Auerbacher Schulschwestern

Wie mit öffentlichen Mitteln Fundamentalismus gelehrt werden kann

von Roland Ebert

Seit 1946 hat der Orden der “Schulschwestern von Unserer lieben Frau”1 mit Mutterhaus in der Tschechischen Republik seinen Sitz in Auerbach/Oberpfalz. Die nur dem Papst verantwortlichen Schwestern betreiben dort ein Krankenhaus, Seniorenheime, unterrichten in zwei Kindergärten, in je einer Grund-, Haupt- und Realschule. In der Realschule, wo 280 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden, hatte die dem sektenähnlichen Engelwerk nahestehende Schulleitung seit 1999 eine Reihe von Zwischenfällen verursacht.

Die Eltern beunruhigten sich darüber, dass die Mädchen mit kniefreien Röcken zum Umziehen nach Hause geschickt wurden, freundschaftliche Umarmungen von Minderjährigen als “unkeusch” eingestuft wurden, der plötzliche Tod eines Mädchens bei einer Karnevalsveranstaltung als “gerechte Strafe Gottes” bezeichnet wurde und Schüler, die freitags an einem Tanzkurs teilnahmen, als “Werkzeuge des Satans” beschimpft wurden.2 Aber erst als am Beginn des Schuljahres 2001/2002 die Biologielehrerin aus einem vom bayerischen Kultusministerium genehmigten Lehrbuch der Biologie für die 10. Klasse die 13 Seiten zur Sexualkunde herausgerissen hatte und gar noch Ende Oktober bei der 8. Klasse das Biologie-Lehrbuch einzogen wurde, wurden die Eltern mit ihren langjährigen Klagen ernst genommen. Es kam zu einem Aufschrei mit Pressekampagne. Wieso konnten sich die Schwestern so verhalten? Dabei geht es um mehr als nur um ein paar aus einem Biologiebuch herausgetrennte Seiten.

Bundesweit wurde nur das Geschehen in der Realschule diskutiert. Die lebensfeindlichen Einstellungen der Auerbacher Schwestern wurden jedoch auch in deren anderen pädagogischen Einrichtungen gelehrt. Bereits in den Kindergärten wurde den Jüngsten mit Höllen- und Teufelserzählungen Angst gemacht.3 In der Grund- und Hauptschule wurden die Kinder während des Unterrichts zum Beichten geschickt.4 Diese Missstände waren schon einige Jahre zuvor kirchenintern aufgefallen. Doch es wurde nicht eingegriffen. Warum? Betrachten wir die Strukturen.

Zuständigkeiten

Der Orden der “Schulschwestern von Unserer lieben Frau” ist eine Organisation vatikanischen Rechts und somit dem Papst direkt unterstellt. Die in Auerbach wirkende Provinzialoberin ist nur der ca. 400 km entfernt im tschechischen Hradec-Králová (Königsgrätz) residierenden Generaloberin verpflichtet. Nach innen hatte sie freie Hand.

Die Realschule wird von einem Zweckverband geführt, an dem der Landkreis Amberg-Sulzbach, die Stadt Auerbach und der Orden als Aufwandsträger paritätisch beteiligt sind (d.h. sie verfügen über je drei Stimmen). Die Nonnen in dem als erzkonservativ eingestuften Auerbach übten also zum Teil ihre eigene Dienstaufsicht aus. Die Rektorin ist Nonne. Von den 22 Lehrerinnen gehörte die Hälfte dem Orden an. Der Orden hatte das Schulgebäude an den Zweckverband vermietet.5 Infolge dieser Struktur besaß der Orden den größten Einfluss auf die öffentlich betriebene Schule. Obwohl der Landkreis 97 Prozent der finanziellen Mittel (Sachkosten) aufbrachte, ordnete er sich dem Geschehen unter. Landrat Wagner, CSU, soll den Nonnen nahe stehen und deckte deren Verhalten: “Mir haben solche Erziehungsmethoden auch nicht geschadet”, zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung.6 Damit hatte die örtliche Ordensleitung freie Hand.

