„Wir wissen, uns erwartet im Jenseits ein Biervulkan und eine Stripperfabrik“

Interview mit Bruder Spaghettus über den Pastafarismus in Deutschland

Der Pastafarismus gehört zweifellos zu den aufstrebenden neuen Glaubensbewegungen und die Menschen, die an die Existenz des Fliegenden Spaghettimonsters glauben, werden immer zahlreicher. Daher ist es wichtig, sich mit dieser Form des Glaubens intensiver zu beschäftigen. Die MIZ bat Bruder Spaghettus, einen der führenden Vertreter des Pastafarismus, Stellung zu beziehen.

MIZ: Wie bist du denn eigentlich zum Pastafari geworden. Gab es da ein besonderes Erweckungserlebnis?
Bruder Spaghettus: Ja, einen Artikel auf Spiegel online im August 2005 „Mein Gott, ein Nudelmonster“. Ich war sofort begeistert, habe gesehen, es gibt bereits Gemeinden in Deutschland und dann selbst eine gegründet.

MIZ: Was macht denn deinen Alltag als Pastafari aus?

Bruder Spaghettus: Pastafari müssen den Freitag als Feiertag heiligen und dürfen dann nicht arbeiten. Wer sich noch im Stadium des Lohnsklaven befindet, kann das auch mit Dienst nach Vorschrift leisten. Jeden Donnerstag verfasse ich, falls sonst niemand ein Thema hat, das „Wort zum Freitag“. Immer beim Autofahren und sonst bei vielen Gelegenheiten trage ich Piratenkopfbedeckungen. Manchmal fluche ich, kaue Tabak, spucke und werfe mit Entermessern. Gelegentlich schnitze ich am Holzbein.

MIZ: Was ist für dich die zentrale Botschaft deines Glaubens?

Bruder Spaghettus: Keine Dogmen zu akzeptieren und an allem zu zweifeln. Letztlich sogar an Seiner Existenz. Weshalb wir Pastafari immer auch Atheisten sind. Wir haben tolerant zu sein, wie unser Monster, das uns eine Ethik nicht über zehn Gebote, sondern über acht Bitten übermittelt hat, die „Acht Am Liebsten Wäre Mir’s“.

MIZ: Wie sieht es bei euch aus mit der Toleranz gegenüber anderen Religionen?

Bruder Spaghettus: Wir sehen alle Religionen als völlig gleichberechtigt an, selbst wenn deren Glaubensinhalte im Vergleich zu unseren wissenschaftlichen Glaubensgrundsätzen völlig irreal und unsinnig sind. Deshalb fordern wir auch die Gleichbehandlung aller Religionen und gleiches Recht für alle. Wir wollen allerdings nicht unsere Gleichsetzung mit den Großkirchen, sondern deren Gleichsetzung mit uns: Als Vereine unter dem Vereinsrecht.

MIZ: In Österreich hat der Pastafari Niko Alm durchgesetzt, dass ihn sein Führerscheinfoto mit aufgesetztem Nudelsieb zeigen darf. Dein Führerscheinfoto zeigt dich mit Piratenhut. Was ist denn nun die korrekte Kopfbedeckung?

Bruder Spaghettus: Niko hat sich zum Fototermin einfach etwas gegriffen, was ihm in den Sinn kam. Er dachte wohl, Nudelsieb und Pastafaritum, wird schon passen. Dabei hatte er Glück, dass in Österreich bei Passfotos nicht auf religiöse Kopfbedeckung abgestellt wird, sonst wäre es schwer geworden, das Nudelsieb bewilligt zu bekommen. In Deutschland ist das anders, da sind nur religiöse Kopfbedeckungen als Ausnahmen zulässig. Deshalb trage ich Piratentuch, denn aus unserem Evangelium ergibt sich klar und völlig eindeutig die Verpflichtung zum Tragen von Piratenkopfbedeckungen. Nur als Piraten können wir die globale Erwärmung stoppen und so Seinen Auftrag erfüllen.

MIZ: Gab es eigentlich Probleme mit den Behörden wegen des Piratentuchs beim Führerscheinfoto?
Bruder Spaghettus: Bei mir nicht. Die Uckermark ist wohl eine besonders weltoffene Gegend. Anderen Pastafari, besonders in Bayern, wurde es verwehrt. Inzwischen habe ich das gleiche Foto, ebenfalls völlig problemlos, auf meiner Gesundheitskarte. Die bietet sich dann auch als kleiner Ersatz für alle an, die bei Ausweisdokumenten an missgünstigen Behörden gescheitert sind.

MIZ: Sind Pastafari eine offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft in Deutschland?

Bruder Spaghettus: Wir, die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V., sind nach mehrjährigem Kampf seit April 2011 wegen Förderung kirchlicher Zwecke als gemeinnützige Körperschaft anerkannt.
MIZ: Wann dürfen wir damit rechnen, dass auch Pastafari ihren eigenen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen bekommen?

Bruder Spaghettus: Wir freuen uns darüber, dass immer mehr Schüler das FSM [Anm. d. Red.: Abkürzung für Fliegendes Spaghettimonster] für sich entdecken und darüber Vorträge in ihren Klassen halten. So entscheiden sie sich frei und ohne staatlich verordnete Mission selbst. Solche Schüler haben es leichter, selbstbestimmt durch das Leben zu gehen. Sollten wir jemals eine Forderung nach Religionsunterricht erheben, dann sicher nicht, um den wirklich umzusetzen, sondern nur, um den als das zu kennzeichnen, was er ist: Ein schlechter, längst ausgekauter und viel zu teuer bezahlter Witz ohne Inhalt.

MIZ: Zum Abschluss jetzt aber nochmal Hand aufs Herz. Wie ernst ist das mit dem Pastafarianismus denn nun wirklich gemeint?

Bruder Spaghettus: Wir wissen, uns erwartet im Jenseits ein Biervulkan und eine Stripperfabrik, also todernst.


Artikel aus MIZ 4/12

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