Netzreport 2/09

Google für Katholiken

Das Internet ist böse, denn dort gibt es auch Dinge zu lesen oder zu sehen, die für fromme Katholiken Sünde sind. Damit die Frömmler nicht versehentlich mit “sündigem” Material in Verbindung kommen, haben nun findige Katholiken die Suchmaschine Google so konfiguriert, dass auch der Katholik sich künftig ins Internet trauen kann. Wer bei Catholic Google das Wort Sex eingibt, kann sich also ziemlich sicher sein, nicht auf einer Erotikseite zu landen. Stattdessen präsentiert Catholic Google jede Menge Ansichten religiöser Fanatiker zum Thema menschliche Sexualität. Auch wer das Wort Atheist eingibt, landet erstmal nicht auf unchristlichen Webseiten, sondern erfährt etwas über Atheismus aus katholischer Sicht. Gleiches gilt auch für Themen wie Schwangerschaftsabbruch oder Homosexualität, auch hier präsentiert das konfigurierte Google gefilterte Informationen.
http://catholicgoogle.com/

 


Wissenschaft kann Spaß machen – die Science Busters
Wissenschaft in all ihren Facetten ist weiten Teilen der Bevölkerung immer noch fremd. Mit Phänomenen wie dem Urknall, der Quantenpysik oder der Evolutionslehre können nur wenige Menschen wirklich etwas anfangen. Damit sich dies ändert, bedarf es eindeutig einer Öffnung der Wissenschaft gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit. Wie so etwas gelingen kann, zeigen uns die Science-Busters aus Österreich. Prof. Heinz Oberhummer (Physiker, TU Wien), Werner Gruber (Physiker, Universität Wien) und der Kabarettist Martin Puntigam haben es sich zur Aufgabe gemacht, Naturwissenschaft verständlich, unterhaltsam und spannend den Menschen nahezubringen. Neben den zahlreichen Live-Auftritten, die das Trio in Österreich absolviert,  präsentieren die Science-Busters ihre Erkenntnisse auch in einer wöchentlichen Radiokolumne im Jugendradiosender FM4 des ORF. Die Beiträge lassen sich über die Website des Trios auch als Podcast herunterladen.
http://www.sciencebusters.at/

 


Hände falten, Goschn halten
“Kirche raus aus der Schule”, das fordert der Arbeitskreis kritische SchülerInnen für Österreichs Schulen. Um diesem Ziel ein wenig näher zu kommen, ist eine Website eingerichtet worden, die interessiertes Publikum mit entsprechenden Argumenten versorgt. Wirklich neu sind diese zwar nicht, aber immerhin erfährt man als “Piefke” einiges über das Verhältnis von Staat und Kirche in Österreich. Ganz nett gemacht ist daneben auch noch das Spiel zur Kampagne “Hände falten, Goschn halten”, bei dem es einem als Schüler oder Schülerin gelingen muss, religiöse Symbole aufzuhalten.
http://aks.at/index.php?article_id=195

 


Muslimische Kreationisten

In der letzten Zeit wurde anlässlich des Darwin-Jahres auch viel über die sogenannten Kreationisten diskutiert. Dabei konnte man den Eindruck gewinnen, dass es sich bei der Ablehnung der Evolutions-theorie in erster Linie um ein christliches Phänomen handelt. Muslimische Fundamentalisten, stehen ihren christlichen Pendants jedoch kaum nach, wie ein Blick auf die Seite von Harun Yahya zeigt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der türkische Schriftsteller Adnan Oktar, der 1956 in Ankara geboren wurde und der in der muslimischen Welt einer der bekanntesten Evolutionsgegner ist. Die überaus professionell gemachte und mit zahlreichen Filmen angereicherte Homepage ist ganz darauf ausgerichtet, antievolutionäre Propaganda zu verbreiten. Dabei unterscheidet man sich in der Argumentation kaum von christlichen Fundamentalisten. Die “Darwinisten” werden auch hier für fast alles Elend auf der Welt verantwortlich gemacht und Belege für die Evolution werden beharrlich ignoriert oder umgedeutet.
http://www.harunyahya.de/index.php
http://www.evolutionsschwindel.com/

 


Katholizismus offiziell

Unter www.katholisch.de betreibt die Katholische Kirche ihr offizielles Nachrichtenportal. Technisch und optisch ist die Seite absolut professionell gestaltet, sicherlich wurde hier eine Menge Geld in die Realisierung gesteckt. Die Nachrichten sind natürlich tendenziös, aber immerhin professionell verfasst. Neben Nachrichten aus Rubriken wie Unser Glaube, Seelsorge und Rat, Jugendliche, Familien, Gesellschaft und Senioren hat man sogar ein Internet-Fernsehen auf die Beine gestellt. Hier zeigt sich, dass die Kirche in Sachen Technik voll auf der Höhe der Zeit ist, was man freilich von den Inhalten nicht sagen kann. Als Informationsquelle ist die Seite für Atheisten dennoch  interessant, da man sich dort gut über Entwicklungen und Diskussionen der katholischen Kirche in Deutschland informieren kann.
http://www.katholisch.de/

 


Fritz Mauthner

Den 1923 verstorbenen Philosoph und Sprachwissenschaftler Fritz Mauthner kennt heute kaum noch jemand. Auch im Internet sind die Informationen über ihn spärlich. Dies soll sich nun mit der Einrichtung der Seite fritz-mauthner.de ändern. Professionell aufbereitet sind dort Informationen über das Leben und Wirken Mauthners zu finden. Ein Schwerpunkt der Seite ist Mauthners Geschichte des Atheismus. Textauszüge aus dem Mammutwerk können auf der Homepage heruntergeladen werden. Wer sich einen ersten Überblick über Fritz Mauthner verschaffen will, ist auf dieser Seite gut aufgehoben.
www.fritz-mauthner.de

 


Gott kennen

Im Juni tourte in Deutschland ein roter Doppeldecker-Bus mit der Aufschrift “Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott” durch die Lande. Immer auf den Versen der Atheisten war ein von evangelikalen Christen gemieteter weißer Reisebus mit der Aufschrift “und wenn es ihn doch gibt... gottkennen.de”. Besucht man nun diese Internetseite, dann landet man auf einer Missionierungsseite von Campus für Christus. Dort wird einem erklärt, dass Gott einen liebt, wie wichtig beten doch ist und wie toll doch das liebe Jesulein sei. Bekenne dich also zu Gott und alles wird gut, so oder so ähnlich lässt sich die naive Vorstellung der evangelikalen Elite zusammenfassen. Wirklich überzeugend!
http://www.gottkennen.de
Informationen zur evangelikalen Bustour sind auf dieser Seite zu finden:
http://www.tour.gottkennen.de