Zündfunke 2/05

Fachtagung

In Margarethenried fand Anfang Juni eine Fachtagung “Anthroposophie & Waldorfpädagogik” statt. Ziel der vom Forum Kritische Psychologie (FKP) und dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.) durchgeführten Veranstaltung war eine bessere Vernetzung all derer zu erreichen, die sich kritisch mit der momentan einflussreichsten Esoterik-Gruppe in Deutschland auseinandersetzen. Dazu waren einerseits Autorinnen & Autoren eingeladen, die in den vergangenen Jahren zum Thema publiziert hatten, andererseits Betroffene aus diversen Einrichtungen.

Zunächst gab es einige Kurzreferate. Elmar Klevers und Sybille-Christin Jacob berichteten über den Einfluss der Anthroposophen und ihre Aktivitäten in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Dabei zeigte sich sehr deutlich, dass Anthroposophie sich bei weitem nicht in Waldorfpädagogik erschöpft, sondern in vielen weiteren Sozialeinrichtungen die kruden Gedanken Rudolf Steiners wirken. Besonders eindrucksvoll war insofern die Schilderung eines Zivildienstleistenden, der seine Zeit in einem finnischen Camp Hill ableisten wollte. Überraschend war nicht nur, dass die Einrichtung zur Betreuung behinderter Kinder ihrem weit verbreiteten guten Ruf im Erleben des ZDL nicht annähernd gerecht wurde, sondern dass sich die Erziehungsmethoden in den letzten 30 Jahren offenbar kaum verändert haben. Wie eine Anwesende bestätigte, wurden viele der bizarren Strafmaßnahmen bereits zu ihrer Zeit im Heim angewendet. Andreas Lichte schließlich beschrieb seine Erfahrungen aus der Zeit im Waldorf-Seminar, wo er eine Ausbildung zur Werklehrer absolvieren sollte.

Als ein Ergebnis der Tagung kann festgehalten werden, dass es auch nächstes Jahr wieder ein solches Treffen geben soll. Einigkeit herrschte zudem darüber, dass vor allem Eltern, die überlegen, ihre Kinder auf eine Waldorfschule zu geben, von unabhängiger Seite besser informiert werden sollten. Auch die Veranstaltungsform soll 2006 als “Margarethenrieder Gespräche” wiederholt werden.

 


GWUP-Konferenz

Ihre 15. Jahreskonferenz hat die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) Anfang Mai in Regensburg durchgeführt. Wie bereits im vergangenen Jahr begann die Veranstaltung mit einem “offenen Tag”, an dem typische GWUP-Themen (von Uri-Geller-Tricks bis zum Blutwunder von Neapel) für ein breiteres Publikum aufbereitet dargeboten wurden. Thematischer Schwerpunkt an den folgenden Tagen war die Homöopathie. Anlässlich des 250. Geburtstags von deren Begründer Samuel Hahnemann setzten sich die Vorträge mit der Frage auseinander, ob die Homöopathie unter wissenschaftlicher Perspektive wirken kann. Krista Federspiel stellte Hahnemann im Kontext seiner Zeit vor und ging auf die Debatte über die Homöopathie ein (wobei die Darstellung der jüngeren Untersuchungen leider etwas zu kurz kam). Martin Lambecks Referat entgegnete den immer wieder unternommenen Versuchen von Anhängern der Paramedizin, nicht nachvollziehbare angebliche Wirkungen mit der Quantenphysik zu erklären.

Besonders gut kamen bei den Teilnehmern die beiden Workshops am Samstagmorgen an. Wolfgang Hund präsentierte “mentalmagische Kunststücke”, die von den anwesenden Nichtzauberern” gemeinsam geübt wurden. Parallel dazu zeigte Wolfgang Hell, dass Zahlen & Fakten für sich allein nur selten etwas aussagen, sondern dass es auf die Interpretation ankommt. Hier die richtigen Fragen zu stellen, Alternativinterpretationen zur angebotenen Sichtweise zu finden und zu testen, kann geübt werden, um stets kritische Distanz auch zu auf den ersten Blick gut belegten Behauptungen zu wahren.

