War sie das Aufbruchssignal in die Neuzeit? Bereitete sie die Aufklärung und die Emanzipation des Dritten Standes, der Frauen, der Minderheiten vor? Und welche Rolle spielte Luther bei den Auseinandersetzungen und Debatten des 16. Jahrhunderts? Die MIZ-Redaktion hat dazu das Werk eines Historikers befragt, der sich sehr ausführlich mit Kirche und Christentum beschäftigt hat: Karlheinz Deschner.

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Editorial

Paradoxien des Wunderglaubens

Christoph Lammers

Im Dezember 2017 veröffentlichte das Institut für Demoskopie in Allensbach die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zur Verwurzelung des Chris­tentums in Deutschland. In Auftrag ge­geben hatte sie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, in welcher sie auch vom verantwortlichen Leiter der Studie, Thomas Petersen, vorgestellt wurde. Die Ergebnisse waren in weiten Teilen wenig überraschend, bestätigten sie doch die Tatsache, dass sich die Mitgliederzahlen der beiden christlichen Kirchen weiterhin auf rasanter Talfahrt befinden. Heute gehören noch rund 55 Prozent einer der beiden Kirchen in Deutschland an. In den 1950er Jahren waren es noch 90 und nach der Wende noch rund 70 Prozent. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Dass sie auch mit den vermeintlich linksliberalen Predigten zu tun haben, wie der Chefredakteur der Tageszeitung der Welt, Ulf Poschardt, in einem Tweet beklagte, mag sein.2 „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“, so sein Vorwurf. Dass die Kirchen in ihren Predigten eher über das Klima als über die Jungfrauengeburt fabulieren, ist nicht von der Hand zu weisen.

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Schwerpunktthema

Heiliger Bimbam!

Juliane Löffler

Der NDR-Satiresendung Extra3 gelang der beste Papst-Witz. „Mann in weißem Kleid und Schmuck besteht auf Unterschied zwischen Mann und Frau“, twitterte Extra3 zu Franziskus’ Einlassungen zur Gendertheorie. Kürzlich hatte das Kirchenoberhaupt erklärt, die Gendertheorie führe einen „Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören“. Dieser werde nicht mit Waffen geführt, „sondern durch ideologische Kolonisierung“.

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Schwerpunktthema

Wespennest Genderforschung
Philosophische Rückfragen

Bettina Bussmann

Als Philosophin liegen mir zwei Dinge besonders am 
Herzen. Zum einen die Aufgabe, junge Menschen und 
die Öffentlichkeit im Allgemeinen nach den Prinzipien der Aufklärung zu unterrichten. Mündigkeit, verstanden als die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu reflektieren 
und den Mut zu haben, an gesellschaftlichen Debatten 
zu partizipieren, heißt im Geiste der Kritik die Urteils­
kraft zu schulen. Zum anderen muss diese Form der 
Aufklärung mit einem Philosophieverständnis erreicht 
werden, dass sich als Reflexions- und Integrationswissenschaft an den Erkenntnissen aus den anderen Wissenschaften orientiert, sowohl inhaltlich als auch in 
kritischer Funktion.

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Schwerpunktthema

#Luderei /// Verdrängte Vergangenheit
Die evangelische Kirche in der Nachkriegszeit

Karsten Krampitz

Am 23. August 1945 gab der Präsident des Central-Ausschusses für Innere Mission, der Bremer Pfarrer Constantin Frick, auf einer Vorstandssitzung eine denkwürdige Erklärung ab, in der es unter anderem hieß: „Der Krieg ist beendet. Wir sind nach heldenhaftem Kampf besiegt. Wir müssen nun alles Leid des Leibes und der Seele ertragen, was besiegten Völkern auferlegt wird. Deutschland muss sich aus dunkelsten Tiefen wieder zum Licht emporarbeiten.“ Mit dieser Deutung sollte Pfarrer Frick in seiner Kirche nicht der Einzige bleiben.

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Im 19. Jahrhundert: die Familie als das "organische Vorgebildet der Gesellschaft".
Schwerpunktthema

„Man könnte ‚die Familie‘ aufgeben…
Ein Gespräch mit Gisela Notz über Rollenbilder, Familienmodelle und Alternativen zur Norm

Redaktion MIZ

„Das Private ist politisch“ – so lautete in den 1970ern ein feminis­tischer Slogan. Dieser sollte verdeutlichen, dass Sorgeleistung für Kinder und Senioren etc. Arbeit ist und dass der Frauenkörper nicht Gegenstand verfehlter Sozialpolitik ist. In Zeiten höchst individualisierter Familienplanung scheint sich diese Frage gar 
nicht mehr zu stellen. Oder doch? Denn wie funktionieren heute 
Familien? Wer gehört zu einer Familie? Oder besser, wer definiert, 
welche Personen zu einer Familie gehören? Welche sozialpoliti­schen Konsequenzen ergeben sich aus der Privilegierung des über­kommenen „Vater-Mutter-Kind-Modells“? Gisela Notz hat jüngst ein Buch mit dem vielsagenden Titel Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes geschrieben.

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Schwerpunktthema

Organisierter Antifeminismus
Zur Kategorisierung antifeministischer Organisationen 
und Argumentationen

Andreas Kemper

Der Antifeminismus ist so alt wie der Feminismus, doch die ideologische Grundstruktur des Antifeminismus hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis weit in die 1970er Jahre hinein versucht, den Feminismus abzuwehren, indem offen patriarchal die vermeintliche Legitimation der Vorrangstellung des Mannes vor der Frau verteidigt wurde, hat eine solche Argumentationsfigur seit 1968 deutlich schlechtere Aussichten auf Erfolg. Wir haben es heute mit einer opferideologischen Argumentation zu tun, die feministische Positionen in die Täter*innenrolle drängt. Dieser argumentative Rückzug hat allerdings auch eine Konsequenz hinsichtlich der Frage, wer nun eigentlich das vermeintliche Opfer des Feminismus sein soll.