Vorherrschende Ideologie der Auerbacher Nonnen

Im Kloster selbst sollen menschenverachtende Zustände herrschen. 20 von 180 Nonnen sind aus dem Orden ausgetreten. Viele Mitschwestern, wie eine Ehemalige berichtete, hätten Selbstmordversuche hinter sich, seien alkohol- oder medikamentenabhängig. Dieser unwürdige Zustand begann 1972 als Pater Heinrich Morscher als Hausgeistlicher ins Kloster kam. “Morscher war Mitglied des Engelwerkes, dann war er beim engelwerknahen Orden der ‘Regulärkanoniker vom Heiligen Kreuz’.” Außerdem stand er dem Opus Dei nahe. Dieser Hausgeistliche berichtete den Nonnen von Dämonen und Luzifer, geißelte die verblendete Welt “draußen”7 und forderte absoluten Gehorsam.8 Den von der Außenwelt isolierten Nonnen blieb keine andere Wahl, als dem Quartett aus Hausgeistlichem, Provinzialoberin, Hausoberin und Leiterin der Realschule zu gehorchen. Dies änderte sich erst, als sie mit ins Kloster eingeschmuggelten Handys die Generaloberin über die Zustände informieren konnten.9 Aus diesen Verängstigten rekrutierte sich die Hälfte des Personals der Realschule.

Der aus Auerbach stammende Reformator Johann Baptist Metz, der die Befreiungstheologie mit begründet hatte, meinte, das Geschehen in seiner Heimat mit “Fundamentalismus” zu bezeichnen, sei noch zu harmlos. Das Schweigen Roms zu den Vorgängen führte er auf den Einfluss des St. Pöltener Bischofs und Engelwerk-Sympathisanten Kurt Krenn zurück, der ein Freund von Pater Morscher ist und das Kloster häufig besucht hatte.

Nach langem Drängen – das zuständige Erzbistum Bamberg hatte bereits im Frühjahr 1998 erfolglos einen entsprechenden Antrag gestellt! – setzte der Vatikan im Herbst 2001 einen Visitator ein, obwohl sich Kardinal Ratzinger für nicht zuständig erklärt hatte.10 Der Regensburger Weihbischof Guggenberger fand in seinem Visitationsbericht keine direkten Anhaltspunkte für Verbindungen zum Engelwerk. Er fügte aber hinzu, dass es sich um eine “Falschmeldung” handele, die von der Provinzialleitung des Ordens “leider nicht richtig gestellt” worden sei.11 Dieser Visitationsbericht ist schlitzohrig verfasst. Das Engelwerk (Opus Angelorum), eine von der 1978 gestorbenen Österreicherin Gabrielle Bitterlich gegründete Sekte, kennt keine Mitgliedschaft im herkömmlichen Sinne, sondern es besteht seit 1949 aus einem undurchsichtigen Netzwerk, dessen Strukturen sich ständig ändern. Den Engelwerkleuten ist es erlaubt, Feinden von außen die Unwahrheit zu sagen. Dies erklärt sich aus dem höheren “Ziel, die Macht der Kirche zu übernehmen und rigoros alles aus Sicht des Engelwerkes Böse und Dämonische zu bekämpfen”. Diese Lehre wurde, gleichwohl sie in Rom starke Fürsprecher unter Bischöfen und Kardinälen besitzt, von der offiziellen Kirche verboten.12

Ablauf des Eklats

Im September 2001 berichteten erstmals überregionale Zeitungen über den Skandal in Auerbach, den die Schwestern aufgrund der “Unvereinbarkeit ihrer religiösen Überzeugung mit den in Wort und Bild geschilderten Aufklärungskapiteln” in den bayerischen Biologiebüchern ausgelöst hatten. Außerdem, so Schwester Gerlinde, sei es zu schwer gewesen, die Fibel auf den zarten Kinderrücken vor Ferienbeginn nach Haus zu tragen. Rundfunk und Fernsehen berichteten darüber. Viele Kinder lachten über die Auseinandersetzung, da sie das auf den herausgerissenen Seiten Beschriebene längst kannten. Auf der politischen Ebene entwickelte sich jedoch ein kleiner “Kulturkampf”. Der Zweckverband fürchtete den Elternzorn, der SPD-Bürgermeister bangte um den Ruf der Stadt und das Erzbistum Bamberg verwies aus kirchenrechtlichen Gründen auf die Verantwortlichkeit des Vatikans.13 Das Landratsamt bat um Verständnis, da laut Kultusministerium die Schule rechtens gehandelt habe und die veralteten Bücher sowieso ausgetauscht werden sollten.14 Im übrigen sei es den Schwestern nicht zuzumuten, mit dem “Schmutz-Material” zu arbeiten.15 Dagegen konterte das Kultusministerium mit der Anordnung, die eingezogenen Bücher, die die Schule selbst ausgewählt hatte und die mit Steuer-Geldern bezahlt worden waren, sofort wieder an die Schüler auszuhändigen.16 Nachdem die Schule der Mahnung aus dem Hause der CSU-Ministerin Hohlmeier nicht nachgekommen war, prüften die Hausjuristen weitergehende Schritte.17