Am Rande der Konferenz wurde eine Resolution zur Homöopathie verabschiedet, die einen kritischeren Umgang mit diesem alternativmedizinischen Verfahren einklagt. In den nächsten Monaten sollen Unterschriften gesammelt werden, um dieser Forderung in Politik und Medizin Nachdruck zu verleihen. Ein “realpolitisches” Ziel könnte sein, eine Debatte anzustoßen, ob die Sonderbehandlung der Homöopathie, wie sie das Arzneimittelgesetz von 1976 vorsieht, gerechtfertigt ist.

Entsprechende Listen können heruntergeladen werden unter: http://gwup.org/ueberuns/konferenzen/2005/media/resolution2005gwup1.pdf oder sind über die Geschäftsstelle der GWUP, Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf erhältlich.

 


Atheistische Filmnacht

Bereits zu einer Tradition geworden ist die Atheistische Filmnacht der Bundes für Geistesfreiheit (bfg) München am Karfreitag. Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung restlos ausverkauft, zahlreiche Besucher und Besucherinnen mussten sich mit ein paar Schoko-Hasen vom großen “Chocolat”-Buffet, überrreicht durch den heiligen Nantovinus aus Wolfratshausen (Wiggerl Gollwitzer, Loisachtaler Bauernbühne), und stimmungsvollen Tönen durch Big Brother George (Blues unplugged) begnügen.

Gezeigt wurde neben Chocolat noch Wer den Wind sät. In diesem Schwarz-Weiß-Film von 1960 geht es um den so genannten Affenprozess (also eine wahre Begebenheit). In den 1920er Jahren wurde in den USA ein Biologie-Lehrer vor Gericht gestellt, weil er – anstatt die Schöpfungslehre – die Evolutionstheorie Darwins im Unterricht gelehrt hatte. Spencer Tracy versucht in Hollywood-Manier (beeindruckend), ihn zu verteidigen und die weltanschauliche Neutralität der Schulen und damit des Staates gegen die Bigotterie (in Person des Bürgermeisters der Stadt) durchzusetzen.

Beide Filme fanden großen Zuspruch; am Schoko-Pralinen-Buffet, das alljährlich zur Filmvorführung aufgebaut wird, fanden im Anschluss noch zahlreiche Diskussionen statt.

 


Streitgespräch

In München und Düsseldorf fand Ende April auf Initiative der christlicher Studentengruppen eine Veranstaltung statt, die in den USA völlig normal wäre, in Deutschland jedoch Seltenheitswert hat: ein Atheist und ein überzeugter Christ stritten darüber, ob es Gott gebe oder nicht. Streiter für Gott war William Craig, ein amerikanischer Theologe und Philosoph, den seine zahlreichen Veröffentlichungen als evangelikalen Hardliner ausweisen. In München traf er auf den Rechtsphilosophen Norbert Hoerster, an der Heinrich-Heine-Universität trat ihm der MIZ-Chefredakteur Michael Schmidt-Salomon entgegen.

In Düsseldorf lief die Disputation so ab, daß zunächst Craig 20 Minuten lang Thesen vorstellte, die seiner Auffassung nach für eine Existenz Gottes sprechen; darauf entgegnete Schmidt-Salomon. Daran schloss sich eine zweite Runde an, in der beide Kontrahenten 12 Minuten Zeit hatten, die Argumente ihres Gegenübers zu widerlegen; anschließend wurde das Publikum einbezogen. Craig führte sechs Punkte an: drei kosmologische “Gottesbeweise” (das Universum muss von einem personalen Schöpfer geschaffen worden sein usw.), ein moralphilosophisches Argument (ohne Gott gibt es keine objektiven Werte, deren Existenz jedoch offensichtlich ist), die angeblich gut belegte und in der historisch-kritischen Forschung unumstrittene Auferstehung Jesu sowie das persönliche Erleben Gottes. Schmidt-Salomon verwies auf die Schwächen aller kosmologischen “Gottesbeweise” (die bereits vor 200 Jahren formuliert wurden) und der Vorstellung eines “intelligenten Designers”, zeigte die (schon von Sokrates erkannten) Probleme auf, die sich ergeben, wenn moralische Richtlinien an Gott festgemacht werden, und stellte die Historizität der biblischen Erzählungen ebenso in Frage wie individuelle Gotteserfahrung.