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Schwerpunktthema

#Luderei /// Luther und die Reformation vs. Müntzer und die Frühbürgerliche Revolution
oder: Geschichte ist eine Frage der Interpretation. 
Eine Reiseempfehlung

Nicole Thies

Bad Frankenhausen – eine thüringische Kleinstadt, die am 15. Mai 1525 Schauplatz des sog. Deutschen Bauernkriegs ist. Truppen der fürstlichen Machthaber schlagen die aufständischen Bauern nieder. Schlüsselfigur des Kampfes gegen die deutschen Fürsten ist Thomas Müntzer. Die Reformation ist in vollem Gange und Luther schließt den Pakt mit den Fürsten, gegen die Bauern. Zur Erinnerung an diese Ereignisse schuf der Maler Werner Tübke (1929–2004) in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts das monumentale Gemälde „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Ist das Panorama Museum allein Beispiel für Geschichtspolitik der DDR? Oder ein ‘blinder Fleck’ in der Erinnerungskultur des wiedervereinten Deutschland? Ein Erinnerungspanorama, das auch heute ein Ort für historische Auseinandersetzung und ein sinnvolles Gegenmodell zum ‘Luther-Reformations-Hype’ ist.

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Schwerpunktthema

Gendermainstreaming im Land des „Genderstellungsweltmeisters“ Schweden
oder: Was hat Gender Mainstreaming mit Gleichstellung zu tun?

Brigitte Stepanek

Vor mehr als 20 Jahren wurde Schweden von der UNO zum Weltmeister in Sachen Gleichstellung ernannt. Damals wie heute wird in der öffentlichen Debatte des Landes mit den erreichten Ergebnissen wesentlich kritischer umgegangen. So schrieb die auflagenstärkste liberale Tageszeitung Dagens Nyheter am 8. März 2015: „Auch wenn Schweden bei vielen internationalen Rankings gut dasteht, bedeutet das nicht, dass in Schweden Gleichstellung herrscht; das kann eher in Beziehung zur mangelhaften Entwicklung in vielen anderen Ländern gesehen werden.“

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Schwerpunktthema

Wieso das Thema „Evolution“ unbedingt in die Grundschule gehört!

Dittmar Graf

„Evolution“ wird in Deutschland in keinem einzigen Bundesland in der Grundschule unterrichtet. In den Lehrplänen findet man gelegentlich Themen aus dem evolutionären Themenkreis, wie z. B. „das Leben in der Steinzeit“, die Bezüge zur Humanevolution werden aber in aller Regel nicht angemessen hergestellt. Zu Fragen der Entstehung des Lebens erfahren die Kinder allenfalls etwas im Religionsunterricht, wo wissenschaftlich unhaltbare Schöpfungsgeschichten erzählt werden.

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Schwerpunktthema

„Gott zahlt keine Rechnungen“
Ein Gespräch über eine mühsame Abmeldung vom Religionsunterricht

Cheyenne N.

Im Oktober 2015, kurz nach Beginn des Schuljahres 2015/16, suchte die 14jährige Cheyenne N., Schülerin der Otto-Hahn-Realschule in Bensberg bei Köln, Hilfe bei der AG Schule des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA). Sie hatte sich vom Religionsunterricht befreit und sollte nun zu der Zeit auf dem Gang vor der Klasse „Ethik-Aufgaben“ erledigen.

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Schwerpunktthema

Sachsen-Anhalt will Islam-Unterricht einführen

Siegfried R. Krebs

Sachsen-Anhalts neue Landesregierung will islamischen Religionsunterricht in dem Bundesland einführen. Das geht aus dem am 21. April 2016 veröffentlichten Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen hervor. Darin ist außerdem viel von der Integration „muslimischer“ Flüchtlinge die Rede. Religionsfreie Menschen kommen in diesem Koalitionsvertrag nicht vor, eben so wenig wie Ansätze zu einer emanzipatorischen Pädagogik.

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Starre Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit 
hinterfragen
Schwerpunktthema

Aktionsfeld Kita und Schule
Gedanken zur Debatte um Vielfalt vs. Frühsexualisierung

Elke Prinz

Eine zunehmend breite Bewegung kämpft dafür: Die umfassende Akzeptanz der Vielfalt sexueller Identitäten. Im Alltagsleben – und vor allem im Sexualkundeunterricht, wo den Schülerinnen und Schülern verschiedene Konstruktionen und Dimensionen von Geschlecht vermittelt werden sollen. Mit Hilfe neuer Unterrichtsmaterialien, an denen neben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vielfach auch der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD) mitgearbeitet hat, soll der offene Umgang mit sexueller Orientierung und das Hinterfragen üblicher gesellschaftlicher Normen der Zweigeschlechtlichkeit angeregt werden.

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Schwerpunktthema

„Ich würde unsere Gesellschaft als scheinaufgeklärt beschreiben“
Gespräch mit Katharina Janko über Sexualaufklärung, Prävention und Missverständnisse

Katharina Janko

Sexuelle Selbstbestimmung, erfüllte und sorglose Sexualität sowie Gesundheitsförderung durch Information und Prävention – alles Teufelszeugs!? Bundesweit wettern sog. „Besorgte Eltern“ gegen Sexualkunde als Unterrichtsfach an Schulen. Die fadenscheinigen Parolen: „sexuelle Vielfalt – nein danke“, „Finger weg von unseren Kindern“, „Gegen den Sexualunterricht in Grundschulen“. Dahinter stehen ultrakonservative Welterklärungsmodelle und homophobe Denkweisen.

