Gewissens- und Glaubensfreiheit im heutigen Russland

von Michail Bogoslowski

In den letzten 20 Jahren hat sich in Russland viel verändert. Unter anderem wurde der Begriff der Gewissensfreiheit einer Transformation unterworfen. Als Gewissensfreiheit betrachtet man nicht mehr die Wahl, an Gott zu glauben oder nicht zu glauben, ja nicht einmal mehr die Wahl der Religion. Unter diesem Begriff versteht man nur noch die „Freiheit”, eine Variante des Christentums anzuerkennen, und zwar die orthodoxe. So erklärte Ioann, Metropolit von Petersburg und Ladoga, Glaubensfreiheit in der Religion sei die Freiheit, sich an „das eigene Verständnis von der Erschaffung der Welt” zu halten. Seinem Verständnis nach verkörpert die Orthodoxie genau diesen traditionellen religiösen Stellenwert für das russische Volk. Hieraus klingt schnell die Schlussfolgerung durch, dass nur derjenige von uns frei sei, der sich für das orthodoxe Christentum entscheidet.

Wer sich hingegen nicht zum orthodoxen Christentum bekennt, wird angegriffen, beleidigt und als gewissenlos bezeichnet. Zudem sind alle nichtorthodoxen Religionen schlecht, sie seien unwahr und es handele sich bei ihnen um „falsche Konfessionen” oder „Quasireligionen”. Erstaunlich ist, wie schnell die Eiferer der Orthodoxie die Worte ihres [bis 2008 amtierenden – Anm. d. Übers.] Patriarchen Alexij II. vergessen haben, der noch in den 1970er Jahren davon sprach, dass alle christlichen Kirchen „gleichermaßen von Gott geliebt werden”. Was das Heidentum betrifft, so betrachten es die Orthodoxen – wie schon 1000 Jahre zuvor – als ebenfalls negativ und verhalten sich den Polytheisten gegenüber regelrecht ehrverletzend. Gern zitieren Diener der russisch-orthodoxen Kirche (ROK) die Worte des orthodoxen Philosophen Sergej Bulgakow, der den heidnischen Glauben als die „Religion einer kranken Menschheit und einer kranken Natur” bezeichnete. Noch negativer betrachtet man nur noch die Ungläubigen, die die Kirchenführer nicht einmal als vollwertige Menschen ansehen. So sind Begriffe wie „Ungläubiger”, „Gottloser” und „Atheist” zu regelrechten Schimpfwörtern geworden. Bei einem Gottesdienst in der Kirche des Klosters Walaam sagte Alexij II., dass die Menschen in Russland 70 Jahre lang gelernt hätten, „ohne geistigen Anspruch” zu leben; daher müssten jene die geistige Erneuerung des Landes in Gang setzen, die nicht „durch Gottlosigkeit verdorben wurden”. In einer der letzten Ausgaben der Gotteslehre steht: „Selbst wenn es einzelne überzeugte Gottlose gibt, so stellen sie eine Ausnahmeerscheinung und krankhafte Abweichung von der Norm dar.” Und weiter folgt eine Stelle ganz in der Tradition des Mittelalters: „So, wie die Existenz von Idioten nicht bedeutet, dass der Mensch kein vernunftbegabtes Wesen ist, so stellt die Existenz von Gottlosen keineswegs die Universalität der Religion infrage.”
Eine derart widersinnige Situation konnte nur entstehen, weil in Russland Staatsbeamte verfassungswidrig mit aller Kraft die Kirche unterstützen. 1997 wurde das Föderationsgesetz „Über Gewissensfreiheit und religiöse Vereinigungen” verabschiedet, das die sogenannten „traditionellen” Religionsorganisationen hervorkehrt und ihnen nicht unerhebliche wirtschaftliche Privilegien einräumt. Eine dieser Konfessionen, die russische Orthodoxie, ist von der Staatsmacht quasi als Staatsideologie auserkoren worden. Vor Kurzem brachten zwei Abgeordnete der Staatsduma eine Initiative ein, nach der das seinerzeit von den Bolschewiki verstaatlichte Eigentum inklusive Ländereien und Kulturgütern den religiösen Vereinigungen, vor allem der ROK, zurückgegeben werden soll. In diesem Fall hätte die ROK Ansprüche auf 3 Millionen Hektar Land. Solche Beispiele zeigen, dass der Staat, nachdem er die Orthodoxie zur staatstragenden Konfession erwählt hat, künftig darum bestrebt sein wird, jedwede Alternative zu dieser zu beseitigen. Das bedeutet genau genommen, dass die russische Gesellschaft gegenwärtig zwangsklerikalisiert wird.

