Zündfunke MIZ 2/07

Karfreitagstanz

In allen Bundesländern gibt es sog. “Stille Tage”, an denen öffentliche Feierlichkeiten gesetzlich verboten sind. Ein ganz besonders stiller Tag ist der Karfreitag; das Bayerische Feiertagsgesetz regelt, dass an diesem Tag ausnahmslos jede Veranstaltung mit Musik und guter Laune untersagt ist. Der Bund für Geistesfreiheit (bfg) München bietet seit einigen Jahren an diesem Feiertag ein Freigeister-Kino an und reicht dazu süße Versuchungen. Dieses Jahr sollte am Abend auch getanzt werden – zu Live-Musik der Rockband Heilig. Das Kreisverwaltungsreferat der Stadt München befand jedoch, dass ein derartiger Heidenspaß am Karfreitag nicht zulässig sei und verbot die Veranstaltung.

Bereits kurz nach der Ankündigung im März hatten kirchliche Kreise verlauten lassen, eine derartige Veranstaltung widerspreche “dem menschlichen Anstand” und ein Verbot gefordert. Dieser Auffassung schlossen sich die städtischen Behörden an: Schokolade essen und tanzen entsprächen nicht “dem Ernst des Tages”. Für den Fall der Zuwiderhandlung wurde eine Strafe von 10.000 Euro (das ist die diesbezüglich höchstmögliche Summe) sowie die gewaltsame Unterbindung angedroht.

Damit freilich hatte der bfg München gerechnet. Denn bei der Aktion ging es gerade darum, die diskriminierende Regelung zu skandalisieren, die Konfessionslose dazu zwingt, an einem arbeitsfreien Tag ihr Verhalten an religiösen Vorstellungen auszurichten. Deshalb war der gesamte Abend auch mit dem Motto “Religionsfreie Zone” überschrieben, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass gegenüber einem Staat, der allen Bürgerinnen und Bürgern per Gesetz vorschreibt, sich gemäß dem Verhaltenskodex einer Glaubensgemeinschaft zu verhalten, Freiräume erkämpft werden müssen.

Am Abend selbst – an dem über 200 Personen gekommen waren – hatte der bfg auf die Konfrontation verzichtet und den “Freigeister-Tanz” abgesagt. Gegen das Verbot allerdings wurde eine Feststellungsklage eingereicht. So soll geklärt werden, ob es in Ordnung ist, auch von Ungläubigen zu verlangen, am Freitag vor Ostern Trübsal zu blasen.
 


Moscheebau
Der nordrhein-westfälische Landesverband des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.) hat mit einer Pressemitteilung Stellung gegen die “Stimmungsmache gegen den Moscheebau in Köln Ehrenfeld” bezogen. Dort will die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) ein repräsentatives islamisches Gotteshaus errichten. Landessprecher Rainer Ponitka verwies darauf, dass Moscheen (wie auch Kirchen, Synagogen und Tempel) “systematische Falschdenkschulen” seien. Dennoch hätten Religionsgemeinschaften das Recht, solche Einrichtungen zu errichten, solange sie sich verfassungskonform verhielten und sich selbst finanzierten. Einen Generalverdacht gegen Muslime lehnt der IBKA NRW ab, gerade eine Minderheitenreligion benötige in besonderer Weise den Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Erst wenn konkrete Verdachtsmomente vorlägen, solle der Staat – nach rechtsstaatlichen Grundsätzen – eingreifen. Wer auf bloße Verdächtigungen hin Verbote fordere, setze sich dem Verdacht aus, dass die “vorgebrachte Sorge um staatliche Neutralität, Freiheit und Demokratie” lediglich “nationalistische Überfremdungsängste” verschleiern solle.