Wenige Tage danach fand ein Treffen der Vertreter der Schule mit dem bayerischen Kultusministerium statt. Landrat Wagner, CSU, erklärte hierzu öffentlich: “An der Schule wird Sexualkunde-Unterricht nach den bayerischen Richtlinien erteilt werden.”18 Der Schwenk des Landrats ist damit zu erklären, dass am gleichen Tage Landtagsabgeordnete aller Fraktionen in dem von der SPD geleiteten Bildungsausschuss disziplinarische Maßnahmen gefordert hatten. Die Landtags-CSU war dabei gespaltener Meinung. Im Gremium wurde über die Ahnungslosigkeit des Kultusministeriums über die Verbindung zum Engelwerk gestritten.19 Daraufhin wurde vom Kultusministerium ein Mitarbeiter der Schulaufsicht damit beauftragt, die Aufklärung der Schüler in den Klassenzimmern selbst zu beobachten. Zu den Unterrichtsmaterialien ließ das Ministerium verlauten, dass “zwar die Bücher das ‘geeigneteste Mittel’ [seien], allerdings müssten diese von den Lehrkräften nicht eingesetzt werden.”20

Etwa zum gleichen Zeitpunkt des “Kompromisses” in München hatten die örtlichen Jusos auf öffentlichem Grund vor der Realschule Aufklärungsmaterial der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und 100 Kondome verteilt. In der von den Schwestern ausgelösten Polizeiaktion wurde den Initiatoren ein Bußgeldbescheid angedroht, da die Aktion nicht von der Gemeinde genehmigt worden war.21

Am 21. November 2001 fand eine Krisensitzung des Zweckverbandes statt. Als Ergebnis forderten Kreis und Stadt die Ablösung der Schulleitung und die Entlassung einer weltlichen Lehrkraft. Da die Schwestern dem nicht zustimmen wollten, kündigten sie ihr Ausscheiden aus dem Zweckverband und somit aus dem Schuldienst zum Ende des Schuljahres an.22 Mit diesem unverhältnismäßigen Beschluss war der weitere Bestand der Schule gefährdet und das Schicksal der Schüler offen.

Ein Tag nach der Krisensitzung wurde daran gedacht, die Realschule in eine kommunale Schule umzuwandeln. Dazu wäre es allerdings notwendig gewesen, ein Ersatzgebäude für das ordenseigene Haus zu finden.23 Dagegen konterte Landrat Wagner: “Wir haben weder in Auerbach noch im Landkreis die Möglichkeit, die Schule unterzubringen.” Die Schuld über die Verschlechterung der Verhältnisse schob er dem Ministerialbeauftragten Meier zu, der durch seinen Umgangston zur Eskalation beigetragen habe. Was wäre, wenn die beiden Kindergärten nicht mehr vom Orden betreut würden?! Und sein Trumpf: “Wenn die Schulschwestern aber auch noch aus der Betreuung des Krankenhauses ausscheren, dann erwarte ich eine finanzielle Katastrophe.”24 Offenbar rechnete er damit, dass die Bevölkerung nicht über den geringen Eigenanteil der kirchlichen Träger zum Unterhalt ihrer Einrichtungen aufgeklärt ist!

