Blätterwald 1/05

Karlheinz Deschner

Anläßlich seines 80. Geburtstages hat die Zeitschrift Aufklärung und Kritik ein Sonderheft zu Karlheinz Deschner vorgelegt. Darin finden sich neben der Laudatio von Hermann Josef Schmidt zahlreiche Aufsätze zum Leben des großen Christentumkritikers und verschiedenen Aspekten seines Werkes (allerdings auch eine Reihe von Beiträgen zu Themen, die nur mittelbar mit Deschner zu tun haben).

Auf diese Publikation hin brachte die Zeitschrift konkret eine Würdigung Deschners von MIZ-Autor Christoph Horst, die seine kirchenkritischen Arbeiten lobte, die Art seiner Kritik an den USA und seine Positionen zum Tierschutz hingegen deutlich kritisierte. Konnte mensch über diesen Artikel noch argumentativ streiten, waren die Leserbriefe im darauffolgenden Heft einfach nur peinlich. Den Vogel schoss ein Einsender ab, der in seiner deutschnationalen Beschränktheit mit “Heidentum” offenbar nur Germanenhäuptlinge assoziieren konnte und Deschner als “Häuptling aller deutschen Heiden” titulierte.

Dies nahm die Giordano Bruno-Stiftung ihrerseits zum Anlass, in einem “Stimmung statt Argumente” überschriebenen offenen Brief an konkret die irrationalen Diskussionsmuster innerhalb der deutschen Linken zu kritisieren: “Im Kontext der gegenwärtigen linken Diskussionsunkultur ist der Umgang von konkret mit ihrem ehemaligen Vorzeigeautor Karlheinz Deschner bezeichnend. Dass Deschners Arbeiten insbesondere zur Amerikakritik sowie zur Tierethik diskussionswürdig sind, wird niemand bestreiten – auch Deschner nicht, der niemals den Versuch unternommen hat, sich mit Unfehlbarkeitsansprüchen gegen Kritik zu immunisieren (“Denken heißt in Zweifeln sterben”). So wichtig und richtig Kritik (auch am Werk Deschners) ist, die jüngsten Versuche, Karlheinz Deschner – immerhin seit Jahrzehnten einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Aufklärung! – an den rechten politischen Rand drängen zu wollen (Christoph Horst in konkret 2/05, schlimmer noch: die Leserbriefschreiber in konkret 3/05), zeugen davon, dass das Phänomen der ideologischen Wahrnehmungsverzerrung in bestimmten linken Kreisen mittlerweile höchst bedenkliche Formen angenommen hat.”

Der volle Text des Offenen Briefes findet sich unter: http://www.deschner.info/de/aktuell/konkret.htm

 


Flugschrift

Die Aktion 3. Welt Saar hat unter dem Titel Mit Islamismus gegen die Aufklärung ein vierseitiges Flugblatt herausgegeben, das Stellung bezieht zum politischen Islam. In Abgrenzung zu Positionen, die Kritik am Islam als eurozentristisch und “islamophob” denunzieren und in Einzelfällen sogar Verständnis für Selbstmord-Attentate aufbringen, verweist Autor Klaus Blees darauf, dass der islamistische Terror kein emanzipatorisches Potential in sich trage und warnt vor falscher Toleranz. Auch aus der Verzweiflung ausgebeuteter, unterdrückter und verarmter Massen sei diese Form des Jihad nicht erklärbar: “Nirgendwo außerhalb des islamischen Kulturkreises sprengen sich die ‘Verdammten dieser Erde’ selbst in die Luft und versuchen dabei, möglichst viele Zivilisten mit in den Tod zu nehmen.” Als weitere zentrale Kritikpunkte, die zeigen, dass es sich beim Islamismus nicht um ein legitimes antiimperialistisches Projekt, sondern um eine reaktionäre Erscheinung handelt, werden der “unbändige Antisemitismus” sowie die Bekämpfung jeglicher Individualität angeführt.