Diese Klerikalisierung wird zum einen auf Grundlage des bereits erwähnten Gesetzes vollzogen als auch weniger direkt vorangetrieben, wovon das neue Unterrichtsfach „Grundlagen der orthodoxen Kultur” zeugt, das bereits in mehreren russischen Regionen als obligatorisch für alle Schüler eingeführt wurde. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Einführung in Religionslehre, die bestenfalls in den Sonntagsschulen von Kirchengemeinden etwas zu suchen hätte, aber nicht an staatlichen Schulen, in denen Kinder aus Familien unterschiedlicher Weltanschauungen, also Atheisten wie auch Angehörige verschiedener Konfessionen, gemeinsam lernen.
Beredtes Zeugnis für die Klerikalisierung der Gesellschaft ist ferner die Tatsache, dass Beamte mit Staatsgeldern orthodoxe Gotteshäuser bauen und Klöster sanieren lassen, anstelle in Schulen, Krankenhäuser, Theater und Sportstätten zu investieren. Als Beispiel sei hier der Bau der Christus-Erlöserkirche in Moskau genannt, der mit staatlichen Mitteln finanziert wurde. Die russische Regierung hat auch 30 Prozent der Ausgaben bei den Feierlichkeiten zum zweitausendjährigen Jubiläum des Christentums aus ihrem Budget bereitgestellt; weitere nicht unbedeutende Summen flossen aus den Etats zahlreicher Gemeinden. Für die Aktion „Friedenslicht aus Bethlehem – 2000” gab das Kulturministerium der Russischen Föderation drei Millionen Rubel (ca. 70.000 Euro) aus! Mit dem unwidersprochenen Einverständnis staatlicher Beamter „ernannte” die ROK den heiligen Georgi den Siegreichen zum „geistlichen Schutzpatron” der russischen Olympiamannschaft. Die ROK-Führung hat Verträge zur Zusammenarbeit mit allen bedeutenden Institutionen Russlands abgeschlossen. So ernannte Patriarch Alexij II. eine der im Moskauer Zentrum wiedererrichteten russisch-orthodoxen Kirchen zur Gemeindekirche des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB, um die geistigen Bedürfnisse der Mitarbeiter dieser Behörde zu bedienen. Derlei Beispiele könnte man noch viele anführen. All dies zeigt, das die ROK faktisch wieder zur Staatskirche des Landes gemacht wird.

Obwohl Kirche und Staat in Russland offiziell getrennt sind und selbst Vertreter des Moskauer Patriarchats mehrfach erklärt haben, dass sie sich nicht in staatliche Belange einmischen werden, haben wir es in Wirklichkeit genau mit einer Verflechtung beider Seiten und Interessen zu tun. Die ROK bekommt zunehmend staatstragenden Charakter und der orthodoxe Glaube den Rang einer Staatsreligion. Im Juli 1992 bestätigte Russlands Präsident die „Protokollarische Rangordnung russischer offizieller Persönlichkeiten”, laut der der Patriarch von Moskau und ganz Russland den 18. Platz in dieser Hierarchieliste einnimmt, während die Führer anderer Konfessionen an 38. Stelle stehen.

In unserem Land ist ein nie dagewesener Boom der Errichtung von Kirchen und der permanente Anstieg von Aktivitäten verschiedener religiöser Organisationen zu verzeichnen. Jährlich werden Hunderte Gotteshäuser und Dutzende Klöster neu eröffnet. Inzwischen existieren über 400 Klöster, die ROK verfügt über fünf geistliche Akademien, zwei orthodoxe Universitäten, ein Institut für Religionskunde, 21 Priesterseminare, 27 geistliche Lehranstalten und zahlreiche weitere Bildungseinrichtungen. Neu hinzugekommen sind orthodoxe Krankenhäuser, Kinderheime und Seniorenheime. Die Kirche baut auch ihre Präsenz in der Armee und in den Haftanstalten aus. Das kirchliche Verlagswesen hat faktisch sein vorrevolutionäres Niveau wiedererlangt.

