Netzreport MIZ 4/10

Einblicke in die Welt des Internets

Neustart von kirchensteuer.de

Nachdem die Seite kirchensteuer.de leider eine Zeit lang brachlag, haben Mitglieder des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) die Seite nun komplett überarbeitet.

Der Vorsitzende des IBKA René Hartmann zeigte sich darüber erfreut: „Wir freuen uns darüber, dass Mitglieder des IBKA ein Portal eingerichtet haben, das mit verbreiteten Irrtümern über die Kirchensteuer aufräumt. Wir gehen davon aus, dass viele Menschen ihre Kirchenmitgliedschaft überdenken werden, wenn sie erfahren, wie ihre Kirchensteuer verwendet wird und wie die Finanzierung der Kirchen tatsächlich aussieht.“

Die völlig neu gestaltete und mit überwiegend neuen Inhalten gefüllte Seite soll interessierten Journalisten und Bürgern wertvolle Informationen über die Erhebung und Verwendung der Kirchensteuer bieten. Das Herzstück der Seite ist dabei eine umfangreiche Liste mit Fragen und Antworten zur Kirchensteuer. Zu finden sind aber auch zahlreiche Artikel zur Thematik sowie Übersichten zu zentralen Kirchensteuerthemen.

http://www.kirchensteuer.de


Aufruf zum Kirchenaustritt auf

Unter dem Motto „Mehr Netto, mehr Freiheit, mehr Solidarität!“ haben Organisationen der säkularen Szene zum 11. November 2010 das Jahr des Kirchenaustritts ausgerufen. Ziel der Aktion und der Homepage ist es zu verdeutlichen, dass Menschen, die aus der Kirche austreten, keineswegs Trittbrettfahrer im Sozialstaat sind. Wenn zum Beispiel ein Normalverdiener mit einem Bruttogehalt von 25.000 Euro austritt, kann er im Jahr etwa 170 Euro sparen. Wenn nur die Hälfte des eingesparten Geldes direkt an soziale Organisationen gespendet wird, dient dies dem Allgemeinwohl mehr als eine Kirchenmitgliedschaft. Die Seite informiert jedoch längst nicht nur über die finanziellen Vorteile eines Austritts, sie liefert auch Argumente dafür, warum aus ethischen Gründen ein Austritt in Erwägung gezogen werden kann. Außerdem laden die Macher der Aktion zum Mitmachen ein. So können interessierte Personen Flyer verteilen, Veranstaltungen organisieren oder auch Geld spenden. Detailtiere Informationen dazu finden sich auf der Homepage der Kampagne. Unterstützt wird die Aktion vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), der Giordano Bruno Stiftung (gbs), dem Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern und von denkladen.de.

http://www.kirchenaustrittsjahr.de


Die Piusbrüder im Internet

Man sollte es kaum glauben, aber auch die erzkonservativen rechtslastigen Piusbrüder haben den Weg ins Internet gefunden. Und sie überraschen mit einem durchaus professionellen und zeitgemäßen Auftritt. Sogar Video- und Audio-Inhalte werden geboten. Inhaltlich ist das Ganze allerdings ganz und gar nicht zeitgemäß. Man fühlt sich im Gegenteil direkt ins Mittelalter zurück versetzt. So tritt die Bruderschaft vehement dafür ein, dass die Messe im alten Ritus gefeiert werden soll: „Insbesondere lehnt die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Umformung der hl. Messe ab, wie sie im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils durchgeführt wurde. Wir feiern daher die hl. Messe nach den Büchern von 1962, nach den Vorschriften, wie sie vor dem Konzil bis hin zu Papst Johannes XXIII. gegolten haben.“ Also in Latein und der Priester wendet seinen Schäfchen den Rücken zu.

Ausgesprochen spannend ist übrigens ein Blick in die Mitteilungsblätter der Bruderschaft, denn auch diese lassen sich online einsehen. Für Interessierte, die sich näher mit den Positionen der radikalen Bruderschaft beschäftigen möchten, ist die Seite daher eine großartige Fundgrube.

http://www.piusbruderschaft.de/


Filter für religiöse Inhalte

Darüber, dass es Filtermöglichkeiten für nichtreligiöse Inhalte gibt, wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Nun haben aber auch Ungläubige eine Möglichkeit gefunden, sich vor religiösen Inhalten zu schützen: GodBlock. Das ist ein Webfilter, der religiöse Propaganda filtern kann. Entwickelt wurde er vor allem für Eltern und Schulen, damit diese die Möglichkeit haben, ihre Kinder vor den schädlichen Einflüssen der oftmals gewalthaltigen und moralisch fragwürdigenden Texte zu schützen. Wenn man also das Programm installiert, dann sucht es nach Passagen von religiösen Texten, nach Namen von religiösen Figuren und anderen Anzeichen religiöser Propaganda. Eine witzige Idee, deren satirischer Gehalt nicht zu übersehen ist.

http://www.godblock.com/


Buskampagne in Österreich

Während in Deutschland die Buskampagne erstmal beendet ist und die säkulare Szene mit dem Jahr des Kirchenaustritts und der Korso-Kampagne zur Ablösung der Staatsleistungen sich ganz auf die Kirchen konzentrieren, geht es der österreichischen Buskampagne um Weltanschauungsfreiheit und zwar ganz konkret um die unserer Kinder.

Die Kampagne möchte dabei auf zwei Dinge aufmerksam machen. Zum einem, dass es nicht die Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden ist, eine Weltanschauung zu vermitteln, und zum anderen, dass Eltern ihre Kinder so erziehen sollten, dass sie als mündige Menschen selbst entscheiden können, ob und was sie glauben. Die Finanzierung der Aktion läuft ausschließlich über private Spenden. Mittels Sujets und Banner können sich zudem alle beteiligen. Außerdem freuen sich die Macher über die Verbreitung via Facebook und Twitter:

http://www.buskampagne.at/


Korso mit eigener Homepage

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) verfügt im Netz inzwischen über eine eigene Homepage. In professionellem Gewand wird dort für die Interessen der Konfessionsfreien in Deutschland geworben. So setzt sich der Rat gegen die Diskriminierung nicht-religiöser Gruppen und Individuen, für die Gleichstellung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und für die Trennung von Staat und Kirche ein. Außerdem wird gefordert, ein integratives Pflichtfach zur Wertevermittlung, wie in Berlin einzuführen. Eine größere mediale Aufmerksamkeit erreichte der Koordinierungsrat erst kürzlich mit der Forderung nach Ablösung der millionenschweren Staatsleistungen an die Kirchen. Auch darüber kann man sich auf der Homepage umfassend informieren.

http://www.korso-deutschland.de

 


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