Zugleich verwies der IBKA NRW darauf, dass das Grundproblem die finanzielle Förderung und Privilegierung der Kirchen sei. Wer dieses System befürworte, sei anfällig für die Vorstellung, durch eine Ausweitung der Privilegien auf islamische Verbände könne “eine Art Kuschel-Islam” erkauft werden. Wo jedoch “Frauen hinter Vorhänge verbannt werden, während muslimische Männer gemeinschaftlich Unterwerfungsszenarien praktizieren, sind Gleichberechtigung, Vernunft und Aufklärung fern”. Deshalb sei die Abschaffung der “grundrechtsfeindlichen Kirchenprivilegien” der einzig sinnvolle Weg, Gleichbehandlung und freie Gesellschaft unter einen Hut zu bekommen.

Nicht alle IBKA-Mitglieder zeigten sich über die Überschrift der Pressemitteilung glücklich. Diese lautet “Für ein Grundrecht auf Moscheebau”, was in der internen Mailingliste zu einer grundlegenderen Diskussion führte, welchen Schwerpunkt ein atheistischer Verband in dieser Frage setzen sollte. Letztlich blieb unentschieden, ob eher die formale Gleichbehandlung im Sinne der Religionsfreiheit oder der kritische Blick auf die konkreten gesellschaftlichen Auswirkungen einer Religion betont werden sollte.
 


MSS versus Kahl
Die Humanistische Union Marburg hatte am Abend des 24. April 2007 im Sinne einer Kontrastinitiative zum so genannten Elisabeth-Jahr 2007 gemeinsam mit dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.) ein Streitgespräch zwischen dem Marburger Religionswissenschaftler und Philosophen Dr. Dr. Joachim Kahl und dem Trierer Philosophen und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Dr. Michael Schmidt-Salomon organisiert.

Bereits die einleitenden Ausführungen machten deutlich, dass hier öffentlichkeitswirksame Einforderung der strikten Trennung von Kirche und Staat seitens Schmidt-Salomons gegen einen von Kahl eher sprachformal vertretenen weltlichen Humanismus stehen. Dessen Kritik an der Verwendung eingängiger Begriffskombinationen, wie etwa “frohe Botschaft” des evolutionären Humanismus als religionsfrei entfaltete Weltwahrnehmung, verfehlte die, wie in anderen kulturellen Entwicklungen, sei es etwa Literatur oder Musik, auch hier wirksame Bedingung, welche die Verabschiedung der Religionsdominanz vermittels deren eigener Epochenterminologie artikuliert.

Kahls Einwände gegen den Kampag-nencharakter der Organisierung “religionsfreier Zonen” im Umfeld kirchlicher Großveranstaltungen waren immerhin durchaus nicht ohne implizites Zugeständnis öffentlichkeitswirksamen Reich-weitengewinns.

Auf vielfaches Unverständnis stieß Kahls “Wortbedeutungsfixiertheit”, die sich u.a. darin ausdrückte, dass er Schmidt-Salomons Slogan “Glaubst du noch, oder denkst du schon?” als Unterstellung interpretierte, wer gläubig sei, könne generell nicht denken. Hiergegen meldete sich im Auditorium der etwa 50 anwesenden Gäste Protest: Die Verabschiedung schlichten Glaubens vermittels emanzipierten Denkens könne man durchaus als schlüssige Abfolge betrachten, hieß es.

In der Konfrontation an jenem Abend wurde deutlich, dass Religionskritik immer wieder auf gewisse religionsapologetische Empfindlichkeiten trifft, deren Verteidigung sich mitunter sogar mit dem vehementen Anspruch einer als atheistisch deklarierten Wahrheitsauffassung verbinden kann. So befremdlich dies auch erscheinen mag, so ist an diesem Abend doch zweifellos deutlich geworden, dass derartige öffentliche Streitgespräche nicht nur unterhaltsam, sondern auch produktiv sein können, indem sie die verschiedenen theoretischen wie strategischen Wege erhellen, die Aufklärer heute beschreiten können.