Die Grünenfraktion im Landtag forderte den Freistaat auf, er solle für die anderweitige Unterbringung der Schule sorgen und entsprechende Mittel zur Verfügung stellen.25 Bei einer Informationsveranstaltung der Grünen vor Ort mit einem Vortrag von Heiner Boberski – Autor eines einschlägigen Buches zum Thema – über das Engelwerk wurde gefordert, alle Schulschwestern vom Dienst zu suspendieren. Dem widersprach der SPD-Bürgermeister Ott. Man solle vielmehr zwischen dem schulischen und dem sozialen Engagement der Schwestern unterscheiden. Er forderte außer der Auswechslung der Schulleitung nur die Abberufung der weltlichen Biologielehrerin, die sich an dem sexualkundlichen Teil der Lehrbücher gestoßen hatte.26

Nun zogen die Schulschwestern einen weiteren, aber fraglichen Trumpf. Sie propagierten die Errichtung einer privaten Schule und nötigten die Schüler mit der Androhung einer “gerechten Strafe” für die Abweichler während der Schulzeit, eine Solidaritätserklärung gegenüber dem Orden zu unterschreiben.27 Daraufhin prüfte der Ministerialbeauftragte für die Realschulen die Konsequenzen und der Sprecher des Kultusministeriums bezeichnete das Vorgehen als “nicht unproblematisch”.28

Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung reiste die tschechische Generaloberin nach Auerbach, um zwischen der autoritären Ordensleitung und den von ihr dominierten qualifizierten Pädagoginnen zu vermitteln. Allerdings war das Bemühen erfolglos. Am Rande wurde mit Stadt, Landkreis und Kultusministerium eine Umwandlung der örtlichen Realschule in eine kirchliche gesprochen. Bürgermeister und Landrat baten die Generaloberin darum, den Mietvertrag über das Schulgebäude über den Sommer 2002 hinaus zu verlängern.29 Eine Woche danach nahm der Orden überraschenderweise alle Kündigungen zurück und kündigte die Auswechslung der Schulleiterin und der Biologielehrerin an. Daraufhin forderte das Kultusministerium eine Neuverhandlung der Personalverträge mit den Nonnen und verwies darauf, dass “ein eventueller Antrag der Kongregation auf Genehmigung einer staatlich anerkannten oder genehmigten Realschule unter den gegebenen Umständen keine Aussicht auf Erfolg hat”.30 Des Weiteren bat das Kultusministerium den Vatikan um Vermittlung.31 Darüber hinaus forderte das Erzbistum Bamberg, dass einer der beiden vom Orden betreuten Kindergärten von weltlichen Mitarbeitern geführt werden solle.32 Und die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag forderte die Beendigung der Zusammenarbeit mit den Ordensfrauen in Grund- und Hauptschulen.33

Am 13. Dezember fand eine Elternversammlung der beiden Kindergärten statt, an der Vertreter des Personals, der Kirchenverwaltung und des Erzbistums teilnahmen. Dabei sprach sich eine Mehrheit der vom Stadtpfarrer stark beeinflussten Zusammenkunft für das Verbleiben der Nonnen aus.34 Das Landratsamt plädierte dafür, dass im nächsten Jahr bei der Neuverhandlung der Verträge dem Zweckverband mehr Mitspracherechte eingeräumt werden sollten.35 Das Erzbistum entsprach sofort den vom Landrat geäußerten Wunsch und stellte in Aussicht, sich übergangsweise für drei Jahre an der Trägerschaft der Realschule zu beteiligen. Ziel sei es, den Auerbacher Schwestern ‚das Verbleiben oder den Wiedereintritt in den Zweckverband zu ermöglichen.36 Einige Tage danach legte das tschechische Mutterhaus einen Vertrag vor, wonach die Schule im Kloster verbleiben könne.37 Die Generaloberin verfügte weiter, dass nach der Ausgabe der Zwischenzeugnisse die ehemalige 69-jährige Leiterin die aktive Realschulleiterin ablösen sollte.38 Mittlerweile skeptisch geworden bot das bayerische Kultusministerium an, ab dem zweiten Schulhalbjahr drei staatliche Biologielehrer für jeweils vier Wochenstunden aus umliegenden Schulen nach Auerbach abzuordnen.39 Nachdem aber von der Generaloberin keine Signale für eine wirkliche Änderungsbereitschaft ausgingen, räumte das Kultusministerium in Realschule, Grund- und Hauptschule von Auerbach auf und kündigte die Lehrerverträge mit den Ordensangehörigen. Beim Zweckverband waren bereits 27 Bewerbungen eingegangen.40 Den pauschalen Kündigungen widersprach das Erzbistum Bamberg mit dem Argument, dass die Schwestern, in deren Klassen es keine Beschwerden gegeben habe, weiterbeschäftigt sollten.41 Aber was heißt schon “keine Beschwerde” bei eingeschüchterten Jugendlichen?

