Violette Politik

von Christoph Horst

Seit die Grünen nicht nur ihre halblinks-ökologischen Positionen verlassen, sondern sich durch ihre konsequente Verabschiedung von jeglichem Inhalt auch aus dem esoterischen Netzwerk weitgehend gelöst haben, fehlt es den so genannten Spirituellen an politischer Repräsentanz. Der breite gesellschaftliche Einfluss esoterischer Kreise, besonders der Anthroposophen, ging bisher nicht einher mit offener politischer Organisation. Um dies zu ändern, haben sich 2001 verschiedene “Geistesfreunde” zusammengeschlossen, und die Partei Alternative spirituelle Politik im neuen Zeitalter – Die Violetten gegründet. Ihre politischen Aussagen sind so einfach wie skurril.

Wie weltfremd dieses Programm ist, zeigt sich exemplarisch daran, dass in der Ökonomie ganz platt das Prinzip der Liebe zum Menschen herrschen soll. Über den Idealzustand der Ökonomie heißt es: “Die Konsumgesellschaft wird in eine Bedürfnisgesellschaft umgewandelt” (zit. nach www.die-violetten.de, 16.8.2002). Wie so etwas umgesetzt werden soll, wird nicht erwähnt; vermutlich ist der Weg dorthin ein spiritueller, denn bei den Violetten ist alles “göttliche Schöpfung”. Zielgruppe sind alle Menschen, die an Karma und Reinkarnation glauben und jeder Bereich des gesellschaftlichen Lebens wird demgemäß umgestaltet: die Zivilisation soll zugunsten von 1/3 Waldfläche in Deutschland abgeschafft, Leistungssport reduziert, die Landwirtschaft okkultistisch reorganisiert und das Gesundheitswesen von der Schulmedizin befreit werden. Besonders im Punkt der medizinischen Versorgung zeigt sich die Menschenfeindlichkeit der Violetten: Krankheiten sollen nicht bekämpft, sondern der Kranke soll sich darüber bewusst werden, dass jede Erkrankung aus einer Schuld im früheren Leben resultiere. Wer krank ist, ist also selber schuld, was sich dann realpolitisch folgendermaßen auswirkt: die Krankenkassen “werden in Gesundheitskassen nach dem Prinzip des Kfz-Schadenfreiheitsrabatts (Gesundheitsrabatt) umgewandelt, wodurch die Menschen gesundheitsbewusster werden”. Statt der Schulmedizin sollen nur Homöopathie, Akupunktur, Meditation und andere unwissenschaftliche “Therapien” staatlich gefördert werden. Entsprechend stellen sich die Violetten das Bildungswesen vor: Wissenschaftlichkeit soll zugunsten der irrationalistischen Waldorfpädagogik geopfert werden.

Die Violetten geben mit ihrem Namen schon ihr ganzes Programm preis. Warum dieser gewählt wurde, wird auf der Homepage erklärt: “Violett ist die Farbe mit der höchsten Schwingungszahl, sie ist die Mischfarbe aus Rosa (weiblich) und Blau (männlich) und symbolisiert damit die ausgewogene Einheit der männlichen und weiblichen Elemente im einzelnen Menschen, aber auch die Zusammenarbeit von Frau und Mann, und der violette Strahl (der siebente) ist für den Aufbau des neuen Zeitalters von großer Wichtigkeit.” Die Partei ist vielfältig mit der esoterischen Szene verbunden. So arbeiten sie z.B. zusammen mit dem Zentrum für spirituelle Entwicklung, das auf seiner Homepage für einen Dortmunder Buchladen mit dem bezeichnenden Namen “Pentagramm” wirbt.

Nach eigenen Angaben haben die Violetten noch keine 400 Mitglieder. Daher werden sie zur Bundestagswahl auch nur in NRW antreten, wo die geforderte Unterschriftenanzahl eingeholt werden konnte. Die Violetten werden also nur eine sehr marginale Rolle in der Politik spielen. Dies ist fast ein bisschen schade, da uns so eher lustig anmutende Szenarien erspart bleiben, wie die Resozialisierung Strafgefangener durch Meditation, im Programm unter “Rechtswesen” gefordert.

 


Artikel aus MIZ 3/02

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