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Porträt Ahmed Nadir, Foto: Eva Creutz
Schwerpunktthema

„Religion zu kritisieren bedeutet, zum Ziel von Mördern zu werden“
Ein Gespräch mit Ahmed Nadir über die Situation 
säkularer Blogger in Bangladesch und sein Leben 
als Flüchtling in Deutschland

Redaktion MIZ

Die Fluchtursachen der Menschen, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen, sind sehr unterschiedlich. Auch der Unglaube, Religionskritik oder der Einsatz für Meinungsfreiheit stellt in vielen Teilen der Welt ein Risiko dar; so beispielsweise in Bangladesch. Anfang 2013 richtete dort die Regierung ein Komitee von neun islamischen Geistlichen ein, welches Internet-Aktivisten identifizieren soll, die sich auf Facebook oder in Blogs kritisch über den Islam oder den Propheten Mohammed äußern.

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Schwerpunktthema

Frauen, Flucht, Emanzipation?

Arzu Toker

Im Rahmen der Flüchtlingsdebatten wird diskutiert, ob Flucht für Frauen nicht auch ein Tor zur Emanzipation öffnen kann. Emanzi­pation ist keine Pflanze, die nur in bestimmten Breitengraden wächst. Es gibt auch reichlich gebildete, emanzipierte syrische Frauen. Doch die Frauen, die schon in Syrien nichts mit Emanzi­pation gemein hatten, werden durch die Flucht und ungewollte Begegnung mit einer neuen Gesellschaft damit konfrontiert, herausgefordert.

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Schwerpunktthema

„Homophobie und Transphobie sind ein gesamtgesellschaftliches Problem“
Ein Gespräch mit Gülây Akın

Gülây Akın und Nicole Thies

In vielen Ländern werden Menschen aufgrund Ihrer Lebensweise politisch verfolgt. Offen gleichgeschlechtlich lebende Menschen sind Übergriffen ausgesetzt und auf einvernehmliche Sexualität unter gleichgeschlechtlichen Menschen stehen Gefängnisstrafen. Für die MIZ sprach Nicole Thies mit Gülây Akın über den Asylgrund Homosexualität, über Homophobie und Mehrfachdiskriminierung in Asylverfahren und in Gemeinschaftsunterkünften.

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Säkularismus und Verfolgung, Foto: Florian Chefai
Schwerpunktthema

Der Asyl-/Flüchtlingsreport 
der Atheist Alliance International

Gail Miller

Mariam Abu’amers Reise begann 2012, als sie sich als Atheistin outete, was in Gaza keine leichte Sache ist. Ihre Freunde waren die ersten, die alle Verbindungen zu ihr abbrachen, weil sie verstanden haben, warum sie sich gegen den Islam wendete. Die Nachricht über ihre Ungläubigkeit verbreitete sich schnell in ihrer Stadt und sie wurde beschimpft und erhielt Todesdrohungen. In einer Nachricht stand: „Du weißt, dass wir dir den Kopf abschneiden können“.

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Religionsfreie Zone, Foto: gbs
Schwerpunktthema

„Natürlich hat sich der Aufwand gelohnt“
Ein Gespräch mit Assunta Tammelleo über Schokolade am Karfreitag und den juristischen Kampf gegen das Tanzverbot

Redaktion MIZ und Assunta Tammello

Ende Oktober hat das Bundesverfassungsgericht das bayerische Feiertagsgesetz gekippt. Verantwortlich dafür war der Bund für Geistesfreiheit (bfg) München, der eine Feststellungsklage gegen das Verbot einer für den Karfreitag 2007 vorgesehenen Heidenspaßparty angestrengt hatte. Federführend beteiligt war die heutige zweite Vorsitzende Assunta Tammelleo. Mit ihr sprach MIZ über den langen Weg zum Erfolg.

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Aktionen zur Feiertagsgesetzgebung, Foto: Daniela Wakonigg
Schwerpunktthema

Der Karfreitag, die Heiden und das Bundesverfassungsgericht

Gerhard Czermak

Der Beschluss des 1. Senats des BVerfG vom 27.10.2016 zur Rechtswidrigkeit des Tanzverbots am Karfreitag ohne gesetzliche Befreiungsregelung1 wurde in freigeistigen Kreisen mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Ihnen war die feiertägliche Bevormundung schon lange ein Dorn im Auge. Das bayerische Feiertagsgesetz (FTG) muss nun durch eine Befreiungs- oder Ausnahmeklausel ergänzt werden. Das ist zwar erfreulich, sollte aber eine nüchterne Betrachtung des Erfolgs nicht erübrigen.

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Der Streit ums Recht auf Tanz und andere unziemliche Tätigkeiten

Gunnar Schedel

Ich bin prinzipiell kein Freund verordneten kollektiven Gedenkens, aber natürlich wäre es legitim, wenn eine Gesellschaft sich (mehrheitlich) dafür entscheidet, ein paar „Stille Tage“ einzuführen. Das Gedenken beispielsweise an die Opfer von Krieg und Terror, von Naturkatastrophen und Krankheiten ist ein humanistischer Akt, der auch Angehörigen signalisieren kann, dass die Gesellschaft sie in ihrer Trauer nicht völlig alleine lässt. Öffentliche Vergnügungsveranstaltungen an solchen Tagen zu beschränken, wäre dann Gegenstand einer politischen Debatte, ebenso inwieweit für private Feiern unbürokratisch Ausnahmen gemacht werden könnten.

