Editorial

Die dialektische Aufklärung

Christoph Lammers

1784 formulierte der Philosoph Immanuel Kant die folgenden Sätze: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Es gibt bis heute kaum eine bekanntere – und vielleicht auch keine griffigere – Definition des Begriffes Aufklärung. An dessen Ende ein Aufruf Kants, ja ein Imperativ steht, den es auch heute noch zu beherzigen gilt: „Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“1

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Einst im Osten

Nicole Thies

Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Deutsch-deutsche Geschichte wird zwar zahlreich geschrieben, nur blendet sie zugunsten einer nationalen Einigungsgeschichte und zugunsten einer identitätsstiftenden Erinnerungskultur gern mal ein paar Fakten aus.

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Editorial

Gesellschaftliche Bedeutung erlangen

Christoph Lammers

Die beiden christlichen Kirchen hatten in Deutschland über Jahrzehnte das Glaubensmonopol inne. Mit den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen der letzten Jahrzehnte wuchs nicht nur die Zahl der Anbieter anderer weltanschaulicher Ideologien. Die Kirchen sahen sich zudem verstärkt der strukturellen Kritik ausgesetzt. Die Zahl konfessionsfreier Menschen nahm stetig zu und humanistische und religionskritische Organisationen begannen sich zu organisieren.

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Keine Atempause

Gunnar Schedel

Dieses Jahr wird die MIZ 40 Jahre alt. Im Mai 1972 wurde die erste Ausgabe der „Materialien und Informationen zur Zeit“ verteilt, damals noch eher Flugblatt denn Zeitschrift. Drei Jahre später erschien das erste Heft im jetzigen Format. Der Untertitel „Politisches Journal der Konfessionslosen und Atheisten“ wurde mit Heft 3/79 eingeführt.

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Und es bewegt sich doch! 
Oder: Atheisten aller Länder vereint euch!

Nicole Thies

Aufrufe zur Sozialisierung und Inter­nationalisierung sind nicht neu. Aber die Verbreitungsgeschwindigkeit und
Verteilungsbreite dieser Aufrufe hat
 sich in der beschleunigten Kommuni­kationsgesellschaft geändert: die Organisation in Sozialen Netzwerken lässt Regierungen stolpern oder bringt sie
gar zu Fall. „Networking“ und „Globa­lisierung“ sind zu Begriffen geworden, die nicht allein in der Wirtschaft, im Politmanagement und im Wissen­schaftsbetrieb oft bemüht werden, sondern längst unseren Alltag bestimmen. Auch die internationale Vernetzung der Atheisten ist zügig vorangekommen, wie die zahlreichen Kongresse und Tagungen in diesem Jahr zeigen. Also Zeit zur Bestandsaufnahme und Revision!

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Frank Welker

die MIZ setzt sich seit 40 Jahren für Vernunft und Toleranz und gegen religiösen Einfluss auf die Politik ein. Dabei haben wir Sie immer zuverlässig über die Verfilzung von Staat und Kirche, den kirchlichen Einfluss im öffentlichen Leben, die Politik der Päpste und kleinerer klerikaler Potentaten informiert. Zudem haben wir kritisch über „Sekten“, „Neue Religiosität“ und Esoterik berichtet. Auch haben wir uns nicht davor gescheut, heiße Themen, wie die Marktgläubigkeit oder „Alternative Heilmethoden“ anzupacken. Nicht selten mussten wir dafür dann auch heftige Kritik einstecken. Mit all dem ist jetzt Schluss!

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Armutsrhetorik

Gunnar Schedel

Die Frage ist nicht eben neu und selbst die Kulturindustrie bedient sich der damit verbundenen Bilder. In Umberto Ecos Der Name der Rose gibt es eine Szene, in der Franziskanermönche mit einer Delegation des Papstes zusammentreffen und darüber streiten, ob Jesus ein Armer gewesen sei und was das denn für die Kirche bedeute. Franziskus von Assisi und sein Orden werden der Papstkirche gegenübergestellt, als alternative Form des Christentums, als Hoffnung für all jene, die so gerne glauben würden, aber daran verzweifeln, dass sich Rom vor allem als mächtig, prunkvoll und korrupt erweist. Wie viel davon echter innerkirchlicher Konflikt und wie viel Kommunikationsstrategie (im Sinne von „Standbein, Spielbein“) ist, auch das ist Thema der Beiträge unseres aktuellen Schwerpunktes.

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Wie mächtig ist die Kirchenlobby?

Gunnar Schedel

Politische Abläufe in ein Bild zu fassen,
hat Vor- und Nachteile. Denn jedes deutliche Bild vereinfacht den dargestellten Sachverhalt, es spitzt ihn auf das Wesentliche zu und setzt sich damit dem Vorwurf aus, undifferenziert zu sein. Aber zugleich schafft genau diese Konzentration auf den Kern der Sache manchmal die Voraussetzung für das grundlegende Verständnis und eröffnet die Perspektive für eine differenzierende weitere Analyse.