Craigs Konter konzentrierte sich auf allerlei formallogische Einwände sowie den Vorwurf, es sei keinerlei Beweisführung für die Nicht-Existenz Gottes dargelegt worden. Spätestens hier wurde das zentrale kommunikative Problem des Abends deutlich: denn Craig ignorierte zentrale wissenschaftstheoretische Selbstverständlichkeiten, wie etwa das “Sparsamkeits-prinzip” oder dass bei außergewöhnlichen Behauptungen die Beweispflicht zunächst auf seiten der Vertreter dieser Sichtweise liegt. So wollte er auch nicht akzeptieren, dass es nicht möglich ist zu beweisen, dass irgendetwas – sei es Gott oder der Drache in Carl Sagans Garage – nicht existiert. Zudem wechselte er, wie es gerade für seine Argumentation passte, zwischen dem Bild eines eigenschaftslosen Gottes und dem christlichen Gottesbild; auf den Hinweis, dass zum Beispiel sein kosmologischer “Gottesbeweis”, selbst wenn er zuträfe, gar nicht zwingend die Existenz des biblischen Gottes belegt, sondern nur irgendeines Schöpfergottes, ging Craig denn auch nicht ein. Vor allem aber war der evangelikale Professor intellektuell nicht in der Lage zu begreifen, dass eine atheistischen Argumentation heute gar nicht mehr in erster Linie darauf abzielt, Aussagen über die Existenz Gottes zu treffen, sondern dessen Relevanz bestreitet: entgegen der einführenden Worte der veranstaltenden Studenten ist die Frage nach Gott eben nicht die “wichtigste aller Fragen”; vielmehr lässt sich fast alles ganz prima ohne Gott leben, erklären, begründen: die Entstehung des Universums ebenso wie ethische Leitlinien.

In der Diskussion blieben Craigs Ausführungen nicht unwidersprochen. Vor allem seine unbarmherzigen Aussagen über die “verdiente” Höllenstrafe für die Ungläubigen und sein wenig überzeugender Hinweis auf den “freien Willen” riefen Empörung hervor. Dabei hatte Craig hier eine – für sein Spektrum – gemäßigte Position bezogen. Ein junger Zuhörer offenbarte hingegen die Abgründe evangelikalen Denkens, als er die Frage in den Raum stellte, ob es nicht bereits eine Sünde sei, mit einem Atheisten öffentlich zu diskutieren und der Gottlosigkeit so ein Podium zu bieten. Insofern war der Abend ein interessantes diskursives Experiment, das einerseits grundlegende Argumente pro und contra die Existenz Gottes vor den Zuhörern ausbreitete, andererseits aber auch verdeutlichte, dass es mit dem militanten Flügel der Evangelikalen nur eine sehr schmale gemeinsame Basis gibt, auf der solche Gespräche stattfinden können.

 


Mythen, Märchen, Massenmord

Unter dem Titel “Mythen, Märchen, Massenmord” veranstaltete der Bund für Geistesfreiheit (bfg) Erlangen einen Vortrags- und Diskussionsabend zur Bibelkritik. Bei der Vorbereitung der Veranstaltung gab es auch skeptische Stimmen: Das – noch dazu vorwiegend Alte! – Testament sei zu – na eben alt. Alle belesenen Menschen wüssten über die dort enthaltenen Grausamkeiten Bescheid. Zu scharfe Formulierungen würden die Menschen abstoßen und vom Besuch unserer Veranstaltung abhalten. Doch siehe da: Der Besuch war dann sehr ordentlich, das Interesse groß und die Diskussion angeregt. Als der Referent Klaus Uppendahl bei Überschreiten der üblichen Redezeit von ReferentInnen seinen Vortrag beenden wollte, stimmte das Publikum spontan für die Fortsetzung.