Obwohl Macht und Stärke der Kirche permanent wachsen, versäumt es die ROK nicht, regelmäßig darüber zu klagen, dass sie „offenkundig ungleichen Bedingungen mit andersgläubigen Konfessionen” ausgesetzt ist. Damit meint sie, dass die evangelisch-lutherische Kirche finanzielle Unterstützung aus dem Ausland erhält, die ROK hingegen nicht. Doch auf welche Hilfe aus dem Ausland soll die ROK-Führung schon zählen, wenn sie sich nicht nur regelmäßig gegen die restliche christliche Welt stellt (immerhin fast anderthalb Milliarden Gläubige, während es weltweit nur 140 Millionen Orthodoxe gibt), sondern auch noch Anspruch auf die Führungsrolle unter den Christen erhebt. In den letzten Jahren kritisierte die russisch-orthodoxe Kirche die Ökumene sehr rigide; so wandte sie sich 1995 in Chambésy gegen den ökumenischen Dialog, in dessen Ergebnis ein Dokument unterzeichnet wurde, das dazu verpflichtete, die früher ausgesprochenen Bannflüche gegen die Monophysiten aufzuheben und mit ihnen gemeinsame Sakramente zu schaffen.

Ehemalige und gegenwärtige kommunistische Funktionäre Russlands haben ihre atheistischen Überzeugungen vergessen, sich schnell mit den Dienern der Kirche angefreundet und sind zu Gläubigen mutiert. Ob mit oder ohne Anlass, eilen sie in orthodoxe Tempel, stellen Kerzen für Gott und die Heiligen auf und spenden zum Wohle der Kirche. Was irgendwo auch verständlich ist: Schließlich sind sie heutzutage auf die Stimmen von Gläubigen angewiesen. Die kommunistische Ideologie hat sich radikal geändert. Gennadi Sjuganow, der Vorsitzende der russischen Kommunistischen Partei, hat einfach Lenins Vermächtnis vergessen und die ideologische Grundlagen seiner Ansichten im Stich gelassen. Aus einem Gespräch mit dem Klostervorsteher Alexej geht hervor, dass Russlands Kommunisten Kurs auf eine strategische Zusammenarbeit mit der Kirche genommen haben. Die von ihnen gegründete Volkspatriotische Union Russlands hat in der Programmatik die Anerkennung der Orthodoxie als „geistige Basis” des gesamten russischen Lebens verankert.

Religion wird inzwischen in Schulen, Universitäten, der Armee und in Strafanstalten eingetrichtert. Fast jedes gesellschaftliche Ereignis wird von einer religiösen (in der Regel orthodoxen) Zeremonie umrahmt. Seien es Richtfeste auf Baustellen, Einweihungen von Fabrikgebäuden oder die Taufe von Passagier- und Militärschiffen. In den weltlichen Massenmedien – im Rundfunk, Fernsehen, in Zeitungen und Zeitschriften – werden Geschichten über das Christentum nicht mehr neutral wiedergegeben, sondern aus religiöser Sicht dargestellt und tragen propagandistischen Charakter. Mythen und religiöse Legenden werden als wahre Fakten ausgegeben und damit die Gefühle Ungläubiger verletzt.

Das Freidenkertum ist verstärkt Angriffen ausgesetzt. Die russisch-orthodoxe Kirche nimmt sich frei heraus, gegen die Gewissensfreiheit in Russland einzutreten, wenn sie in den kürzlich verabschiedeten „Grundlagen der sozialen Konzeption der ROK” erklärt, dass das Prinzip der Gewissensfreiheit „vom Zerfall des Systems geistiger Werte und vom Verlust des Strebens nach Erlösung bei einem großen Teil der Gesellschaft zeugt”. (Dabei versteht sich von selbst, dass die Kirche unter geistigen Werten einzig und allein religiöse versteht.)

Unter unterschiedlichem Vorwand werden Zweifel an der Vernunft genährt und die Wissenschaften verächtlich gemacht. Der Kosmonaut Wladimir Aksjonow, Chef der sogenannten Geistigen Bewegung Russlands, erklärte, dass die materialistische Philosophie auf der Grundlage des Atheismus heutzutage nicht in der Lage ist, viele Prozesse und Erscheinungen der Welt zu erklären. Es stimmt, die Wissenschaften können nicht alles. Doch ungeachtet ihres jungen Charakters und trotz aller feindlichen Attacken seitens der Kirchen und der klerikalen Ideologien hat die moderne Wissenschaft bereits sehr viel erreicht. Und wird künftig noch viel mehr erreichen. Spiritualisten und Kirchendiener haben hier überhaupt keinen Anlass sich hervorzutun! Von welcher Gewissensfreiheit soll man reden, wenn in den letzten Jahren praktisch keinerlei kirchen- oder religionskritische Bücher und Artikel mehr erscheinen? Während zu Sowjetzeiten die Propagierung religiöser Ansichten auf die Territorien religiöser Organisationen begrenzt war, hat ein freigeistiger Autor in der Gegenwart gar keine Chance, von den Massenmedien gehört zu werden. Religionskritik, darunter die an der Orthodoxie, wird als Unterminierung der moralischen Grundlagen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens betrachtet, Nichtreligiössein mit Unmoral gleichgesetzt. Bezeichnenderweise wurden nur zwei von Dutzenden atheistischen Organisationen in der Russischen Föderation staatlich anerkannt.