 

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Editorial

Dichtung und Wahrheit

Christoph Lammers

Der Blick in die Zeitungen und ins Fernsehprogramm verrät viel über den jeweiligen Zustand einer Gesellschaft. In
Bezug auf das aktuelle Schwerpunkt­thema ist damit weniger die Quali­tät der Informationen und des Enter­tainments gemeint, sondern vielmehr die Frage, womit sich die Medien zurzeit beschäftigen. Und hier zeigt sich, dass Verschwörungstheorien und Geheim­bünde en vogue sind.1

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Beantwortung der Frage, 
ob der Islam zu Europa gehört

Gunnar Schedel

Eigentlich eignet sich die Frage nicht für Parolen. Denn bevor eine auch nur halbwegs vernünftige Antwort gegeben werden kann, ob der Islam zu Europa gehört oder nicht, müsste erläutert werden, wie die Frage denn genau verstanden werden soll. Und ein solcher Text, der die Voraussetzungen der Beantwortung seriös erörtert, passt nicht auf ein Wahlplakat.

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Editorial

Religionskritik als Gesellschaftskritik

Christoph Lammers

Als sich kurz vor den diesjährigen Landtagswahlen in Thüringen abzeichnete, dass es für ein Regierungsbündnis zwischen Linke, SPD und Grüne reichen könnte, schürte die Pfarrerstochter und Bundeskanzlerin Angela Merkel die Angst vor dem Gespenst des Kommunismus. Es könne doch nicht sein, so Merkel, dass „jetzt der Karl Marx in die Staatskanzlei getragen werden“ solle.

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Ist, macht und hält Glaube gesund? – Packungsbeilage

Nicole Thies

Gläubige Menschen leben länger und haben ein besseres Immunsystem; leiden weniger häufig an Depressionen, Herzleiden, Bluthochdruck… Doch ist
das selbst nur Glaube? Oder leben gläubige Menschen einfach gesünder? Wirkt Religiosität auf die physische Befindlichkeit? Oder bedingen das
religiöse Umfeld und die Lebensverhältnisse den Umgang mit körperlicher
Gesundheit oder Gesundheitsempfin­den?

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Irgendwie gesund

Gunnar Schedel

Wer einmal an irgendeinem Wallfahrts­ort war, kennt das Bild: In einer Kapelle hängen Tafeln an der Wand, die der Heiligen Jungfrau Maria oder irgendeinem Heiligen für die Genesung von irgendeinem Leiden danken. Das Beten muss wohl irgendwie geholfen haben. Wer’s glaubt, wird geheilt…

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Porträt Nicole Thies
Editorial

In dubio pro libertate

Nicole Thies

Kunst ist frei. Satire darf alles.

Ein Blick in die europäische Kultur
geschichte straft uns Lügen. Schreiben­de wie bildende Künstler_innen, die brisante politische Aussagen formulieren, drohen bis heute Arbeitsverbote, Einschüchterungen, Anklagen, Frei­heitsentzug oder sogar der Tod. Die Entscheidung zur Kritik blieb den einzelnen Kunstschaffenden überlassen. Die Akzeptanz und das Verhandeln der Begriffe ‘Kunst’ und ‘Freiheit’ bleibt jedoch ein Privileg der Menschen und der Gesellschaft. Was ist Kunst? Was ist Freiheit? Hier scheiden sich bekanntlich die Geister.

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Editorial

Die Würde des Kindes…

Christoph Lammers

… ist antastbar. Dies ist der Eindruck, der bestehen bleibt, schaut man sich die bisweilen heftig geführte Debatte um die Beschneidung von Jungen an. Mit dem nun vorliegenden Gesetz wird die Unversehrtheit des Körpers eines jeden Kindes hinter die Religionsfreiheit (Art. 4 GG) und hinter das Recht der Eltern auf die religiöse Erziehung des Kindes (Art. 6 GG) zurückgestellt. Die Würde des Kindes (Art. 1 GG) wird damit zu einem Verfassungsrecht dritten Ranges degradiert.

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Editorial

Möglichkeiten und Grenzen säkularer Medienarbeit

Christoph Lammers

Es ist schon paradox: Obwohl der Anteil Konfessionsloser in unserer Gesellschaft stetig zunimmt und damit der Bedarf an Information und der Wunsch nach Partizipation steigen, spiegelt sich diese Entwicklung nur zu einem geringen Teil in der Berichterstattung der Medien wieder. Themen, die von gesellschaftlicher Relevanz sind (so z.B. die aktuelle Diskussion um selbstbestimmtes Leben und Sterben), werden zwar in den sozialen Netzwerken ausführlich diskutiert. In Zeitungen, Radio und Fernsehen werden aufgeklärte Positionen jedoch weitgehend ignoriert. Es fehlt schlicht an Gegenöffentlichkeit. Die Gründe hier
für sind vielschichtig und können an dieser Stelle nur angerissen werden. Zunächst muss es darum gehen zu verstehen, welche Funktion Medien haben und inwieweit sie diese im Hinblick auf die säkularen Positionen erfüllen.

