von Martin Mahner
Wer heute noch die Auffassung vertritt, Religion und Wissenschaft seien unvereinbare Weltzugänge, wird in aller Regel milde belächelt. Die Rede von einem Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft sei doch schließlich ein längst überwundenes Thema. In der Tat geht die öffentliche Mehrheitsmeinung dahin, Religion und Wissenschaft hätten es mit zwei ganz unterschiedlichen Bereichen zu tun: die Wissenschaft befasse sich mit den (niederen) Dingen der materiellen Welt, während sich die Religion um so hehre Dinge wie Sinn und Werte und, vielleicht noch ganz schüchtern hinzugefügt, das Transzendente kümmere. Was erstere also aufgrund ihrer Selbstbeschränkung nicht leisten könne, ergänze letztere auf geradezu notwendige und komplementäre Weise. Beste Voraussetzungen also für ein friedliches Miteinander der beiden.
Freilich hängt die in der Überschrift gestellte Frage von mindestens drei verschiedenen Faktoren ab: davon, was man einerseits unter Religion und andererseits unter Wissenschaft versteht, und davon, in welcher Hinsicht ein Konflikt bzw. eine Vereinbarkeit zwischen beiden bestehen kann. Gehen wir daher zunächst ganz kurz auf diese Faktoren ein.
Religion
Religionsdefinitionen gibt es viele; ja so viele, dass einige meinen, man könne Religion gar nicht definieren. Vor solchen Behauptungen sollte man sich jedoch hüten, denn wer über Religion redet und zugleich behauptet, er könne Religion nicht charakterisieren, der weiß offenbar nicht, worüber er redet. (Wer eine Arbeit über das Bäckerhandwerk schreibt, sollte es wenigstens grob vom Metzgerhandwerk unterscheiden können, auch wenn der Bäcker ein paar Wurstsemmeln im Programm haben mag.) Zwei Hauptansätze könnte man hier wohl unterscheiden. Der eine nimmt den Anspruch der herkömmlichen Religionen ernst und betrachtet sie als ein Unternehmen, das neben vielen anderen Funktionen auch einen Erkenntnisanspruch erhebt. D.h., eine Religion in diesem Sinne macht Tatsachenaussagen über die Welt, vor allem über Ursprung und Stellung des Menschen im Kosmos und über sein Verhältnis zu den verschiedensten religiösen Wesenheiten, die das jeweilige Gedankengebäude voraussetzt, seien diese personaler oder impersonaler Natur.
Diesem Ansatz stehen die nichtkognitiven Charakterisierungen gegenüber, die der Religion also ihren Erkenntnisanspruch absprechen. Religion wird dann etwa soziologisch definiert als Gemeinschaft mit einer bestimmten psychischen wie sozialen Funktion für die beteiligten Individuen. Von einigen Naturwissenschaftlern wird nach dem Vorbild Einsteins Religion gern rein emotiv betrachtet, d.h. als Religiosität im Sinne einer überwältigenden Gefühlsregung, die einem beim Studium der Natur immer wieder überkommen mag. Und beliebt ist schließlich auch die Gleichsetzung von Religion mit Ethik. In diesem Falle macht Religion zwar normative Aussagen bzw. Vorschriften, aber angeblich keine Tatsachenaussagen über die Welt.
Diese verschiedenen Ansätze mögen zwar bestimmte Aspekte von Religion bzw. Religiosität durchaus richtig beschreiben, sie übersehen aber, dass sie dem Selbstanspruch der Religionen nicht gerecht werden – der vor allem ihren gesellschaftlichen und politischen Zielen zugrunde liegt. Weder beschränken sich die real existierenden Religionen auf individuelle Religiosität noch zaubern sie ihre normativen Behauptungen aus dem Hut. Vor allem letztere sind schließlich von ganz bestimmten Auffassungen über die Natur des Menschen und der Welt abhängig.1 Ohne die als faktisch wahr angenommene Vorstellung etwa, dass es da einen lieben Gott und seinen Sohn gibt, die beide bestimmte Eigenschaften haben und bestimmte Normen vorgeben bzw. einfordern, lassen sich die Grundlagen der christlichen Ethik gar nicht verstehen und begründen. Kurzum: Wie man es auch dreht und wendet, Religionen kommen nicht ohne Tatsachenaussagen aus. Damit aber können sie sehr wohl in Konflikt geraten mit den Tatsachenaussagen der Wissenschaften.
