Schwerpunktthema | Veröffentlicht in MIZ 1/19 | Written by Rainer Ponitka

Bedrohung als Dauerzustand –Säkulare Medienschaffende in Bangladesch

Der Internationale Bund der Konfes­sionslosen und Atheisten (IBKA) ist seit dem Jahr 2001 über die beklagenswerte Menschenrechtslage in Bangladesch informiert; im Jahr 2002 verlieh er seinen damaligen Erwin-Fischer-Preis der bangladeschischen Schriftstellerin und Ärztin Taslima Nasrin, die ihre Heimat 1994 aufgrund eines Mordaufrufs verlassen musste und seitdem im Exil lebt.

In jüngster Vergangenheit sind – 
neben anderen vom bangladeschischen 
Staat offensichtlich geduldeten Men­schenrechtsverletzungen – besonders atheistische und säkulare Blogger bedroht:

2013 wurde Asif Mohiuddin auf dem Weg zur Arbeit von religiösen Funda­mentalisten mit einer Machete attackiert und kurz darauf gemeinsam mit anderen Bloggern inhaftiert; der Vorwurf war, dass sie religiöse Gefühle verletzt hätten. Im gleichen Jahr wurde von islamischen Extremisten eine Todesliste mit den Namen von 84 Bloggern1 veröffentlicht. Kurz danach wurde der Blogger Ahmed Rajib Haider von einer Gruppe mit Macheten bewaffneter Attentäter getötet, als er sein Haus in Dhaka verließ. Im Jahr 2015 fanden weitere Attentate auf säkulare Blogger statt: Avijit Roy, Washiqur Rahman, Ananta Bijoy Das und Niloy Neel wurden ermordet. Kurz darauf wurden auch Verlagshäuser angegriffen und der Verleger Faisal Arefin Dipan wurde getötet; sein Kollege Ahedur Rashid Tutul wurde verletzt. 2016 setzten sich die Attacken fort: Nazimuddin Samad wurde getötet, ebenso Xulhaz Mannan, Redakteur des ersten LGBT-Magazins in Bangladesch. Solche und ähnliche Angriffe wurden bis ins Jahr 2018 fortgeführt, und leider ist kein Ende abzusehen.
Religiöse Extremisten in Bangla­desch verfolgen das Ziel, Atheisten und andere säkulare Aktivisten zu ermorden – wie sie es auch mit Angehörigen religiöser Minderheiten betreiben. Erschreckend ist, dass die Regierung entweder unfähig oder nicht gewillt ist, diese Leute vor den fundamentalistischen Amokläufern zu schützen.2

Durch zwei bangladeschische säkulare Blogger, die das Asylverfahren in Deutschland bereits durchlaufen haben, kam der IBKA in Kontakt mit Durba Zahan – einige Monate, nachdem ihr Vater Shahjahan Bacchu im Juni 2018 in Kakaldi auf offener Straße erschossen wurde.3 Er war Inhaber eines kleinen säkularen Verlages.

Zahan war aktive Bloggerin (z.B. somewherinblog.net), stellte jedoch das Schreiben nach dem Mord an ihrem Vater aufgrund der Gefährdung ihrer Person ein. In persönlichen Gesprächen schilderten sie, dass die Bedrohung säkularer Aktivisten in Bangladesch an der Tagesordnung ist. Nach dem Tod ihres Vaters erinnerte man sich auch an ihre Texte und religiöse Fanatiker schlugen vor, sie wie ihren Vater zu töten und zuvor zu vergewaltigen, da man dafür im Himmel belohnt würde.

Anmerkungen

1 https://indianexpress.com/article/india/india-others/84-on-hitlist-8-killed-dhakas-politics-drives-cycle-of-death/ , auch: https://www.aljazeera.com/indepth/opinion/2015/08/hit-list-endangered-bloggers-bangladesh-150813132059771.html (Zugriff jeweils 19.4.2019).
2 Vgl. OHCHR Session 31 – Written statement submitted by the Asian Legal Resource Centre, a non-governmental organization in general consultative status - BANGLADESH: Justice institutions need fundamental change to address torture – http://daccess-ods.un.org/access.nsf/Get?Open&DS=A/HRC/31/NGO/119&Lang=E
3 https://indianculturalforum.in/2018/06/ 18/shahjahan-bacchu-shujaat-bukhari-killing-right-wing/

Rainer Ponitka