Ganz so allgemein und vollständig ist anscheinend der Bibeltext heute denn doch nicht bekannt. Als Klaus Uppendahl vom “biblischen Kannibalismus” als grausamer Strafe Gottes (immer laut Bibeltext!) berichtete, schien ein Gruseln durch die Publikumsreihen zu gehen. Wären solche Untaten und Unmenschlichkeiten altbekannt, wäre das Publikum für derartige Reaktionen zu abgebrüht. Auch wäre es nicht so begierig nach den doch sichtlich neuen Informationen. Das ist auch ein Beweis mehr für die Erkenntnis “sie wissen nicht, was sie glauben” von Prof. Buggle.

Anlass zum Gruseln gab das Referat auch sonst noch eine ganze Menge. So wenn Klaus Uppendahl folgende 3 Prinzipien biblischer Ethik ausmachte: 1.) Je gottesfürchtiger, desto blutrünstiger, 2.) Irdisches Leid als Garantie für Gotteslohn im Himmel., 3.) Prügel- und Totschlagspädagogik: Wen Gott liebt, den züchtigt er. Gewiss haben auch Kriege mit solch göttlicher Züchtigung zu tun. So, wenn Jahwe Zebaoth als Kriegsgott wirkt und würgen lässt. Ganze Heldengeschichten gebe es aus der Zeit der “Landnahme” Kanaans. Hasserfüllte Vernichtungsfantasien gegenüber den “Falschgläubigen” lassen von solchen patriarchalischen Religionen möglicherweise auch künftig noch Schlimmes erwarten

Bleibt die Frage: Warum distanzieren sich kirchliche Obere nicht von solchen göttlichen Unmenschlichkeiten? Der seinerzeitige Dekan in Nürnberg und jetzige bayeerische Landesbischof Friedrich hat das immerhin gegenüber dem antisemitischen Gründer der evangelischen Religion und Kirche Martin Luther fertiggebracht, indem er sich dem entsprechenden Vorgehen einer evangelischen Kirche in den USA anschloss. Der bfg Erlangen hatte vorher, zum vorigen Luther-Jahr, gemeinsam mit anderen humanistischen Organisationen ein Anti-Luther-Flugblatt verbreitet, das sogar ober- und dann beförderungshalber (!) generalstaatsanwaltliches Interesse fand.

Hermann Kraus

 


Zentralratsdebatte

Bislang hatte sie hauptsächlich im Internet-Forum Freigeisterhaus und in den diversen Medien der säkularen Szene stattgefunden, die Debatte, ob resp. wozu ein Zentralrat nötig sei. Auf Initiative der Mitglieder der Bundes für Geistesfreiheit (bfg) München trafen Anfang Juni mit dem Geschäftsführer der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), Michael Schmidt-Salomon, und dem Vorsitzenden des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.), Rudolf Ladwig, zwei Vertreter konträrer Positionen zum Streitgespräch aufeinander.

Michael Schmidt-Salomon betonte noch einmal das Missverhältnis zwischen der mittlerweile erreichten Größe der Gruppe der Konfessionsfreien und der (faktisch nicht vorhandenen) Vertretung ihrer Interessen in Politik und Medien. Auch die Reaktionen von “außen” auf den Zentralratsvorschlag zeigten, dass dieses Problem gesehen und eine Lösung – je nach Standpunkt –  erwünscht oder befürchtet werde.

In einem zentralen Punkt hatte der MIZ-Chefredakteur seine Position weiter- entwickelt: Ein Staat könne aus prinzipiellen Erwägungen heraus niemals “weltanschaulich neutral” sein. Bestimmte Grundlagen seien stets mit einer Weltanschauung verbunden und aus der Sicht der Konfessionsfreien gehe es um eine “gesamtgesellschaftliche Stärkung der Leitkultur von Humanismus und Aufklärung”. Insofern sei es auch kein Widerspruch, die Abschaffung von Kirchenprivilegien zu fordern und sich zugleich für die staatliche Förderung von Humanismus und Aufklärung auszusprechen.

Rudolf Ladwig konzentrierte sich in seiner Entgegnung auf Fragen, die mit der praktischen Umsetzung einer gemeinschaftlichen Vertretung der Konfessionslosen einhergehen. Wer soll zu einem solchen Zentralrat gehören? Hier sah er Definitions- und Abgrenzungsprobleme, die daraus resultierten, dass die Konfessionslosen in ihren Positionen und Interessen keineswegs homogen seien. Ähnliche Schwierigkeiten gebe es bei der Bestimmung der politischen Zielsetzung. Hier bestünden teilweise gravierende Differenzen zwischen den Verbänden, für die keine Lösung in Sicht sei – zu denen ein Zentralrat aber auch nicht einfach schweigen könne.