Wir können für unsere Zwecke also getrost Hans Alberts Religionsdefinition folgen,2 der sagt, Religion sei „der Glaube an numinose Wesenheiten personalen oder impersonalen Charakters – Götter, Geister, Dämonen, Engel oder göttliche Mächte –, die bestimmte Eigenschaften und Wirkungsmöglichkeiten haben und daher für das Schicksal der Menschen und damit auch für ihr Heil von Bedeutung sind, und [...] eine damit verbundene Praxis der Mitglieder der betreffenden Gruppen, die geeignet ist, der Macht dieser Wesenheiten Rechnung zu tragen und sie im Sinne des eigenen Heils zu beeinflussen, also eines Kultus, der durch eine Heilstechnologie geprägt ist.“
Wissenschaft
Die Frage nach dem, was hier unter Wissenschaft verstanden werden soll, können wir kürzer abhandeln. Ich fasse Wissenschaft hier in einem engen Sinne von Wirklichkeitswissenschaft. Dies entspricht dem englischen Begriff science. Dazu gehören alle Bereiche, die sich mit der realen Welt beschäftigen, und zwar nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch die Psychologie und die Sozialwissenschaften. Schließlich sind auch der Mensch und die sozialen Systeme, die er bildet, Teile der realen Welt. Ausdrücklich nicht dazu gehört das, was im Englischen „arts and humanities“ heißt, also die Künste und Geisteswissenschaften, die sich mit den Produkten menschlicher Geistestätigkeit beschäftigen. Auch die Formalwissenschaften wie die Mathematik bleibt außen vor. Man beachte, dass dies keine Abwertung der Formal- und Geisteswissenschaften darstellt, sondern lediglich eine Abgrenzung.
Konflikte auf der Tatsachenebene
Wie wir gesehen haben, kommen die Religionen nicht ohne Tatsachenaussagen aus. Freilich sind die Tatsachenaussagen über die Welt in den heutigen liberalisierten Religionen wie dem mitteleuropäischen Christentum stark zurückgedrängt worden. Das geht so weit, dass man oft den Eindruck hat, viele heutige Protestanten und selbst Katholiken wissen gar nicht mehr so recht, in welcher Organisation sie eigentlich Mitglied sind. Auf der anderen Seite stehen natürlich die Fundamentalisten, wie etwa die Kreationisten,3 die so viele Tatsachenaussagen über die Welt machen, dass der Konflikt mit den Wissenschaften deutlich ins Auge sticht. Wo bestehen aber im zeitgenössischen Wischiwaschi-Christentum noch Konflikte hinsichtlich von Tatsachenaussagen über die Welt? Selbst die katholische Kirche scheint seit spätestens 1996 ihren Frieden mit der Evolutionstheorie gemacht zu haben. Dieser Friede erweist sich jedoch als brüchig, denn es ist so eine Sache mit der Evolution. Da wohl kein Christ wirklich glauben kann, der ganze Aufwand von vier Milliarden Jahren Evolution hätte allein bei Würmern, Insekten und vielleicht noch Dinosauriern enden können, ohne dass je ein Primat geschweige denn ein Vertreter von Homo sapiens aufgetreten wäre, kommt er, wenn er ehrlich ist, nicht ohne die Annahme aus, dass doch eine winzige Kleinigkeit mehr hinter der Evolution steckt als ein rein natürlicher Prozess. Ohne ein kleines bisschen göttliche Absicht macht das alles doch wenig Sinn. Kann man als Christ denn wirklich glauben, ein allmächtiger und allgütiger Schöpfer lässt einen grausamen und blinden Evolutionsprozess ablaufen, um einmal zu schauen, ob dabei etwas herauskommt, das er dann endlich durch Entsendung seines Sohnes erlösen kann? Und vor allem erlösen wovon, wenn es in einer natürlichen Welt keine Erbsünde gibt?