Das Moskauer Patriarchat hat hingegen gemeinsam mit dem Föderalen Dienst für Fernsehen und Rundfunk vorgeschlagen, einen „Gesellschaftlichen Methodikrat, bestehend aus Vertretern der staatlichen TV- und Radiosender sowie aus religiösen Zentren” zu schaffen. Dieser Rat soll Journalisten beraten, wie sie religiöse Themen im Rundfunk und Fernsehen aufbereiten. Genau genommen kann man dies als den Beginn einer aktiv werdenden religiösen Zensur betrachten.

Einerseits kämpfen die Kirchen in trauter Eintracht gegen das Freidenkertum, auf der anderen Seite bekriegen sie sich aber auch permanent untereinander. Georgi Ioffe, Mitarbeiter der missionarischen Abteilung in der Diözese von Sankt Petersburg hatte wohl vergessen, dass alle Christen Brüder sein sollen, als er in einem Interview für die populäre russische Wochenzeitung Argumenty i fakty (Argumente und Fakten) die Aktivitäten der „Sekte der Pfingstbewegung” als totalitär und destruktiv bezeichnete und behauptete, dass das von ihnen propagierte Bild von Christus und der Bibel „bösartige Dinge” seien. Vertreter dieser neuen Kirche nennen ihrerseits die russischen Orthodoxen „Götzenanbeter”. Eine weitere christliche Kirche, die Zeugen Jehovas, nennen die Lehren der Katholiken und Orthodoxen „religiöse Irrvorstellungen” (so geschehen in der russischen Ausgabe des „Wachturms” vom 1.8.2001). Ihrerseits reagiert die orthodoxe Kirche feindselig auf Angriffe der Protestanten. In einem Flugblatt „Weg in die Sekte”, das die Nowosibirsker orthodoxe Bruderschaft im Namen des heiligen und rechtgläubigen Fürsten Alexander Newski herausbrachte, heißt es: „Es ist unsere Pflicht, alle zu warnen: Die Protestanten hassen die Orthodoxie; nach einem ersten Lächeln, nach Geschenken und Bekundungen der brüderlichen Liebe fangen sie damit an, die Nichtakzeptanz unserer geistlichen Traditionen Stück für Stück in unser orthodoxes Herz zu gießen.”
Die genannten Beispiele zeigen, dass es um die Gewissensfreiheit im heutigen Russland nicht zum Besten steht. Unter dem Strich kann man nur von einer Handlungsfreiheit für religiöse Organisationen sprechen. Wobei der Grad dieser Freiheit davon abhängt, um welche religiöse Organisation es sich handelt. All dies erinnert stark an die Situation der Gewissens- und Religionsfreiheit im zaristischen Russland, als die ROK die vorherrschende Konfession darstellte und alle anderen Religionen in „tolerierte” und verfolgte eingeteilt wurden. Heute erfreut sich nur die orthodoxe Kirche in Gestalt des Moskauer Patriarchats der vollen Handlungsfreiheit und der staatlichen Unterstützung. Über hinreichende Freiheiten verfügen ferner die islamische, jüdische und buddhistische Religion. Einschränkungen spüren die protestantischen Kirchen sowie Anhänger vorchristlicher Religionen, zum Beispiel des Heidentums. Und wie seinerzeit unter dem Zaren sind Ungläubige einem besonders starken Druck ausgesetzt.
Mittlerweile ist klar, dass man die Angriffe auf das Freidenkertum nicht mehr hinnehmen darf. Freigeistige Menschen dürfen nicht unbeteiligt zusehen, wie die Gesellschaft von einer Welle des Mystizismus und Okkultismus überschwemmt wird. Wissenschaftler, Intellektuelle mit gesundem Menschenverstand und alle Bürger Russlands und Europas, die frei von religiösen Vorurteilen sind, müssen sich zusammenschließen. Zu diesem Zweck wurde 1995 in Russland eine Organisation freigeistiger Menschen gegründet – die Russische Humanistische Gesellschaft (RHG).1 Zu ihren vornehmsten Anliegen gehören die Propagierung der Wissenschaften und deren Erkenntnisse, die Vermittlung der wahren Geschichte der Weltreligionen, die Aufdeckung religiöser Lügen über die Wissenschaften und der Kampf gegen die Verbreitung der Pseudowissenschaften. Diese Tätigkeit hat insbesondere große Bedeutung für die heranwachsende Generation. Zu den Mitgliedern der RHG gehören Witali Ginsburg, Nobelpreisträger und Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, und viele andere angesehene Persönlichkeiten. Die RHG gibt eine eigene Quartalszeitschrift Sdrawyj smysl (Gesunder Menschenverstand) heraus, die Beiträge zur Verteidigung der Wissenschaften, des rationalen Denkens und zur Kritik religiöser Glaubensvorstellungen enthält.2