Zugleich verweist die Aktion 3. Welt Saar darauf, dass vom islamistischen Terror in erster Linie Muslime betroffen seien. Folglich sei es unverantwortbar, die Grenzen für Menschen, die vor fundamentalistischer Politik fliehen, zu schließen. Es müsse ein klarer Trennstrich gezogen werden gegenüber allen, “die den Kampf gegen den Islamismus lediglich als Vorwand benutzen, um Europa zu einer Festung zu machen, ihrem Standortrassismus zu frönen sowie innenpolitisch Bürgerrechte abzubauen und ihre deutsch-nationale Leitkultur zu predigen”.

Die Flugschrift kann gegen Rückporto angefordert werden: Aktion 3. Welt Saar, Weiskirchener Str. 24, 66679 Losheim, www.a3wsaar.de

 


Realitätsverlust

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ist bekannt dafür, dass sie nicht nur als “Zeitung für Deutschland” sondern auch fürs christliche Abendland auftritt. In der Ausgabe vom 17. Februar findet sich diesbezüglich ein besonders obskurer Aufsatz, der unter dem Vorwand, die Religionsfreiheit gegen die Großkirchen zu verteidigen, gegen Religionskritik hetzt.

Der ultrakatholische Staatsrechtler Martin Kriele, der seit Jahren mehr Bekenntnisfestigkeit fordert und in diesem Zusammenhang zum Beispiel für die Ausbildung von Priestern und Religionslehrern in kirchlicher Eigenregie plädiert, äußert sich zunächst zu der Frage, wie ein “Missbrauch der Religionsfreiheit” verhindert werden kann. Aber schnell wird spürbar, dass dem Juristen etwas anderes auf den Nägeln brennt und die gesamte erste Spalte mit der differenzierten Darstellung der unterschiedlichen Haltungen, die Bundesverfassungsgericht und Bundesverwaltungsgericht in der Frage einnehmen, ob religiöse Symbole nun eher zum Bereich des religiösen Bekenntnisses oder zum Bereich der allgemeinen Kulturwerte gehören, lästige Pflichtübung war. Nach der moderat klingenden Zwischenbilanz, religiöse Vielfalt lasse sich “zur Verlebendigung der eigenen, christlichen Religion bei gleichzeitigem Respekt vor andersgläubigen Menschen” nutzen, kommt Kriele dann zu seinem eigentlichen Thema: dem Kulturkampf, den der militante Atheismus gemeinsam mit den Kirchen gegen die Religion führe.

Eine solche These überrascht, verspricht sie doch eine provozierende Sicht der Dinge. Doch auch nach mehrmaliger Lektüre der folgenden Absätze bleibt der Eindruck, dass hier ein Jurist schreibt, der jeden Blick auf die Realität vermeidet, um seine bemüht zusammengeschusterte Theorie nicht zu gefährden. “Der Kulturkampf”, so Kriele, “geht aus von der Ansicht, dass die Säkularisierung des Staates bisher nur halb gelungen sei; es gehe darum, einem konsequenten Laizismus zum Durchbruch zu verhelfen. Eigentlich seien nämlich religiöse Lebensformen und spirituelle Erfahrung überholt.” Abgesehen davon, dass im ganzen Text nicht ausgeführt wird, worin sich der an die Wand gemalte “Kulturkampf” denn konkret äußert, liegt hier gleich der erste Denkfehler vor. Denn die “Säkularisierung des Staates” wird nicht religionskritisch begründet, sondern ergibt sich als logische Folge aus der Weltanschauungfreiheit in einer pluralistischen Gesellschaft. Kriele freilich spricht zumeist nur von “Religionsfreiheit” (Weltanschauungsfreiheit hingegen erscheint ihm als eher ärgerliches Zugeständnis, das “jeden Unfug” decke). Wenn er anschließend meint betonen zu müssen, “daß Artikel 4 des Grundgesetzes nicht nur die Freiheit von Religion gewährleistet, sondern auch die Freiheit zur Religion”, stellt sich die Frage, ob dieser Mann wirklich noch nie etwas von Religionsunterricht an staatlichen Schulen, Militärseelsorge, kirchlichem Arbeitsrecht, Kirchenfunk, öffentlichen Zuschüssen für rein interne Angelegenheiten der Religionsgesellschaft in Milliardenhöhe usw. usf. gehört hat. (Hat er natürlich, am Ende seines Artikels fordert er sogar selbst die Abschaffung von derlei Privilegien, aber warum verschließt sich ihm die Einsicht, dass damit Religion gefördert wird?)

