Netzreport MIZ 2/02

Wahre Liebe wartet

Die Erfahrung lehrt uns, dass jeder Unsinn, der in den USA verbreitet wird, irgendwann auch zu uns nach Europa kommt. So ist es auch im Falle der amerikanischen Sex-Abstinenzler der True Love Waits-Bewegung, die uns nun mit einer deutschen Website beglückt. Worum es den Machern der Seite geht, erfährt man direkt auf der Startseite: “In einer zunehmend sexualisierten Gesellschaft, wird nackte Haut zu allen (un)möglichen Anlässen in die Öffentlichkeit gezerrt. Hierbei wurde der Lebensentwurf, ‘Kein Sex vor der Ehe’, bislang oft leichtfertig als unangebracht oder unzeitgemäß abgestempelt. Bedauerlich. Denn für diese zeitlose Überzeugung entwickeln heute immer mehr junge Leute Verständnis.” Was hier durch die Blume versucht wird zu vermitteln, ist die alte christlich-fundamentalistische Vorstellung, dass Sex in erster Linie der Fortpflanzung zu dienen hat. Natürlich hat jeder das Recht auf Sex zu verzichten, soviel er möchte. Problematisch ist es aber, dass die Verfechter der “Kein Sex vor der Ehe”-Ideologie versuchen, durch gezielte Anti-Aufklärung unbedarfte Jugendliche von ihrer Sache zu überzeugen. Geradezu kriminell ist ein Artikel, der sich gegen die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) initiierte Kampagne zur Benutzung von Kondomen richtet. Statt Kondome zu benutzen, sollen die Jugendlichen Enthaltsamkeit üben. Dass dieser Ratschlag schief geht, zeigt sich an der extrem hohen Rate der Teenagerschwangerschaften in den USA, die zehnmal höher ist als in den liberalen Niederlanden. Ebenso blödsinnig wie das Einfordern von Sex-Verzicht ist ein Artikel zur Pornographie. Dort ist doch tatsächlich zu lesen: “Pornographie ist gefährlich, sogar lebensgefährlich. [...] Gleichzeitig zieht Pornographie den Betrachter in die Sucht, verzerrt und pervertiert die menschliche Sexualität, führt zur Verdunklung der eigenen Persönlichkeit und ruiniert die natürliche von Gott geschaffene Schönheit.”

Es bleibt also zu hoffen, dass diese unsägliche Bewegung nicht allzu viele Anhänger findet, denn eine Sexualmoral wie in den USA ist frei denkenden Menschen unwürdig.

http://www.wahreliebewartet.de
 


Freigeisterhaus

Das Freigeisterhaus ist ein Diskussionsforum für Atheisten, Agnostiker und Freidenker. Eigentlich ist das nichts besonderes, denn solche Foren gibt es inzwischen recht viele. Aber auf dieser Seite finden derzeit die besten Diskussionen statt. So gibt es Rubriken, wie Trennung Religion und Staat, Ethik, Politik, Sexualität, Organisationen, Veranstaltungen, Aktionen, Religion & Geschichte und ein offenes Forum, in dem man sich zu allem auslassen kann, was einem gerade so einfällt. Außerdem werden auch noch Spezialthemen, wie Gottesbeweise oder die Evolution ausdiskutiert. Derzeit befinden sich auf der Seite insgesamt 4108 Artikel, die man durchstöbern kann. Insgesamt sind bereits 134 Benutzer registriert. Also anmelden und mitdiskutieren!

http://www.freigeisterhaus.de/
 


Internet-Seiten in Italien wegen Gotteslästerung gesperrt

In Italien wurden fünf Internet-Seiten von der italienischen Polizei wegen Gotteslästerung gesperrt. Die in den USA beheimateten Betreiber der Seiten haben angeblich Sprüche und Bilder gegen Gott und die Muttergottes ins Internet gestellt. Zudem hätten sie über das Internet Kleidungsstücke mit blasphemischen Aufschriften vertrieben, teilte die Polizei laut dpa mit. Die Ermittlungen hätten sich über zwei Jahre erstreckt. Von der “Internet-Verdunklung” betroffen ist unter anderem die Seite www.bestemmie.com. Gotteslästerung ist in Italien strafbar, wird allerdings eigentlich kaum mehr verfolgt. In Deutschland ist Blasphemie nicht an sich strafbar, sondern nur, wenn durch sie der öffentliche Friede gestört wird (§ 166 StGB). Diese Regelung bewahrt hierzulande Webseiten von einer Sperrung beziehungsweise den Betreiber vor einer Anklage. Sollte die CDU/CSU die Wahlen im Herbst gewinnen, dann bestünde die Gefahr einer Verschärfung des Paragraphen. In der Vergangenheit gab es hierzu bereits mehrfach Versuche der Bayerischen Landesregierung oder etwa einer Gruppe um den unterfränkischen CSU-Abgeordneten und “Lebensschützer” Norbert Geis, das Gesetz zu ändern. Für die Betreiber atheistischer Internetseiten könnte dies unangenehme Folgen haben, denn wenn der “öffentliche Friede” nicht mehr gestört werden muss, um belangt zu werden, dann müssen Webmaster künftig sehr vorsichtig mit ihren Äußerungen sein.
 


Scientology und das Opus Dei

Nachdem in dieser Ausgabe der MIZ ja schon von den Glaubeninhalten der beiden Organisationen die Rede war, soll nun auch noch ein Blick auf die Webseiten geworfen werden. Beide Informationsangebote sind absolut professionell gestaltet. Bei Scientology hätte man das ja erwartet, aber dass das ansonsten eher mittelalterliche Opus Dei sich so gekonnt zu präsentieren weiß, überrascht dann doch etwas. Inhaltlich hat dann aber doch Scientology die Nase vorn. Besonders die Möglichkeit, den berühmt berüchtigten Persönlichkeitstest zu machen, überzeugt. Dem hat das Opus Dei nur wenig entgegenzusetzen. Hier finden sich lediglich ein paar nüchterne Informationen über den Gründer und die Organisation. Es lohnt sich aber, bei beiden Seiten mal vorbeizusurfen und ein bisschen zu stöbern. Lernen kann man dabei in jedem Fall, wie man sich professionell im Internet präsentiert.

http://www.scientology.de
http://www.opusdei.de
 


Kritik am Opus Dei

Natürlich gibt es im Netz nicht nur die Selbstdarstellung des Opus Dei, sondern es findet sich auch eine ganze Reihe  kritischer Informationen. Eine dieser Seiten ist die des Politologen Andreas Bornefeld. Hier findet sich nahezu alles Wissenswerte über die Elitetruppe des Vatikans. So erfährt man etwas über den Gründer und seine Nachfolger, die Ideologie, die Mitgliederstruktur und die Finanzen. Besonders interessant ist eine Liste von einflussreichen Mitgliedern oder Gönnern des Opus Dei, die es in bedeutende gesellschaftliche Positionen geschafft haben. Ein Klick lohnt sich also!

http://privat.schlund.de/b/bornefeld/opus/1.htm

 


Artikel aus MIZ 2/02

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