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Schwerpunktthema

Radio Gaga
Kirchenpropaganda im Deutschlandradio

Christoph Lammers

Seit geraumer Zeit stehen die Medien in Deutschland unter Beschuss. Repräsentative Studien aus 2014 und 2015 zeigen,1 dass das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Berichterstattung stark zurückgegangen ist. Als einer der maßgeblichen Gründe für diese Vertrauenskrise wird die einseitige Berichterstattung angesehen. Welche Rolle dies für die säkulare Szene spielt, lässt
sich am Einfluss der Kirchen und Religionsgemeinschaften auf
das Deutschlandradio exemplifizieren. Durch deren Einwirkmöglichkeiten, durch die Wahl der Interviewten und mit der Besetzung der Redaktion werden kirchennahe Positionen gezielt platziert.

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Schwerpunktthema

Säkulare Medienarbeit – 
säkulare PR oder Aufklärung?
Eine Nabelschau

Daniela Wakonigg

Der Einfluss von Kirchen und Religionsgemeinschaften auf die Medien ist ein bekanntes Phänomen. Gesichert wird er nicht nur durch gesetzlich verbriefte Sendezeiten für Religions­gemein­schaften, sondern vor allem durch die personelle Besetzung der Redaktionen von Zeitungen und öffentlich-rechtlichen Sendern. Häufig finden sich dort kirchenfreundliche Redakteure – oder doch wenigstens solche, die den Konflikt mit den Kirchen scheuen und deshalb kritische Berichterstattung über kirchliche oder religiöse Themen vermeiden.

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Schwerpunktthema

Die Welt aus den Angeln heben
Satirische Karikatur und gesellschaftlicher Wandel

Barbara Kemmer

In der europäischen Kulturgeschichte ist die Karikatur eng mit sozialen Umwälzungsprozessen verbunden. Sie ist Träger und Ausdrucksmittel von zeithistorisch gebundener Kritik und politischer Positionierung. Indem die satirische Bildkunst menschliche und gesellschaftliche Widersprüche mittels komisch-ironischer Übertreibung und Verzerrung offenlegt, mahnt sie zur Reflexion und Besinnung. Gerade die sozialkritische Darstellung ist als epochenspezifisches Zeugnis gesellschaftlicher Verhältnisse, Strukturen und Ereignisse von besonderer Bedeutung. Satirische Spottbilder legen es einerseits darauf an, den Betrachter zum Lachen zu bringen. Andererseits vermögen sie es, für das politische Tagesgeschehen zu sensibilisieren. Denn durch die typisch betonte Kontrastierung von gedachtem Ideal und erlebter Wirklichkeit legt die Karikatur den Finger in die Wunden der Zeit: Sie will irritieren, schockieren, verstören – und nachhaltig wirken.

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Schwerpunktthema

„… mit den Konsequenzen leben, 
ist eine Art politischer Kampf“
Gespräch mit dem Künstler Jan Bejšovec

Jan Bejšovec

Jan Bejšovec lebt und arbeitet als Textilkünstler in Berlin. Die Debatte um seine Arbeit Totaler Theoretiker im Frühjahr 2014 brachte nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern thematisierte die Frage nach künstlerischer Freiheit. Für die MIZ sprach Nicole Thies mit dem Künstler, der unter dem Label Konfliktstoff arbeitet, über künstlerische Freiheit, über politische und politisierte Provokation und Glauben.

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Schwerpunktthema

Zwischen Bekenntniszwang 
und Meinungsfreiheit
Der Streit um Charlie Hebdo

Christoph Lammers

In den Tagen nach dem verheerenden Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo bekam man das unheimliche Gefühl, dass plötzlich alle schon immer Charlie waren. Die BILD, Pegida, die muslimischen Verbände, die CSU, aber auch die FDP und selbstverständlich Angela Merkel. Plötzlich galt nur eine Losung: Je suis Charlie. Der wohl erfolgreichste Hashtag aller Zeiten war geschaffen. Dass vor dem 7. Januar 2015 von den Millionen Menschen nur die wenigsten Charlie Hebdo kannten, und nur die wenigsten Religionsführer und Politiker_innen die Zeitschrift mochten, interessierte kaum einen.

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Schwerpunktthema

Wo verlaufen die Barrikaden?
Die Debatte über Religion wird heute weniger von Kritik 
als von identitärem Denken bestimmt

Gunnar Schedel

Das Entsetzen nach den Anschlägen von Paris war kurz und
wirkungslos. Nur wenige Tage nach dem öffentlichkeits­wirksam inszenierten Auftritt vieler Staats- und Regierungs­chefs herrschte wieder Alltag. In Deutschland heißt das, nach Gewalt gegen religionskritische Kunst deren bessere Kontrolle zu fordern; diesmal war es Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag.1 Aber es sind nicht nur die einschlägigen Verdächtigen, die Religionskritik als die eigentliche Störung des Friedens im Land sehen.

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Schwerpunktthema

Doc Jesus
Über den Zusammenhang von Gesundheit und Religiosität

Carsten Frerk

Realistisch betrachtet ist der einzelne normale Mensch verschie­denen Mächten unterworfen, denen er sich manchmal, nicht zu
Unrecht, ausgeliefert fühlt. Wir neigen auch dazu, ständig Zusam­menhänge und Bedeutungen zu konstruieren, auch wenn es diese gar nicht gibt. Beides zusammen bildet die Basis eines magischen Denkens, in dem man sich Mächtigen verbündet, um sich nicht so hilflos zu fühlen.

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Schwerpunktthema

„Ungesund ist Glaube am ehesten dann, wenn Dinge für wahr gehalten werden, die es nicht sind“
Ein Interview mit David Klemperer zu Glauben und Gesundheit

David Klemperer und Nicole Thies

Gesundheit und Krankheit sind unter anderem von der sozialen Situation abhängig: Wer arm ist, stirbt früher, heißt es. Wie Menschen mit Gesundheit umgehen, ist abhängig davon, wo sie leben, was sie verdienen, über wie viel Bildung sie verfügen, welches Geschlecht sie haben. Nicole Thies sprach mit Prof. Dr. David Klemperer über den Gesundheitsbegriff, was Menschen brauchen, wenn Sie sich krank fühlen, über ein gesundes Mediziner_innen-Patient_innen-Verhältnis und darüber, was am Glauben gesund oder was ungesund ist?

