Zensur beginnt selten mit einem Verbotsschild. Sie beginnt viel häufiger mit einer (parlamentarischen) Anfrage, einer unterschwelligen Drohung, einem juristischen Hinweis, einem „muss das wirklich sein?“. Sie beginnt dort, wo politische Institutionen nicht mehr aus Überzeugung entscheiden, sondern aus Furcht vor dem nächsten Aufschrei, der nächsten Kampagne, dem nächsten Vorwurf. Und sie beginnt oft genau dann, wenn – wie das Beispiel der AfD zeigt – Ideolog*innen gelernt haben, dass sie nicht einmal mehr selbst verbieten müssen, um andere zum Schweigen zu bringen. Für Säkulare ist das keine abstrakte Dystopie, sondern eine quälende Erinnerung daran, wie zerbrechlich die Freiheit des offenen Wortes ist. Denn, wer ohne religiöse Verblendung lebt, ist auf eine streitbare Öffentlichkeit angewiesen, in der nichts sakral geschützt, sondern alles argumentativ umkämpft bleiben darf.
... mehr