Eva-Maria Hesse-Jesch
 


GWUP-Konferenz
Psychotechniken waren der Schwerpunkt der 17. Konferenz der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Der Begriff umfasst im weitesten Sinne ein kaum mehr überschaubares Angebot von Tausenden von “Trainern” oder “Coachs”, die das Bedürfnis vieler Menschen, im alltäglichen Konkurrenzkampf psychisch “fit” zu sein, bedienen. In der Regel verfügen sie über keine hinreichende Ausbildung, um auch nur zu verstehen, welche Folgen die in Weiterbildungsseminaren angewandten Psychotechniken bei den Teilnehmern zeitigen können. Gerade im Bereich der Management-Seminare, dies verdeutlichte der Vortrag der Psychologin Bärbel Schwertfeger, werden die Anwesenden einem Wechselbad von Verunsicherung und Euphorisierung ausgesetzt, das für ihr berufliches Fortkommen keinerlei positive Auswirkungen hat, jedoch schwere psychische Schäden nach sich ziehen kann, wie sie anhand einiger Beispiele verdeutlichte. Besonderer Beliebtheit in den Chefetagen – angeblich auch in großen Firmen – erfreut sich derzeit die “Psycho-Physiognomik”. Dieses Verfahren, das in erschreckender Weise an die rassenkundlichen Betrachtungen der NS-Zeit erinnert, soll bei der Personalauswahl hilfreich sein. Aus der Kopfform, aus Nase, Stirn & Kinn sei vermeintlich ablesbar, welche Charaktereigenschaften ein Bewerber mitbringe. Wer auf diese Form der Personalrekrutierung setzt, kann aufwändige Vorstellungsrunden und Assessment Center einsparen. Einer der momentan gefragtesten Anbieter, Dirk Schneemann, kann als Qualifikation eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer vorweisen...

Trotz derart offenkundiger Missstände und obwohl in der Branche jährlich geschätzt über 10 Milliarden Euro umgesetzt werden, ist dieser Markt in keiner Weise reguliert. Ingo Heinemann, Rechtsanwalt und Vorstandmitglied der AGPF – Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung, wies darauf hin, dass es nicht einmal ein “Psychotherapie-Gesetz” gibt, worin geregelt wäre, welche unter den unzähligen Angeboten überhaupt als “Psychotherapie” gelten können. So existieren unzählige Beeinflussungsmethoden, deren Anbieter eine Verbesserung geistiger Fähigkeiten und Eigenschaften aller Art versprechen, wobei teilweise sogar die Grenze zur unzulässigen Heilbehandlung überschritten wird. Trotzdem gibt es nicht einmal Ansätze eines wirksamen Verbraucherschutzes; Mindeststandards zur Qualitätssicherung fehlen ebenso wie ein Widerrufsrecht.

Auch die Szene, die an das von Bert Hellinger erfundene “systemisch-phänomenologische Familienstellen” anknüpft, wächst nach wie vor. Die Sozialpädagogin Claudia Barth stellte die Grundbegriffe der Therapie à la Hellinger & Co. vor. Dabei verdeutlichte sie sein autoritäres Verhältnis zu den Klienten, die Beliebigkeit seiner Interventionen (die eher auf seinen gesellschaftspolitischen Vorurteilen, z.B. über die Rolle der Frau, als auf wissenschaftlicher Analyse aufbauen) sowie seine esoterische Auffassung von Ordnung. Auch wenn Hellinger durch seine den rechtsextremen Diskurs bedienenden Aussagen persönlich an Bedeutung verloren hat, ist seine Vorgehensweise in den letzten zehn Jahren in die helfenden sozialen Berufe eingesickert und insofern nach wie vor eine Herausforderung.

Der Donnerstag war, wie stets in den letzten Jahren, als Publikumstag konzipiert und behandelte in kurzen, von Bernd Harder moderierten Vorträgen grundlegende Themen wie Wahrnehmungstäuschung, Alternativmedizin oder Astrologie. Am abschließenden Samstag waren mit Mahlon Wagner und Joe Ni-ckell zwei Gäste aus der amerikanischen Skeptiker-Bewegung anwesend. Nickell, der als “Investigator” für die CSI unterwegs ist, berichtete von einige aktuellen Fällen, die er untersucht hatte; Der Psychologie-Professor Wagner stellte die Hintergründe der in der USA stattfindenden Kreationismus-Debatte dar und arbeitete die sozialpsychologischen und kulturellen Unterschiede zur Situation in Europa heraus. Dabei wurde deutlich, wie viel stärker – trotz einer formal strengen Trennung von Staat und Kirchen – in den USA der Einfluss der Religion auf die Gesellschaft ist.