Sogar die zentrale Zielsetzung einer Trennug von Staat und Kirche sah der IBKA-Vorsitzende gefährdet. Denn wenn im Zuge einer Gleichbehandlung mit den Kirchen staatliche Zuwendungen eine Rolle bei der Verbandsfinanzierung spielen, könnte der Elan, solche Privilegien abzuschaffen, spürbar nachlassen: “Sobald von einer Struktur Existenzen ökonomisch abhängen, hat dieselbe ein veritables Überlebensinteresse.”

 


Caritas & Diakonie

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat Carsten Frerk sein neues Buch vorgestellt. Es befasst sich mit den Wohlfahrtsverbänden in Deutschland, insbesondere mit Caritas und Diakonie, und bietet vor allem umfangreiches Zahlenmaterial. Die Studie geht auf eine Initiative von Günter Busch, seinerzeit noch beim ver.di-Hauptvorstand zuständig für die beiden kirchlichen Wohlfahrtskonzerne, zurück, der Carsten Frerk vor drei Jahren ansprach, ob er nicht Lust hätte, eine Untersuchung, wie er sie über die kirchlichen Finanzen vorgelegt hatte, auch über den Sozialbereich durchzuführen (ver.di stellte auch die Anschubfinanzierung zur Verfügung).

Die Ergebnisse erregten großes Interesse und – natürlich – teilweise heftigen Widerspruch bei den anwesenden Vertretern der kirchlichen Wohlfahrt. Nach Frerks Recherchen beträgt die Kirchenquote bei Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft durchschnittlich gerade einmal 1,8% – d.h. 98% der dort anfallenden Kosten werden durch Versicherungsträger, Staat und Spenden gedeckt. “Bei Diakonie und Caritas steht nicht drauf, was drin ist”, brachte Günter Busch die Sache auf den Punkt.

In seinem einführenden Statement hatte Busch darauf hingewiesen, dass sich im Bereich der Wohlfahrtsverbände mehr als 70% des Wohlfahrtsmarktes in konfessioneller Trägerschaft befinden. Dabei seien die Einrichtungen an sich – gemessen an ihrer Stellung am Markt oder dem Bewusstsein ihrer Mitarbeiter – von den säkularen Anbietern nicht zu unterscheiden. Insofern sei es an der Zeit, das Verhältnis von Gesellschaft und Religion zu hinterfragen, meinte der Gewerkschaftssekretär: “Es kann nicht sein, dass mit öffentlichen Mitteln öffentliches Eigentum in Sondereigentum der Kirchen überführt wird, z.B. durch die gesellschaftliche Finanzierung von Investitionen, aber Bildung von kirchlichem Vermögen. Das ist eine Form von gesellschaftlicher Enteignung.”

Die anschließende Fragerunde geriet zu einer lebhaften Diskussion, da sich vor allem der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), Werner Ballhausen, immer wieder zu Wort meldete. Bemerkenswert war, wie leidenschaftlich sich der vormalige SPD-Politiker auf die Seite von Caritas und Diakonie schlug und andere Mitgliedsverbände dagegen ausspielte. So legte er Wert auf die Feststellung aus gewerkschaftlichem Munde, dass auch bei der Arbeiterwohlfahrt und im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband nicht überall nach Tarif entlohnt wird (allerdings ohne zu erläutern, dass z.B. im DPWV teilweise kleinste Träger organisiert sind).

Frerks Daten, das zeigte bereits die überblickhafte Darstellung auf der Pressekonferenz, bergen jedenfalls genügen Ansatzpunkte für die säkularen Verbände, die kirchliche Präsenz im Sozialbereich zu thematisieren. Bei der Gewerkschaft scheint jedenfalls bereits in Bewusstsein gedrungen zu sein, dass dieser Sektor mehr Aufmerksamkeit verdient.

 


Artikel aus MIZ 2/05

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