Blätterwald MIZ 1/14

Zeitschriften

Die von der Humanistischen Union mitherausgegebene Buchzeitschrift vorgänge stellt in ihrer Dezemberausgabe religiöse Sonderrechte auf den Prüfstand. In fünf längeren Aufsätzen werden die Kirchenfinanzen (Staatsleistungen & Kirchensteuer) und das Kirchliche Arbeitsrecht sowie die Positionen der Parteien zu „Religionsfreiheit und Kirchenprivilegien“ erörtert. Ein Interview mit Corinna Gekeler dreht sich um Diskriminierung in kirchlichen Einrichtungen, ein Gespräch mit zwei Juristen lotet die grundlegende Rechtssituation im Religionsverfassungsrecht aus. Anschließend folgt eine Reihe kürzerer Beiträge zu weiteren Konflikten aus dem Themenfeld „Trennung von Staat und Kirche“, insbesondere zu die Schule betreffenden Fragen. Dabei fällt auf, dass es in vielen Fällen um den Islam geht, das Kopftuch, den Schwimmunterricht, das Bestattungsrecht und letztlich um die Ausweitung der Kirchenprivilegien auf die konservativen islamischen Verbände.
Zu den Autorinnen und Autoren im Heft gehören Johann-Albrecht Haupt, Karl Martin vom Dietrich-Bonhoeffer-Verein, Dorothee Frings, Rosemarie Will und Till Müller-Heidelberg.

Vorgänge 203: Religiöse Sonderrechte auf dem Prüfstand. Berlin, 2013. 151 Seiten, kartoniert, Euro 14.-


Die pazifistische Zeitschrift ZivilCourage hat im aktuellen Heft als Titelthema die Militärseelsorge aufgegriffen. Chefredakteur Stefan Philipp gibt in seinem Leitartikel einen kurz gefassten Überblick über die Einführung des geistlichen Beistands in der Bundeswehr, den systematischen Verstoß der Bundesregierung gegen den Militärseelsorgevertrag zu Lasten der Steuerzahler und den Skandal des „Lebenskundlichen Unterrichts“. Außerdem gibt es ein Interview mit dem evangelischen Pfarrer und Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Rainer Schmid, der die Ökumenische Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge mitgegründet hat.

ZivilCourage. Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus der DFG-VK. Heft 1/2014: Militärseelsorge? Abschaffen! Stuttgart, 2014. 20 Seiten, Euro 2,30


Der große Bluff

Der Kabarettist und Autor Vince Ebert sagte einmal: „Homöopathie ist, in Frankfurt die Autoschlüssel in den Main zu werfen und in Würzburg zu versuchen, mit dem Mainwasser den Wagen zu starten.“ So lustig diese Anekdote auch ist, Homöopathie ist leider nicht allein mit Humor zu bekämpfen. Der Mediziner und Autor Theodor Much hat ein überaus faktenreiches und interessantes Aufklärungsbuch vorgelegt. Hierbei bekommt er die Unterstützung von mehreren Experten auf dem Gebiet der Paramedizin: Krista Federspiel, Ulrich Berger und Edmund Berndt. Das Buch ist in drei Teile eingeteilt. Im ersten beschäftigt sich der Autor mit Grundlagen und Praktiken der Paramedizin. Im zweiten Teil setzt er sich mit deren Diagnose- und Therapieformen auseinander. Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Aspekt des Etikettenschwindels. Zahlreiche Studien werden vorgelegt und die Paramedizin einmal mehr ad absurdum geführt. So wichtig und lehrreich das Buch auch ist, eine Schwäche teilt es mit so vielen anderen kritischen Werken in diesem Bereich. Es fehlt die Perspektive derer, die die Paramedizin konsumieren. Anders formuliert, warum greifen, trotz der vielen Studien und Fakten zu dem Thema, immer mehr Menschen zur Paramedizin? Erst wenn die Fakten mit der gesellschaftlichen Realität der Menschen zusammengeführt werden, werden wir einen Schritt weiter kommen. Bis dahin ist dieses Buch ein Muss für alle, die sich einen Überblick zum Thema verschaffen wollen.

Theodor Much: Der große Bluff. Irrwege und Lügen der Alternativmedizin. Goldegg Verlag, Wien 2013. 267 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,95 Euro. ISBN: 978-3-902903-10-5


Kriminalgeschichte-Register

Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums umfasst mit ihren zehn Bänden rund 6000 Seiten und berichtet über unzählig viele historische Ereignisse mit noch mehr handelnden Personen. Nun ist mit einem Sach- und Personenregister der „Wegweiser durch das Jahrhundertwerk“, so der Rowohlt Verlag, erschienen.
Tatsächlich stellt die Arbeit von Hubert Mania allen, die mit der Kriminalgeschichte arbeiten, ein unentbehrliches Hilfsmittel zur Verfügung. Zwar enthält jeder der zehn Einzelbände ein Personenregister, aber für historische Akteure, die an Epochenübergängen wirkten, ist das integrierte Register ebenso hilfreich wie für die in mehreren Bänden abgehandelte Antike. Das völlig neue differenzierte Sachregister ermöglicht zudem, historischen Entwicklungen bei einzelnen Fragen nachzuspüren, was bislang mit großem Aufwand verbunden war.
Der Registerband hätte ein Geburtstagsgeschenk werden können, nun ist er leider wenige Wochen nach Karlheinz Deschners Tod herausgekommen.

Hubert Mania: Kriminalgeschichte des Christentums Band 1-10. Sach- und Personenregister. Rowohlt Verlag, Reinbek 2014, 384 Seiten, kartoniert, Euro 16,99, ISBN 978-3-499-63055-2


Denis Diderot

Das schmale, aber liebevoll ausgestattete Bändchen besteht aus zwei Teilen: Zunächst stellt Werner Raupp auf rund 70 Seiten den radikalen Aufklärer Denis Diderot vor. Er zeichnet ihn als vielschichtige Persönlichkeit, als interdisziplinären Wissenschaftler und Querdenker, als Atheist und auch als Exzentriker. Im zweiten Teil versammelt der Herausgeber 100 kurze Texte, die Diderots Denken präsentieren. Dabei handelt es sich um Auszüge aus dessen Schriften, teils auch Briefen, oft nicht mehr als aphorismenhafte Sentenzen, Funken eben, die Diderot versprühte. Abgeschlossen wird das Werk von einer Zeittafel und einer Bibliographie. Wer den Herausgeber der Enzyklopädie näher kennenlernen will, findet in Werner Raupps Buch den passenden Einstieg.

Werner Raupp (Hrsg.): Denis Diderot: Ein funkensprühender Kopf – 100 Gedanken. Ein Mosaik zum 300 Geburtstag des französischen Philosophen. Marburg: Tectum 2013. 154 Seiten, Abbildungen, kartoniert, Euro 8,95, ISBN 978-3-8288-3164-3


 

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