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Schwerpunktthema

„Alternativheilkunde und Naturheilkunde haben nichts miteinander zu tun“
Ein Gespräch über alternativmedizinische Verfahren, 
ihre Risiken und die Gründe für ihre Beliebtheit

Colin Goldner

Für Alternativheilverfahren gibt es keinen klinischen Nachweis ihrer Wirksamkeit. Trotzdem sind sie bei den Patienten beliebt, immer mehr Ärzte bieten einzelne Praktiken an, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen immer häufiger die Kosten. Sind die Risiken also unbedeutend? Sind die zahlreichen Anekdoten aussagekräftiger als wissenschaftliche Studien? Muss die Schulmedizin um alternative Verfahren ergänzt werden? Der Publizist Wolfram Pfreundschuh sprach für MIZ mit dem Esoterikkritiker Colin Goldner.

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Schuld hat der Präsident

Gunnar Schedel

Es war noch nicht klar, was da in Köln genau passiert war, da kursierten schon stereotype Schuldzuweisungen. Die Flüchtlinge. Die Frauen. Die Medien (weil sie verschwiegen hatten, dass es sich bei den Tätern um Migranten handelte). Die Medien (weil sie geschrieben hatten, dass es sich bei den Tätern um Migranten handelte). Am Ende trat der Kölner Polizeipräsident zurück. Er hatte zu verantworten, dass die Polizei in der Silvesternacht über Stunden hinweg Frauen nicht vor der massiven sexualisierten Gewalt schützen konnte, und ihm wurde vorgeworfen, verschwiegen zu haben, dass unter den als mögliche Tatverdächtige überprüften Personen ein überproportional hoher Anteil an Flüchtlingen war.

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Schwerpunktthema

Frauen auf der Flucht

Gisela Notz

Etwa 800.000 Geflüchtete sollen bis zum Ende 2015 nach Schät­zungen des Bundesinnenministeriums nach Deutschland gekom­men sein. Sie sind Teil einer „Flüchtlingswelle“, wie sie Deutsch­land seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr erlebt hat. Menschen fliehen nicht freiwillig. Die weitaus meisten Menschen fliehen vor Bürgerkriegen, viele aufgrund von weltweiten Men­schenrechtsverletzungen wie Armut, Hunger, Folter, politischer Unterdrückung oder Umweltkatastrophen.

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Chemtrails – Kondenswasser oder Giftstoffe zur Manipulation der Menschheit? Foto: Petra Dirscherl / pixelio.de
Schwerpunktthema

Und was haben die Illuminaten 
damit zu tun? — Alles!

Nicole Thies

Hat Lady Gaga den vollen Durchblick? Läuft alles rund bei ihr? Betrachtet sie ihre Kritiker als Arschlöcher? Oder hält sie selbst ihre Songs für null und nichtig? Alle diese Deutungen wären statt­haft, wenn die exzentrische Sängerin Daumen und Zeigefinger zu einem Ring formt und diesen vors rechte oder linke Auge hält. 
Doch während Kulturjournalisten sich über die „Sphinx ohne Geheimnis“ amüsieren,1 nehmen Verschwörungstheoretiker die Sache todernst.

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Schwerpunktthema

Demut: Die Essenz gesunden Glaubens?

Bertram Szagun

Ergebener Glaube scheint besonders heilsam zu sein. Ist es eventuell nicht der Glaube, sondern die Ergebung, oder, noch verstaubter, Demut, die wirkt? Verschrien als gestriges Schmiermittel hierarchischer Herrschaftssysteme ist sie doch das Antonym zum Narzissmus, d.h. akkurate Selbsteinschätzung, Akzeptanz eigener Grenzen und Selbstvergessen. Es gilt als gesund, sich besser zu sehen, als man ist, doch am gesündesten lebt’s sich in Kulturen mit fehlender Selbsterhöhung. Direkt hinter einem scheinriesigen Selbst lauert Beschämung als gefährlichster Stressor. Mag der traditionelle Weg Gottesfurcht sein, so führen doch viele gottlose Pfade zur Demut.

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Schwerpunktthema

Trainierst du noch oder glaubst du schon?

Pelle B. Pelters

Die Muckibude ein Fitnesstempel, der Yoga-Lehrer ein Guru und Diätregeln Gebote der Lebensführung – aber reicht das, um dem Gesundheitsthema einen Glaubensstempel aufzudrücken? Während die religiöse Konnotation der Medizin untersucht wurde,1 steht diese Frage noch im Raum. Um einer Antwort näher zu kommen, habe ich Gesundheits(re-)präsentationen einem hermeneutisch inspirierten Gedankenexperiment unterzogen. Als Datenmaterial dienten gesundheitssoziologische und -theoretische Texte und als Wegweiser zur Beantwortung der Frage, woran eine Religion zu erkennen ist, eine aus religionssoziologischen Ansätzen destillierte Liste 10 allgemeiner struktureller Kennzeichen von Religion.2

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Schwerpunktthema

Die Aktualität von Karl Marx’ Religionskritik

Axel Rüdiger

„Marx ist tot, Jesus lebt!“ verkündete 1989 der damalige Arbeits­minister Norbert Blüm (CDU) triumphierend vor den polnischen Werftarbeitern in Danzig. Und in der Tat galt Marx in der Zeit nach dem Zusammenbruch des osteuropäischen Staatssozialismus all­gemein als „toter Hund“. Zu eng hatten die sozialistischen Staaten ihre politische Autorität an die wissenschaftliche Reputation seines Werkes geknüpft, so dass ihr Scheitern im Kalten Krieg als dessen Falsifikation erscheinen musste. Die sich anschließenden „Flitterwochen“ von Kapitalismus und liberaler Demokratie tilgten jede Erinnerung an eine noch auf Marx bezugnehmende realistische Alternative aus dem öffentlichen Gedächtnis.