Am Samstagabend wurde dann gefeiert: 20 Jahre organisierte Skeptiker in Deutschland – und das heißt nicht zuletzt: 20 Jahre GWUP.
 


Schraubenschlüssel
Es gibt eine neue, von einem säkularen Verband ausgelobte Auszeichnung: den “Schraubenschlüssel am Bande”. Erstmals wurde der Preis Mitte Juli im Rahmen der Mitgliederversammlung des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) München an Ihre Durchlaucht, Fürstin Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis (in Abwesenheit) verliehen. Der Schraubenschlüssel, eine eigens für diesen Zweck angefertigte Arbeit des oberbayerischen Bildhauers Nikolaus Sanktjohanser, soll fortan jährlich vergeben werden an eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die durch entsprechende Äußerungen “den Einsatz eines Schraubenschlüssels zum Wieder-Anziehen vom bemerkenswert großen lockeren Schrauben” notwendig erscheinen lasse.

Die in Regensburg lebende Trägerin des Bundesverdienstkreuzes machte das Rennen vor Militärbischof Walter Mixa und der Buchautorin Eva Herman. Sie erhielt den Zuschlag für Ihre Auslassungen über die Notwendigkeit einer neuen “Inquisition für die Leute, die immer unseren Bischof angreifen oder für die, die Frauen als Priester haben wollen”. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung habe sie sich sogar launig angeboten, die Scheiterhaufen selbst anzuzünden. Als ihre Äußerung durch einen Redakteur des Regensburger Wochenblattes öffentlich gemacht wurden, sah die Fürstin keineswegs die Notwendigkeit, sich für ihre ebenso hirnlosen wie menschenverachtenden Gewaltphantasien zu entschuldigen, sondern beklagte sich darüber, dass ein so “humorvolles und höchst privates Wortgeplänkel” der Öffentlichkeit mitgeteilt worden sei.

Gloria von Thurn und Taxis war bereits mehrfach durch ihre extrem konservative Interpretation des Katholizismus sowie unbedingte Papsttreue aufgefallen. Insofern mag es kein Zufall gewesen sein, dass ihr Wunsch, die Inquisition wieder einzuführen, auf einer Feierlichkeit anlässlich des Geburtstages Benedikt XVI. geäußert wurde.
 


Fernsehauftritte
Gleich mehrfach waren in den vergangenen Monaten Repräsentanten der Konfessionslosen als Gesprächspartner in Fernsehsendungen zu sehen.

Sehr ausführlich kam Michael Schmidt-Salomon Anfang April in Sternstunde Philosophie zu Wort, einem Format des schweizerischen Fernsehens, in dem zwei Journalisten eine Stunde lang mit einem Gast diskutieren. Unter der Überschrift “Wiederkehr des Atheismus?” wurde der MIZ-Chefredakteur befragt, ob “Gott” ein Auslaufmodell sei und der Atheismus eine Renaissance erlebe. Dabei kamen (neuro)biologische Erkenntnisse ebenso zur Sprache wie die zentralen Argumente für die Fortschreibung des Projektes der Säkularisierung. Die Sendung stieß auf so große Resonanz beim Publikum (es gab unzählige Anfragen), dass sie nicht nur von 3sat (Ausstrahlung ausgerechnet am Ostersonntag!) übernommen, sondern auch im Schweizer Fernsehen mehrmals wiederholt wurde.

An ein ganz anderes Publikum richtet sich das ARD-Magazin Polylux. Ein “Vormarsch der Gottlosen” überschriebener Beitrag thematisierte die Dominanz des Religiösen im öffentlichen Leben. Auch hier kam Michael Schmidt-Salomon zu Wort; außerdem wurde der Lebenskunde-Unterricht des Humanistischen Verbands in Berlin vorgestellt und die Vorsitzende des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) München, Assunta Tammelleo forderte ein paar der kirchlichen Feiertage abzuschaffen und dafür weltliche einzuführen.