Noch absurder ist die Begründung seiner These einer Allianz “kirchlicher Amtsträger mit dem atheistischen Kampfmilieu”. “Sie [die Kirchen] machten sich deren Angriffe gegen Andersgläubige zu eigen und wurden dafür von direkten Angriffen verschont.” Auch hier verzichtet Kriele auf eine Konkretisierung. Offenbar zielt er darauf ab, dass sowohl die Amtskirchen als auch Vereinigungen mit tendenziell religionskritischem Ansatz Aufklärungsarbeit hinsichtlich sog. Sekten und Psychokulte leisten. Dies in einen Zusammenhang zu bringen und zudem als aktuelle Entwicklung zu beschreiben, zeugt ebenfalls von einer getrübten Wahrnehmung – die entsprechenden Gremien zur Beobachtung und Bekämpfung der Konkurrenz gibt es bei den Kirchen seit Jahrzehnten und sie wurzeln in der schlechten alten Zeit des Staatskirchentums (und auch die Behauptung, die Kirchen würden im Zuge dieser halluzinierten Zusammenarbeit von Kritik ausgenommen, zeigt dass Kriele nie in eine Publikation der säkularen Szene einen Blick geworfen hat – oder die Realität für seine Thesen zurechtlügt).

Immerhin wird sein Verständnis von “Religionsfreiheit” nun klar erkennbar: die Freiheit der Religion von jeglicher öffentlichen Kritik. Die bislang wenig erfolgreichen Bemühungen zumindest einen minimalen “Verbraucherschutz” im Bereich religiöser Angebote zu erreichen, denunziert Kriele: “Es genüge nicht mehr, dass der Staat die Freiheit zu Eintritt und Austritt [in eine Religionsgemeinschaft] gewährleistet, er habe vor dem Eintritt zu warnen und den Austritt zu fördern.” Ein solches Zerrbild entspricht weder dem Stand der Debatte (die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages hat seinerzeit eine sehr differenzierte Einschätzung abgegeben) noch den tatsächlichen Forderungen von Vereinigungen wie der Aktion Geistige und Psychische Freiheit (auch wenn die indirekte Rede dies unseriöser Weise suggeriert: Kriele zitiert hier nicht, sondern gibt seine eigene Interpretation der Dinge wieder). Zudem berücksichtigt eine solche Position nicht, dass beim Austritt aus einigen der kleineren Religionsgemeinschaften tatsächlich deutlich größere Probleme für die betreffende Person entstehen können als beim Kirchenaustritt.

Schließlich fällt auch die Maske des um Sachlichkeit bemühten Experten endgültig, wenn er die Auffassung, dass Gläubige in Gemeinschaften ihrer “geistigen und psychischen Freiheit” beraubt werden können (und damit – pars pro toto – natürlich die Religionskritik insgesamt) “linksfaschistischen Kreisen” zuweist. Inwieweit Kriele geistig in seinem Katholizismus gefangen ist, mag dahingestellt bleiben; was er verloren hat, liegt nach der Lektüre seines Zeitungsbeitrages jedenfalls auf der Hand.

 


Fischer-Preis-Festschrift

Nachdem im September 2004 der Erwin-Fischer-Preis an den amerikanischen “Desillusionisten” James Randi verliehen worden war, erscheint nun die dazugehörige Festschrift. Darin sind die Preisbegründung von Michael Schmidt-Salomon, die Laudatio des GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma und die Dankesrede des Geehrten enthalten. Dazu gibt es Informationen über James Randi und seine Publikationen sowie die Veranstalter der Tagung “Wissen statt Glauben”.

“Wenn ich das mache, dann ist es ein Trick...” Vom Charme der Ent-Täuschung durch vernunftgeleitetes Denken. Festschrift zur Verleihung des Erwin-Fischer-Preises 2004 an James Randi durch den Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.). 32 Seiten, zahlreiche Fotos, geheftet, Euro 2.-, ISBN 3-932710-98-3

 


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