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Schwerpunktthema

Marxismus und Religion – 
Marxismus als Religion?

Lutz Brangsch

Das Thema ist heikel. Das liegt sowohl an Natur und Rolle von Kirche
und Religion als auch am Marxismus. Bebel hob hervor, dass Reli­gion Privatsache sei. Rosa Luxemburg vermerkte in ihrer Schrift Kirche und Religion im Jahr 1905, dass die Sozialdemokraten auch hinsichtlich der Religion für Gewissensfreiheit gegen staatliche Bevormundung stünden. Gleichzeitig gehören Atheismus bzw. Freidenkertum zu wichtigen Strömungen schon der jungen Arbei­terbewegung. Allerdings fällt das Bekenntnis und praktische Han­deln als Kommunist oder Sozialdemokrat im 19. Jahrhundert nicht zwangsläufig mit einem 100prozentigen Atheismus zusammen.

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Schwerpunktthema

Eine fruchtbare Konvergenz
Ein Gespräch mit Richard Saage über Marxismus 
und Darwinismus

Richard Saage und Christoph Lammers

Beide großen Persönlichkeiten, Charles Darwin wie auch Karl Marx, gehören zu den Vordenkern eines emanzipatorischen Weltbildes des 19. Jahrhunderts, auf welches sich viele Säkulare berufen. Bisher wurden jedoch beide Denkrichtungen getrennt voneinander gedacht. Der Politologe Richard Saage lehrte bis zu seiner Emeritierung an der MLU Halle-Wittenberg und gilt als ausgezeichneter Kenner der deutschen Sozialdemokratie. In seinem aktuellen Werk Zwischen Darwin und Marx versucht Saage erstmals für den deutschsprachigen Raum die Rezeption der Evolutionstheorie in der deutschsprachigen Sozialdemokratie vor 1933 zusammenzuführen. Für die MIZ sprach Christoph Lammers mit ihm.

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Schwerpunktthema

Die identitäre Bewegung
Eine europaweit auftretende Strömung 
erregt Aufsehen durch antimuslimische Aktionen

Bernard Schmid

Juni 2014: Eine politische Gruppe macht sich in Frankreich besonders lautstark zur in Brasilien stattfindenden Fußball-WM bemerkbar. Aber nicht aus sportlichen Gründen…! Aus Anlass jedes Spiels während der WM, bei dem Algerien mitmacht – das nordafrikanische Land trat erst gegen Belgien und dann gegen Südkorea an, verlor beim ersten und gewann beim zweiten Mal – veranstaltet der Bloc identitaire gehörigen Lärm. In Paris plakatierte er am Vorabend des Spiels zwischen Algerien und Belgien an der Hochbahnstation Barbès-Rochechouart, vordergründig an die algerisch-französischen Fans gerichtet, die meist in Frankreich aufgewachsene Einwandererkinder sind: „Du bist für Algerien? Dann geh’ auch dort hin!“

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Schwerpunktthema

Ein Autor von Sinnen
Akif Pirinçci und die Islamkritik

Frank Welker

Der in Istanbul geborene Akif Pirinçci wurde 1989 mit seinem Katzenkrimi Felidae berühmt, der es auch als Zeichentrickfilm auf die Kinoleinwand schaffte. In den letzten Jahren war es allerdings deutlich ruhiger um den Erfolgsautor geworden. Mit seiner Streit­schrift Deutschland von Sinnen, seinem ersten Sachbuch, feiert er nun ein Comeback als Heilsgestalt einer nach rechts rückenden Mittelschicht.

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Schwerpunktthema

Gehört der Islam zu Deutschland?
Kalifenkultur, Klosterkultur und die Frage nach 
Europas Wurzeln

Rolf Bergmeier

Eine Mehrheit führender Politiker und deutscher Historiker meint, Europas Kultur sei vor allem eine christliche. Sie sei durch das emsige Schaffen von Mönchen geprägt worden und hätte es die Klöster nicht gegeben, dann wäre es um Europa schlecht bestellt. Nun kann nicht geleugnet werden, dass Europas Kultur vom Christentum geprägt worden ist. Aber das bedeutet nicht, dass diese Religion das Fundament europäischer Kultur bildet. Denn Europa wächst aus vielen Quellen auf. Die ergiebigste ist dabei die griechisch-römische, genannt „antike“. Sie bildet den Grundstock unserer Kultur.

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Kettensäge-Aktion in Kiew, Foto: femen.org
Schwerpunktthema

Die Frauenbewegung zu Kreuze getragen…?
Über femen und ihre Aktionsformen als Teil des 
sogenannten Postfeminismus

Nicole Thies

Für einen Teil der Frauenbewegung zählt Religionskritik zu ihren
Grundpfeilern. Die Frauenbewegung gibt es jedoch nicht. Und
soziale wie politische Aktivist_innen, Bewegungen und Organisa­tionen, die für Frauenrechte und frauenpolitische Themen streiten
und kämpfen, sind nur zum Teil explizit und radikal religions­kritisch. Gemein ist dennoch vielen die Einschätzung und Begrün­dung, dass Religionen – insbesondere die monotheistischen – die patriarchal herrschaftliche Unterdrückung von Frauen festigen und gesellschaftliche Geschlechtsunterschiede manifestieren. Seit 2008 gehört die Gruppe femen zum Aktionist_innenkreis – eine Bewegung, die sich dezidiert religionskritisch positioniert, eine Gruppe, die zuletzt ebenso viel Medieninteresse auf sich zog wie Kritik – nicht nur aus antifeministischen Kreisen.

