Neulich …

in der Hostienbäckerei

von Daniela Wakonigg
  
Bei so mancher Mitteilung aus dem Vatikan fragt man sich, ob es Autoren von Satire-Medien wie der Titanic oder dem Postillion gelungen ist, das Allerheiligste des Katholizismus zu unterwandern. Sollte das der Fall sein, so haben sie mit dem jüngsten Schreiben der vatikanischen Kongregation für die Sakramente wirklich fantastische Arbeit geleistet. 
 
Bei dem Brief handelt es sich um ein Donnerwetter aus Rom an die Bischöfe in aller Welt, weil man es in den Gemeinden offenbar nicht mehr so ganz genau nimmt mit „der Qualität des für die Eucharistie bestimmten Brotes und Weines“. Das Schreiben der Kongregation stellt deshalb klar, was bereits seit Längerem zum kleinen Einmaleins des rechtschaffenen katholischen Hostienbäckers gehört: Die Hostie muss aus Weizenmehl bestehen, der Teig muss ungesäuert sein und er muss Gluten enthalten – ein Eiweiß, das in vielen Getreidesorten vorkommt und auf das einige Menschen mit Unverträglichkeit reagieren.
 
Natürlich ist es technisch überhaupt kein Problem, glutenfreies Hostien­backwerk herzustellen, jedoch wäre dieses keine „gültige Materie“, da es dem Heiland offenbar nicht möglich ist, in eine Hostie ohne Gluten einzufahren, während er in das glutenhaltige Backwerk durch die Transsubstantiation „wahrhaft, wirklich und substanzhaft“ hineinschlüpft – jedenfalls nach katholischer Lehre. Das wiederum hat etwas mit den Essgewohnheiten des Gottessohns zu tun, der zum letzten Abendmahl angeblich Weizenbrot zu sich nahm. Über den Glutengehalt des antiken Backwerks gibt die Heilige Schrift der Christen keine genaue Auskunft, was den Vatikan offenbar dazu bewegte, Erbarmen gegenüber Gluten-Allergikern zu zeigen und wenigstens glutenarme Hostien zur Kommunion zuzulassen. Ob diese nach der Segnung weniger „Leib Christi“ enthalten und in der Konsequenz zu weniger Seelenheil führen, klärt sich voraussichtlich am Tag des Jüngsten Hostien-Gerichts.
 
Ich gestehe, in mir regt sich ein wenig Mitleid mit dem Heiland. Kein Wunder, dass er den Holocaust nicht verhindern konnte, wenn es ihm nicht einmal gelingt, in eine glutenfreie Hostie zu schlüpfen. Warum die Kirche angesichts der Gluten-Debatte dennoch an der Auffassung festhält, dass es sich bei ihrem Himmelfürsten um eine allmächtige Gottheit handelt, wird wohl für immer ein Geheimnis des Glaubens bleiben. 
 
Kein Problem hat die katholische Kirche hostientechnisch erstaunlicherweise mit Eingriffen in die göttliche Schöpfung. Das Schreiben der Kongregation für die Sakramente stellt klar, dass der Einsatz von genmanipuliertem Weizen bei der Hostien­herstellung erlaubt ist. Und ganz nebenbei klärt das Schreiben auch noch eine gänzlich andere Frage, nämlich was die katholische Kirche unter „schwerem Missbrauch“ versteht, an dessen Bekämpfung in den eigenen Reihen sie angeblich seit Jahren arbeitet: „Es ist ein schwerer Missbrauch, bei der Zubereitung des für die Eucharistie bestimmten Brotes andere Substanzen, wie zum Beispiel Früchte, Zucker oder Honig, beizufügen.“ Na dann …

Artikel aus MIZ 2/17

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