Es bestehen bereits 26 regionale Verbände der RHG, darunter in Sankt Petersburg. Unser Regionalverband war bereits folgendermaßen aktiv:

1. Wir haben die Sendereihe „Wissenschaft und Pseudowissenschaft” im Sankt Petersburger Stadtradio initiiert, die bereits 30 Mal gesendet wurde.
2. Wir haben die von mir verfassten populärwissenschaftlichen Bücher Die menschliche Seele und Götter und Menschen herausgebracht.
3. Wir treten gegen Astrologie und Astrologen ein, beispielsweise mit der Herausgabe des Buchs Akademische Talare und Narrenkappen von Pjotr Trewogin.
4. Wir haben eine eigene Internetpräsenz Swetski gumanist (Weltlicher Humanist) des Petersburger Regionalverbands der RHG eingerichtet, auf der seit 1999 ca. 450 Artikel auf Russisch (http://humanism.su/ru/) und Englisch (http://humanism.su/en/) veröffentlicht worden sind.
5. Wir publizieren antireligiöse und über Pseudowissenschaften aufklärende Beiträge in der RHG-Zeitschrift Sdrawyj smysl sowie in anderen Massenmedien, sofern sie unsere Materialien annehmen, was selten genug vorkommt.
6. Wie wenden uns gegen Pseudoheilpraktiker, die in Petersburg praktizieren, sowie gegen medizinische und juristische Beamte, die diese unterstützen. So haben bereits 60 Kurpfuscher ihre staatliche Zulassung wieder eingebüßt. Darüber schreibt Gennadi Scheweljew in seinem Buch Wie einfach ist es, ein „Wunderheiler” zu werden?
7. Wir haben gegen die Durchführung einer Kirchenkonferenz mit Gottesdienst im historischen Gebäude der Russischen Akademie der Wissenschaften in Petersburg protestiert.
8. Von uns wurde die Rubrik „Wissenschaft” in der Stadtzeitung Sankt Petersburger Nachrichten ins Leben gerufen, die wir aktiv unterstützen.
9. Wir haben die Gründung einer speziellen Stadtzeitung angeregt, die populärwissenschaftliche Themen publizieren sollte. Das Konzept war zunächst von der Stadtverwaltung unterstützt und eine Finanzierung zugesichert worden, doch später wurde diese wieder zurückgezogen.
10. Wir wenden uns gegen Auftritte von Pseudowissenschaftlern in Petersburger Schulen und gegen die Berichterstattung darüber in der Presse.
11. Wie organisieren populärwissenschaftliche Vorlesungen in der Öffentlichen Stadtbibliothek.

Selbstverständlich hat der Mensch ein Recht, sich zu irren, er kann an Gott oder Götter, den Teufel oder ein Paralleluniversum glauben. Das Wichtigste dabei ist doch, dass dieser Glaube andere nicht beeinträchtigt, dass er nicht eingetrichtert wird und man ihn dazu benutzt, die universellen menschlichen (säkularen) Normen der Moral zu verletzen oder gesetzwidrige Handlungen zu begehen. Der Staat darf nicht auf den Prinzipien eines Glaubens fußen, der nicht auf rationalen Erkenntnissen basiert. Die Russische Humanistische Gesellschaft wird auch in Zukunft ganz entschieden für Freidenkertum, Gewissensfreiheit und eine wissenschaftliche Weltanschauung kämpfen.

Übersetzung: Dr. Tibor Vogelsang


Anmerkungen:
1http://atheismru.narod.ru/humanism/about.htm
2http://atheismru.narod.ru/humanism/journal.htm


Der Biologe Dr. Michail Bogoslowski ist aktives Mitglied des Petersburger Regionalverbands der Russischen Humanistischen Gesellschaft. Der Beitrag ist eine geringfügig gekürzte Fassung seines Vortrages, den er im November 2006 auf der 1. Baltischen Humanistenkonferenz in Stockholm gehalten hat. Kontakt zum Autor: M2BOG1@yandex.ru. 

 


Artikel aus MIZ 3/09

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