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Josephine Witt
Schwerpunktthema

„Wir nutzen den Boulevard und 
wir erzielen Resultate“
Ein Interview mit Josephine Witt über die femen-Bewegung und ihre Kritik an Religion(en)

Josephine Witt und Nicole Thies

Die femen-Bewegung provoziert und demaskiert – kontrovers und medienwirksam. Markenzeichen: kurze, politisch provokante Worte auf nackten weiblichen Oberkörpern für Frauenrechte, gegen die Unterdrückung, Gewalt und Sexualisierung der Frauen, gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. Und die mediale Präsenz und die Tatsache, in kürzester Zeit so häufig Schlagzeilen produziert zu haben, scheint der Idee Recht zu geben… Nicole Thies sprach für die MIZ mit Josephine Witt, eine der deutschen Aktivistinnen.

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Porträt Thomas Grüter
Schwerpunktthema

„Verschwörungstheorien sind 
sehr irdisch“
Ein Interview mit Thomas Grüter über die Untaten der Anderen

Redaktion MIZ und Thomas Grüter

Für die meisten Menschen ist es eine historische Tatsache, dass 1969 eine Mondlandung stattfand und der erste Astronaut den Himmelskörper betrat. Der eine oder die andere hat die Bilder damals sogar im Fernsehen gesehen. Doch es gibt Leute, die dies bestreiten und behaupten, alles sei nur eine Inszenierung gewesen, kein Mensch habe den Mond je betreten, die amerikanische Regierung (oder die NASA) täusche die Öffentlichkeit in dieser Frage bis heute.

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1980: Bundestagspräsident Richard Stücklen, CDU/CSU, empfängt den Vorsitzenden der gemeinsamen Schiedsstelle für die Bundestagswahl 1980, den Augsburger Bischof Dr. Hermann Kunst, nach der konstituierenden Sitzung am 22. Mai 1980, Foto: Deutscher Bundestag / Heribert Bode
Schwerpunktthema

Kirchen als politische Akteure

Carsten Frerk

Immer wieder stellt sich die Frage, warum die Kirchen – trotz des Mitgliederrückgangs, der immer wieder öffentlich thematisierten Skandale, ihrer rigiden Moralpolitik – immer noch einen politi­schen Einfluss haben oder zugesprochen bekommen, sogar Ver­treter in die staatliche Kommission zur Klärung der Atommüll-Endlager entsenden. Damit werden die zwei Seiten des Themas deutlich: Zum einen, welchen Anspruch haben die christlichen Kirchen in Deutschland gegenüber der Politik und zum anderen, welcher Einfluss wird den Kirchen von der Politik eingeräumt? 
Das Wollen muss ja nicht dem Gewähren lassen entsprechen.

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Schwerpunktthema

Der kirchlich-mediale Komplex
und warum er den Medienleuten nicht stinkt

Ulli Schauen

Wer sich lange in einem Raum aufhält, in dem ein Hundehaufen liegt, der bemerkt ihn nicht mehr. Also reagieren Medienvertreter verdutzt, wenn man ihnen vorhält, nach Kirche zu riechen. In dem tief empfundenen Bewusstsein, die Sache der Kirchen sei grundsätzlich positiv, vergessen manche ihre Kardinalspflicht: unabhängig zu bleiben. Abseits der kritischen Berichterstattung über Kirchenskandale verfängt die Kirchen-PR so umfänglich, unbemerkt und unhinterfragt, dass von einem kirchlich-medialen Komplex gesprochen werden muss. Ausgeblendet bleiben die institutionellen Eigeninteressen der Kirchen.

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Schwerpunktthema

„Die Wählerstimmen der Konfessionslosen scheint man nicht zur Kenntnis zu nehmen“
Ein Gespräch mit Corinna Gekeler über das Antidiskriminierungsgesetz, hartnäckige Lobbyarbeit und Ämtervermischung

Redaktion MIZ und Corinna Gekeler

Als auf europäischer Ebene Schritte eingeleitet wurden, Diskriminierung auch in der Arbeitswelt zu verbieten, schien das Ende des Kirchlichen Arbeitsrechts mit seinen besonderen „Loyalitätsobliegenheiten“ gekommen. Denn die Kündigung einer Erzieherin, weil sie aus der Kirche austritt, eine zweite Ehe eingeht oder sich zu ihrer Homosexualität öffentlich bekennt, erscheint als eindeutiger Verstoß gegen die Idee einer Welt ohne Diskriminierung. Trotzdem ist es den Kirchen gelungen, eine Gesetzesfassung durchzusetzen, die genau das nach wie vor erlaubt. Wie es dazu gekommen ist, fragte MIZ Corinna Gekeler, die sich in ihrer soeben als Buch erschienenen Studie Loyal dienen auch mit diesen Vorgängen auseinandergesetzt hat.

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Schwerpunktthema

Nomen est omen –
oder: kirchenpolitische Inszenierung von 
charismatischer Herrschaft

Nicole Thies

Die Inszenierung des Papstes als ‘neuer Franziskus’ ist filmreif: der Papst der Armen, die Kirche der Armen und eine Kirche für die Armen – welch’ große Bilder und welch’ ein Mummenschanz! Sollte man meinen… aber der charismatische Name ist Programm mit klaren Motiven: das Stärken der Amtskirche, das Kanalisieren, das Beschwichtigen und Rückführen von sozialen Gegenströmungen, die Bekämpfung des vermeintlichen Unglaubens. Und genau darin ähnelt der Franziskus-Papst dem historischen Franziskus mehr als gerade zu vernehmen ist.