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Und man siehet die im Lichte, 
die im Dunkeln sieht man nicht …

Nicole Thies

Säkulare Menschen werden wegen ihrer Weltanschauung in vielen Nationalstaaten dieser Erde diskriminiert, gesellschaftlich und politisch isoliert, an der Ausübung ihrer sozialen, politischen und ökonomischen Tätigkeit(en) und Fähigkeiten gehindert, verfolgt und ermordet. Zwei Menschen aus Bangladesch, die mit tatkräftiger Unterstützung des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheis­ten (IBKA) Asyl in Deutschland beantragt haben, beschreiben in diesem Themenschwerpunkt die Situation von säkularen Blogger_innen in Bang­ladesch.

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Eigentlich…

Gunnar Schedel

Eigentlich könnte es ein Aufbruchsignal für gesellschaftliche Veränderung sein: Im April wurde in einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs festgestellt, dass die Nichtberücksichtigung einer konfessionslosen Bewerberin durch ein Unternehmen der Diakonie gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen hat. Und Ende Mai kam der Generalanwalt des Gerichts im Fall der Kündigung 
eines Chefarztes eines „katholischen“ Krankenhauses zu dem Schluss, dass die Wiederverheiratung nach einer Scheidung bei einem Mediziner kein zulässiger Kündigungsgrund sei. Da das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wegen der Sonderbehandlung der Kirchen bereits kurz nach seinem Inkrafttreten ins Visier der EU-Kommission geraten war, kam die Entwicklung nicht wirklich überraschend. Und eigentlich wäre nach so einer klaren Ansage aus Luxemburg der Gesetzgeber gefordert, die deutschen Rechtsvorschriften an europäische Standards anzugleichen.

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Porträt Gunnar Schedel
Editorial

Moderne Reaktionäre

Gunnar Schedel

Anthroposophie polarisiert. Das erfährt schon, wer mit Menschen spricht, die eine Waldorfschule besucht haben. Bei „normalen“ Ex-Schülern ergibt sich in der Rückschau die „Normalverteilung“: Einige (wenige) erinnern sich an Schule als die schönste Zeit ihres Lebens, einige (wenige) können nur mit Schrecken daran denken und die große Mehrheit sieht Licht und Schatten, hat das Gefühl, die Schule halbwegs oder zumindest irgendwie gemeistert zu haben, blickt jedenfalls ohne allzugroße Emotionen zurück. Ganz anders ist das nach meiner Erfahrung bei Waldorfschülern. Hier ist diese Gruppe die kleinste, und ihr stehen zwei etwa gleich große Blöcke gegenüber, die mit strahlender Begeisterung bzw. heftiger Ablehnung an ihre Waldorfschulzeit zurückdenken.

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Editorial

Der Kampf um das säkulare Erbe

Christoph Lammers

2018 ist das Jubiläumsjahr diverser Revolutionen. Zäsuren, Umbrüche und Aufbruchstimmung bestimmen die Jahrestage zum vergangenen 20. Jahrhundert, allen voran die Novem­berrevolution von 1918 und die Ent­wicklungen um 1968. Sie sind deshalb von enormer Bedeutung, weil auch und gerade für die säkulare Szene derzeit durchaus lehrreich. Denn um zu erkennen, wie gesellschaftliche und politische Prozesse ablaufen, um auf Herausforderungen in der heutigen Zeit zu reagieren und um die richtigen Entscheidung unter den gegebenen Bedingungen zu fällen, dafür lohnt ein Blick in die Geschichte.

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Porträt Nicole Thies
Editorial

Bildungskanon
Was gehört denn nun in die Köpfe der Kinder?

Nicole Thies

Lehrpläne sind Zeugen und ein Spiegel des Bildungskanons in einer Gesellschaft, aber nicht in Stein gemeißelt. Individuell ist die Frage, was und wie in den Schulen unterrichtet werden soll, oft schnell beantwortet. Jedoch bei der Frage um einen Grundkonsens innerhalb der Gesellschaft zeichnen sich ebenso schnell tiefe Gräben ab.

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Editorial

Verbieten verboten

Christoph Lammers

Wären Sie überrascht, wenn ich Ihnen sagen würde, dass von 198 Staaten dieser Erde 32 (16%) so genannte Anti-Blasphemie-Gesetze und 20 (10%) Gesetze gegen Glaubensabfall besitzen, zudem 87 Länder (44%) Gesetze gegen die Diffamierung von Religionen im Allgemeinen bzw. Hassreden gegen die Angehörigen von Glaubensgemeinschaften in ihren Gesetzbüchern behandeln?1 Und wussten Sie, dass in acht von 45 europäischen Staaten so genannte Blasphemie-Gesetze existieren und in 35 europäischen Ländern Gesetze gegen Diffamierung bzw. Hassreden existieren? Und was halten Sie davon, dass in Irland Gotteslästerung erst kürzlich unter Strafe gestellt wurde?2

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