Selbst in Talkshows wurden Religion & Religionskritik thematisiert. In der SWR-Talkrunde Nachtcafé, dessen Moderator Wieland Backes bereits häufiger kontroverse Gesprächsrunden über Kirche & Glauben zusammengestellt hat, war es wiederum Assunta Tammelleo, die auf die Frage “Brauchen wir Gott?” antworten konnte.

Das Motto der Sendung Menschen bei Maischberger lautete etwas reißerisch “Aufstand der Ungläubigen”. Entsprechend lebhaft ging es dann auch zur Sache, mit Michael Schmidt-Salomon und Paul Schulz (dem einst sehr populären, Anfang der 1980er Jahre von der evangelischen Kirche jedoch gefeuerten “Ketzerpastor”, der unlängst das Buch Codex Atheos über die “Kraft des Atheismus” vorgelegt hat) auf der einen und der Erz-Katholikin Gabriele Kuby, Witta Pohl (die an allerlei esoterische Seltsamkeiten glaubt), Asiye Köhler vom Zentralrat der Muslime und dem Stuttgarter Bischof Fürst auf der anderen Seite. Vor allem Paul Schulz redete sich am Ende richtig in Rage – was aber angesichts des teilweise haarsträubenden Unsinns, der da geplappert wurde, ganz verständlich war. Ob Gabriele Kuby von ihren Erfahrungen mit vom Teufel besessenen Menschen faselte, Asiye Köhler von einem Islam erzählte, an dessen Existenz sie wohl selbst nicht glaubt, oder der Herr Bischof sich bemühte, Glaube und Vernunft zusammenzubringen, auf ungläubige Fernsehzuschauer wirkte die Welt der Religiösen stellenweise sehr, sehr eigen.

Sternstunde Philosophie gibt es auch als VideoPodcast im Internet: http://www.sf.tv/sf1/sternstunden/index.php?docid=20070401.
 


Ex-Muslime
Auf einer Veranstaltung in Köln haben die beiden Vorsitzenden des Zentralrates der Ex-Muslime (ZdE) über Ziele und Forderungen der Organisation informiert. Dabei zeigte sich, dass der noch junge Verein in einigen Fragen noch nicht mit einer Stimme spricht. Dies kann als Zeichen dafür gesehen werden, dass der demokratische Meinungsbildungsprozess im Gange ist – was angesichts der Tatsache, dass im ZdE Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem politischem Hintergrund zusammenarbeiten auch nicht verwunderlich ist.

Deutlich sprachen sich sowohl Mina Ahadi als auch Arzu Toker dafür aus, den Schleier abzulegen und dies durch ein Verbot des Schleierzwangs für Mädchen zu unterstützen. Welch perverses Männerbild hinter der Idee, Frauen müssten sich in der Öffentlichkeit verhüllen, steckt, verdeutlichte Arzu Toker, als sie provozierend in den Raum hinein fragte, ob denn jemand im Publikum – angesichts von gleich zwei unverschleierten Frauen auf dem Podium – gerade onaniere.

Große Sorge bereitet dem Zentralrat der Ex-Muslime, dass führende Politiker in Deutschland immer wieder auf die islamsichen Verbände zugehen und diese damit gewissermaßen als Repräsentanten aller “Muslime” erscheinen lassen. Dies, so Mina Ahadi, verkenne die Realität, dass zahlreiche Menschen aus islamischen Ländern geflohen seien, gerade weil sie sich nicht von der  Religion diktierten Lebensverhältnissen unterwerfen wollten. Auch die Einrichtung eines islamischen Religionsunterrichtes sei diesbezüglich problematisch.

Die beiden Sprecherinnen des ZdE fanden in den letzten Monaten bei den Medien recht häufig ein offenes Ohr. Offenbar ist dort angekommen, dass die Verbände des organisierten Islam keineswegs einen Alleinvertretungsanspruch für die hierzulande lebenden Migranten aus sog. “islamischen Ländern” beanspruchen können.

 


Artikel aus MIZ 2/07

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