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Schwerpunktthema

Religionen brauchen die Armut

Frank Welker

Studien zeigen, dass Menschen in Ländern besonders stark religiös sind, in denen es keinen materiellen Wohlstand gibt oder in denen die sozialen Sicherungssysteme nicht funktionieren. Nimmt man diese Erkenntnisse ernst, dann müssten Religionsvertreter zu dem Schluss kommen, dass sie die Armut der Menschen brauchen, um nicht selbst überflüssig zu werden. Tatsächlich ist religiöse Armutsbekämpfung nur selten mehr als die Bewahrung des gesellschaftlichen Status quo.

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Schwerpunktthema

„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es Kunst gibt, die uns nicht gefällt“
Ein Gespräch mit Assunta Tammelleo über Blasphemie, die Schere im Kopf und den Kunstpreis „Der Freche Mario“

Redaktion MIZ und Assunta Tammello

Kunst und Religion kollidieren besonders häufig und heftig. Denn Spott und Ironie gehen mit der Vorstellung des Unantastbaren nur schwer zusammen. Auch der § 166 StGB, der sogenannte Gottes­lästerungsparagraph, wurde nur selten gegen lange Abhandlungen, dafür umso öfter gegen Zeichnungen, Erzählungen oder Foto­montagen in Anschlag gebracht. Der Kunstpreis „Der Freche 
Mario“ will genau solche „lästerlichen“ Kunstwerke prämieren. 
MIZ sprach mit Assunta Tammelleo, die den Preis zusammen 
mit Wolf Steinberger gestiftet hat.

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Schwerpunktthema

Blasphemie in China? Kein Thema

Heiner Jestrabek

Blasphemie (blasphêmía βλασφημία, griech. „Rufschädigung“, im engeren Kontext „Gotteslästerung“) bedeutet, dass ein in seiner Existenz zwar nicht bewiesener „Gott“ oder bestimmte Glaubensinhalte einer Religion verneint, verhöhnt, verflucht oder belacht werden. Und dieses „Verbrechen“ müsse eine irdische Gesellschaft angeblich ahnden. Eine kuriose Annahme, denn ein angenommener Allmächtiger müsste eigentlich selbst in der Lage sein, sich zu wehren. Die übertriebene Gereiztheit der Religiösen macht wohl nur Sinn, wenn sie meinen, stellvertretend handeln zu müssen. Aber das müssen wir Nichtreligiösen ja nicht verstehen. Wenn allerdings „Blasphemie“ vom Staat geahndet wird, macht die Frage nach dieser Anmaßung schon Sinn.

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Schwerpunktthema

Der Sinn vom Unsinn
Atheismus mit anderen Mitteln

Daniela Wakonigg

Sogenannte ‘Spaßreligionen’ rufen bei vielen Menschen Abwehr­reaktionen hervor. Bei Religiösen, weil sie Blasphemie wittern und es für sie ohnehin nur eine einzige wahre Religion gibt – nämlich jeweils ihre eigene. Und bei Atheisten, weil ihnen jede Form von Religion suspekt ist. Dabei wird in atheistischen Kreisen leider oft übersehen, dass viele Spaßreligionen keine Religionen sondern Religionsparodien sind. Eine Fortführung des Atheismus mit anderen Mitteln.

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Schwerpunktthema

Sheng Fui: Erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere

Lorenz Meyer

Infolge einer internationalen Verschwörung folgt alle Welt beim Einrichten seit Jahren der kruden Irrlehre des Feng Shui. Die wahre asiatische Leere jedoch ist das Sheng Fui! Das nur Eingeweihten bekannte Philosophiesystem ist nach den Symbolen „Sheng“ für die Kraft des Verstandes und der Weisheit und „Fui“ für Liebesmacht und Wollust benannt. Als es um die Verwestlichung und kommerzielle Ausbeutung der wohl ältesten bekannten Philosophierichtung ging, haben plumpe Plagiatoren lediglich die Anfangsbuchstaben vertauscht: So wurde aus unserem Sheng Fui das Feng Shui, das eine Heerschar selbsternannter Wohnraumberater hervorgebracht hat und die Frauenzeitschriften regelmäßig mit Umstellempfehlungen und Einrichtungstipps überflutet.

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Schwerpunktthema

„Wir wissen, uns erwartet im Jenseits ein Biervulkan und eine Stripperfabrik“
Interview mit Bruder Spaghettus über den Pastafarismus 
in Deutschland

Redaktion MIZ und Bruder Spaghettus

Der Pastafarismus gehört zweifellos zu den aufstrebenden neuen Glaubensbewegungen und die Menschen, die an die Existenz des Fliegenden Spaghettimonsters glauben, werden immer zahlreicher. Daher ist es wichtig, sich mit dieser Form des Glaubens intensiver zu beschäftigen. Die MIZ bat Bruder Spaghettus, einen der führenden Vertreter des Pastafarismus, Stellung zu beziehen.

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Schwerpunktthema

Das Nudelsieb und die Religionsfreiheit

Niko Alm

Ich wage zu behaupten, dass mein Führerschein der bekannteste Führerschein des Universums ist. Das verdanke ich dem Fliegenden Spaghettimonster (FSM) und meinem Glauben an diese Gottheit, die ich durch das Tragen eines Nudelsiebs als Hut verehre. Das ist zugegebenermaßen auch für die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters eine bis vor Kurzem unübliche Praxis gewesen und nicht wenige Pastafaris (Glaubensgeschwister) bestreiten vehement, dass das Nudelsieb überhaupt eine religiöse Kopfbedeckung sein kann, wenn doch das Tragen von Pirateninsignien der eigentlichen Ausdrucksweise unserer Religion entspricht. An dieser Stelle möchte ich also erklären, warum ein Küchengerät mein Führerschein-Foto ziert.

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