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Visitationsberichts des Regensburger Weihbischofs scheint die fundamentalistische Linie im Orden ihr Scheitern eingesehen zu haben. Im Mai zog der Provinzialrat des Ordens den im Februar beim Kultusministerium gestellten unvollständigen Antrag auf Genehmigung einer privaten Realschule zurück.42 Das Erzbistum Bamberg untersagte dem Exerzitienmeister des Kloster, Pater Heinrich Morscher vom Orden der Missionare vom Kostbaren Blut, jegliche Form von Seelsorge und Beziehungen zum Kloster auf seinem Grundgebiet, das gerade noch Auerbach einschließt.43 Im September schließlich setzte der Vatikan die bayerische Provinzleitung der Schulschwestern ab. Nur sechs von ursprünglich zwölf Schwestern an der Realschule waren von dieser Maßnahme nicht betroffen.44 Damit wurde den “gemäßigten” Schwestern ein Neuanfang ermöglicht.

Die österreichischen Bischöfe Kurt Krenn aus St. Pölten und Georg Eder aus Salzburg waren mit dem Ausgang des Skandals in Auerbach nicht zufrieden.45 Erzbischof Eder holte die umstrittenen Auerbacher Nonnen in seine Diözese. Im Pfarrhaus von Zell am Ziller hat er ihnen mittlerweile eine kanonische Niederlassung ermöglicht.46

Ausblick

Mit diesen Maßnahmen, die einem Landesverweis ähneln, wurden sowohl den Fundamentalisten als auch den Gemäßigten die Chance zu einem Neuanfang geboten. Die Auerbacher Einrichtungen bleiben nach wie vor in kirchlicher Hand; und auch das Engelwerk bleibt letztlich unangefochten (auch wenn es aus einer vom Kirchenrecht ermöglichten Nische bzw. einem strategischen Brückenkopf verdrängt werden konnte).

Der eigentliche Skandal bestand nicht in ein paar herausgerissenen Schulbuchseiten, es waren und sind die grundlegenden ökonomischen und rechtlichen Strukturen, die nach einer tiefgreifenden Veränderung verlangen. So fundamentalistisch sich die Auerbacher Nonnen auch gebärdeten, die Kosten der Schule wurden nach dem geltenden Subsidiaritätsprinzip von der öffentlichen Hand getragen. Alle Lehrkräfte erhielten Verträge mit der Regierung des Bezirks Oberpfalz.47 Der Sachaufwand wurde vom Zweckverband getragen, 97% allein durch den Landkreis Amberg-Sulzbach.

Der Orden erhielt für die Schulgebäude vom Sachaufwandsträger, also dem Zweckverband, eine Miete; eine ganze Reihe Ordensangehörige waren als Lehrkräfte beschäftigt. So erzielte der nur dem Papst verantwortliche Orden nicht nur einen beträchtlichen Gewinn aus seinem pädagogischen Engagement, der Staat war und ist durch solche Konstruktionen in gewisser Weise auch erpressbar. Denn immer dann, wenn es zum Konflikt kommt (zum Beispiel über Lehrinhalte), kann der Orden mit sofortigem und komplettem Rückzug drohen – und die jeweilige Kommune vor kurzfristig kaum lösbare Probleme stellen.

 


Anmerkungen

1 Nicht zu verwechseln mit dem Orden der “Armen Schulschwestern von unserer Lieben Frau” in München. Siehe: Anja Burkel: Um Gottes Willen, Auerbach!, in SZ vom 29.11.2001.

2 Martin Zips: Gottes Werk und Teufels Beitrag, in: SZ vom 6.11.2001.

3 Jörg Völkerling: Streit um Schulschwestern erfasst Kindergarten, in: Die Welt vom 13.12.2001.

4 Martin Zips: Es war keine Bereitschaft da, etwas zu ändern, in: SZ vom 17.4.2002.

5 Martin Zips: Auerbachs Kerker, in: SZ vom 22.11.2001.

6 Martin Zips: Hilferufe mit dem Handy, in: SZ vom 29.11.2001.

7 Martin Zips: Auerbacher Kerker, in: SZ vom 22.11.2001.

8 Martin Zips: Glaube, Hoffnung, Hiebe, in: SZ vom 29.11.2001.

9 Martin Zips: Hilferufe mit dem Handy.

10 Martin Zips: Der Vatikan hat versagt, in: SZ vom 24.11.2001.

11 KNA: Persilschein für Auerbacher Nonnen, in: SZ vom 16.5.2002.

12 Iris Hilberth: Die Auerbacher Dämonen, in: FR vom 12.12.2001.

13 Thomas Delekat: Von den Bienen lernen, in: Die Welt vom 3.11.2001.

14 Jörg Völkering: Kreuzzug gegen Sexualkunde geht weiter, in: Die Welt vom. 27.10.2001.

15 ddp: Nonnen ziehen Biologiebücher ein, in: SZ vom 31.10.2001.

