Netzreport 4/08

Die Generation Benedikt

Nathanael Liminski, Sohn des Journalisten und Opus Dei-Mitglieds Jürgen Liminski, ist wie sein alter Herr ein fundamentalistischer Katholik mit großem Sendungsbewusstsein. Er ist der Mann, der primär hinter der Seite Generation Benedikt steht. Die Bewegung ging ursprünglich aus dem Weltjugendtag 2005 in Köln hervor und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die katholische Lehre zu verbreiten und zwar in einer bedingungslosen Auslegung, denn die „Generation Benedikt“ orientiert sich am katholischen Weltkatechismus und das ohne Abstriche. So wettert man selbstverständlich gegen Verhütungsmittel, gegen den Verfall der Sitten, gegen Homosexualität, gegen Abtreibung und so weiter und so fort. Insbesondere dem Kampf gegen den selbstbestimmten Schwangerschaftsabbruch hat man sich verschrieben, dazu wurde sogar eine eigene Seite ins Leben gerufen. Dort geben junge Menschen ihr Statement ab, warum sie gegen Abtreibung sind. Außerdem präsentiert man selektiv ausgewählte Zahlen und Informationen zur Entwicklung der Abtreibung in Deutschland.
http://www.generation-benedikt.de
http://www.ich-tus-nicht.de

 


 Dem Papst einen Besuch abstatten

Die meisten Brautpaare gönnen sich nach dem Hochzeitsstress erst einmal erholsame Flitterwochen, nicht zuletzt auch um fleischlichen Gelüsten ungestört nachgehen zu können. Für streng gläubige Katholiken ist so etwas natürlich Sünde. Da macht es sich doch ganz gut, dass es eine keusche Alternative gibt. Die Seite triff-den-papst.de bietet interessierten katholischen Paaren die Möglichkeit, einen alten Mann namens Josef Ratzinger zu treffen, der vorgibt, Stellvertreter eines virtuellen Alphamännchens auf Erden zu sein. Neben den Reisen für frisch Vermählte offeriert man aber auch einfache Pilgerreisen sowie Reisen für Jubelpaare. Außer Reiseangeboten finden sich noch viele Informationen und Bilder über den Papst. Da schlägt das Katholikenherz höher und der Atheist hat was zum Schmunzeln und Kopfschütteln.
http://www.triff-den-papst.de/

 


 HVD mit neuem Internetauftritt

Der Humanistische Verband Deutschlands hat es endlich geschafft, seine Homepage auf den aktuellen Stand der Zeit zu bringen. Optisch runderneuert und mit sichtbar verbesserter Funktionalität macht ein Besuch jetzt deutlich mehr Spaß. Die Seite bietet, neben den üblichen Informationen zur Organisation, den Landesverbänden und Landesgemeinschaften, auch umfangreichen Lesestoff zu den sozialen Angeboten des Verbandes, wie zum Beispiel den Kindertagesstätten, dem Lebenskundeunterricht oder zu Gesundheit und Sozialem. Informationen gibt es auch zur 2006 gegründeten Humanistischen Akademie, dem Studien- und Bildungswerk des Humanistischen Verbandes, die sich allerdings noch in einem Aufbaustadium befindet (dies gilt auch für die Präsentation der Akademie im Web, denn einige Rubriken sind bislang noch nicht mit Leben gefüllt worden).
Ausgesprochen gelungen werden die Fakten zur Patientenverfügung präsentiert. Gegen eine geringe Gebühr ist es zudem möglich, sich eine auf die eigene Situation abgefasste optimale Patientenverfügung erstellen zu lassen; man kann sich aber auch für eine kostenfreie Standardvariante entscheiden. Insgesamt macht der HVD mit der neuen Seite einen deutlichen Sprung nach vorne und es ist zu hoffen, dass sich dies auch auf die Besucherzahlen niederschlägt.
http://www.humanismus.de/

 


 Freiheit im Netz

Die Humanistische Union ist eine unabhängige Bürgerrechtsorganisation. Sie tritt seit über 40 Jahren für den Schutz und die Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte ein. Die HU setzt sich insbesondere für das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ein und sie wendet sich daher gegen jede unverhältnismäßige Einschränkung dieses Rechts durch Staat, Wirtschaft oder Kirchen. Es liegt auf der Hand, dass solch ein Verband gerade in den letzten Jahren viel zu tun hatte. Versuchen doch die herrschenden Politiker dieser Republik, die Grundrechte der Bürger mit fadenscheinigen Argumenten immer weiter zurückzudrängen. Als Beispiel sei hier nur die Vorratsdatenspeicherung angeführt, die vorsieht, nahezu die gesamte Telekommunikation der Bürger zu protokollieren. Seit diesem Jahr wird mitgeschnitten, wer mit wem in den letzten sechs Monaten per Telefon oder  Handy in Verbindung gestanden hat. Ab 2009 müssen zudem auch Internetprovider protokollieren, wer mit welcher IP im Netz surfte und mit wem Sie per Mail kommunizieren. Die Große Koalition hat damit George Orwells Albtraum tatsächlich wahr gemacht. Dagegen wehrt sich die Humanistische Union nun in einer sehr lobenswerten Weise. So bietet die HU seit Anfang 2008 einen frei zugänglichen Anonymisierungsserver im Tor-Netzwerk an. Mit ihrem Server möchte die HU „auf die Möglichkeiten des Selbstdatenschutzes im Internet hinweisen und zur Popularisierung der Anonymisierungstechnik beitragen“.
http://www.humanistische-union.de/

Zum Thema Vorratsdatenspeicherung sei an dieser Stelle auch noch die Seite des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung empfohlen. Deren Kampagne „Freiheit statt Angst“ unterstützen auch Prominente und Politiker wie zum Beispiel Burkhard Hirsch (FDP), Ulla Jelpke (Die Linke), Cem Özdemir (Die Grünen) sowie Mitglieder der Humanistischen Union und der ehemalige Chefredakteur der MIZ Michael Schmidt-Salomon.
http://www.vorratsdatenspeicherung.de/

 


 Dalai Lama in Frankfurt

Vom 30. Juli bis 2. August 2009 wird der Dalai Lama – trotz angeschlagener Gesundheit – erneut nach Deutschland kommen und zwar nach Frankfurt, um Vorträge über die „Kunst des Lebens“ zu halten. Auf der Internetseite dalailama-frankfurt.de wird bereits jetzt für diesen Besuch fleißig Werbung gemacht. Die Seite enthält selektiv ausgewählte Informationen zum Dalai Lama und zum Buddhismus, Selbstkritik sucht man leider vergeblich. Dennoch ist die Seite und auch die Veranstaltung für Religionskritiker, die sich vom Dalai Lama und seinem angeblich unwiderstehlichem Lächeln, selbst ein Bild machen möchten, nicht uninteressant. Allerdings sind die Preise nicht gerade günstig. Und wer mal die Friedfertigkeit von Buddhisten testen will, der kann sich bei denkladen.de den Aufkleber „Free Tibet from the Lamas“ besorgen. 
http://www.dalailama-frankfurt.de/

 


Artikel aus MIZ 4/08

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