16 dpa: Ordensschwestern zensieren Bücher über Sexualkunde, in: Main-Echo vom 31.10.2001.

17 Jörg Völkering: Streit um Sexualkunde verschärft sich, in: Die Welt vom 30.10.2001.

18 dpa: Ordensschwestern wollen Sexualkunde an Schule anbieten, in: Main-Echo vom 7.11.2001.

19 burt: Landtag will Sanktionen gegen Schulschwestern, in: SZ vom 9.11.2001.

20 lby: Ein Aufpasser wacht über die Nonnen, in: Die Welt vom 8.11.2001.

21 lby: Polizei verbietet Verteilung von Kondomen an Schule, in: Die Welt vom 13.11.2001.

22 dpa: Schulschwestern unterrichten ab 2002 nicht mehr, in: Main-Echo vom 22.11.2001.

23 AP: Nonnenschule wird verstaatlicht, in: Main-Echo vom 23.11.2001.

24 Jörg Völkling: Schulschwestern ziehen sich zurück, in: Die Welt vom 23.11.2001.

25 ae: Christlicher Fundamentalismus, in: Bayerische Staatszeitung vom 30.11.2001.

26 Jörg Volkerling: Sexualkunde-Skandal: Schulleitung soll gehen, in: Die Welt vom 22.11.2001.

27 Jörg Volkerling: Auerbacher Kinder wollen Schulschwestern zurück, in: Die Welt vom 27.11.2001.

28 N.N. Auerbacher Schüleraktion auf Prüfstand, in: Die WeltIE WELT Nr. 278-48 v. 28.11.2001.

29 Martin Zips: Richtungskampf im Kloster, in: SZ vom 1.12.2001.

30 lby: Auerbacher Nonnen wollen doch weiter unterrichten, in: Main-Echo vom 8.12.2001.

31 dpa: Hohlmeier bittet Vatikan um Vermittlung, in: Main-Echo vom 7.12.2001.

32 dpa/lby: In Auerbach nun Streit auch um Kindergärten, in: Main-Echo vom 13.12.2001.

33 dpa: Münzel: Nonnen versetzten Grundschulkinder in Angst, in. Main-Echo vom 14.12.2001.

34 dpa: Eltern sprechen Nonnen Vertrauen aus, in: SZ vom 15.12.2001.

35 dpa: Auerbacher Realschule kann im Kloster bleiben, in: SZ vom 18.12.2001.

36 KNA: Erzbistum steigt in Auerbach ein, in: SZ vom 23.1.2002.

37 dpa: Realschule Auerbach bleibt im Kloster, in: Main-Echo vom 29.1.2002.

38 dpa:/ddp: Neue Rektorin für Auerbacher Realschule, in: SZ vom 30.1.2002.

39 ddp: Nonnen dürfen nicht mehr Biologie lehren, in: SZ vom 6.2.2002.

40 ddp/lby: Kultusministerium räumt in Auerbach auf, in: Main-Echo vom 26.4.2002.

41 SZ/dpa: Zweite Chance für Auerbacher Nonnen, in: SZ vom 18.4.2002.

42 dpa/lby: Nonnen ziehen Antrag auf Privatschule zurück, in: Main-Echo vom 18.5.2002.

43 ren: Exerzitienmeister von Auerbach abgestraft, in: SZ vom 17.6.2001.

44 dpa/lby: Vatikan setzt Leitung der Auerbacher Schwestern ab, in: Main-Echo vom 14.9.2002.

45 KNA: Erzbistum steigt in Auerbach ein, in: SZ vom 23.1.2002.

46 ddp: Auerbacher Schwestern ziehen nach Salzburg, in: SZ vom 3.10.2002.

47 Zips, Martin: “Es war keine Bereitschaft da, etwas zu verändern”, in: SZ vom 17.4.2002.

 


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