In erfrischender dogmatischer Deutlichkeit klargestellt hat dies unlängst der Wiener Kardinal Schönborn.4 In einem Kommentar in der New York Times vom 7. Juli 2005 schrieb er, „ein ungerichteter Evolutionsprozess – einer der außerhalb der göttlichen Vorsehung steht – kann schlichtweg nicht existieren“. Offenbar wurde die Erklärung zur Evolution von Papst Woityla von 1996 allenthalben dahingehend missverstanden, dass man mit „Anerkennung der Evolution“ zugleich „Anerkennung des Evolutionsmechanismus“ meinte, während es ihm wohl hauptsächlich um die historische Faktizität der Evolution ging. Ein Evolutionsgeschehen als historischer Prozess scheint also zugestanden zu werden, aber der Mechanismus dieses Geschehens kann für christliche Zwecke nicht allein über Mutation und Selektion laufen, sondern bedarf eines göttlichen Lenkers oder zumindest Planers.
Ein letztes Problem auch für den modernen Gläubigen dürfte sich bei der Erklärung des Phänomens Religion ergeben. Während Natur- wie Sozialwissenschaften Entstehung und Entwicklung der Religionen auf diesem Planeten rein naturalistisch erklären, d.h. unter Zuhilfenahme neurobiologischer, psychologischer und soziologischer Faktoren, kann eine solche Erklärung für den Gläubigen eigentlich nicht hinreichend sein. Denn so ganz ohne jeden Kontakt mit den göttlichen oder anderen übernatürlichen Wesenheiten seines Glaubenssystems kann zumindest die eigene Religion nicht entstanden sein: Nur einige wenigstens minimale Eingriffe höheren Ortes garantieren schließlich, dass das eigene Glaubenssystem tatsächlich wahr ist, d.h., dass es sich nicht um ein bloßes Hirngespinst handelt, welches sich die Menschen seit der Steinzeit aus den Fingern gesogen haben, um ihr natürliches Fragen nach Ursache, Sinn und Zweck zu befriedigen.
Philosophische Konflikte
Entgegen der populären Meinung bestehen also selbst im Falle liberalisierter Religion Konflikte hinsichtlich der Welterklärung. Selbst wenn sich diese Konflikte auf der Ebene der Tatsachen noch ausräumen ließen, gäbe es weitaus schwerwiegendere Konflikte auf einer tieferen Ebene, nämlich im Hinblick auf die philosophischen Voraussetzungen von Religion und Wissenschaft. Naive Empiristen meinen zwar bis heute, die Realwissenschaften hätten die Philosophie überwunden, so dass letztere nur noch etwas für weltfremde Schwätzer sei. Sie übersehen dabei, dass sich weder unser Alltagshandeln noch die Wissenschaft philosophisch voraussetzungsfrei betreiben lassen. Wir müssen alle bestimmte Grundannahmen machen, die insofern philosophischer Natur sind, als sie nicht Gegenstand der Alltagserfahrung bzw. der Einzelwissenschaften selbst sind. So befassen sich die Einzelwissenschaften zwar mir realen Dingen, sie sagen uns aber weder, was ein realer Gegenstand ist, noch, was unter Realität allgemein zu verstehen ist.
Die philosophische Disziplin, die sich mit solchen allgemeinen Fragen beschäftigt, ist die Ontologie, die Lehre vom Seienden. Traditionellerweise heißt diese Metaphysik. Da der Name „Metaphysik“ jedoch stark belastet ist – er wird im Alltagssverständnis in der Regel mit Religion gleichgesetzt oder mit allerlei spekulativem Geschwätz von Leuten, denen die Bodenhaftung abhanden gekommen ist –, muss man darauf hinweisen, dass auch eine moderne naturalistische und damit gottlose und durch und durch weltliche Ontologie immer noch eine Form der Metaphysik ist. Als moderne philosophische Disziplin beschäftigt sich diese mit allgemeinen Begriffen, die in den Einzelwissenschaften vorausgesetzt werden, wie Gegenstand, Eigenschaft, Existenz, Identität und Kausalität.5
Die wichtigste ontologische Voraussetzung der Realwissenschaften ist dabei der Naturalismus: die These, dass es auf dieser Welt ausschließlich mit „rechten Dingen“ zugeht. Die „nicht rechten“ Dinge, gegen die sich der ontologische Naturalismus dabei angrenzt, sind selbstredend die übernatürlichen Dinge, wie Götter, Engel oder Dämonen – Wesenheiten also, die beliebig in den naturgesetzlichen Lauf der (natürlichen) Dinge eingreifen können und nicht an diesen gebunden sind.6
Warum müssen die Realwissenschaften den ontologischen Naturalismus in ihrer theoretischen wie praktischen Arbeit voraussetzen? Zunächst sollen wissenschaftliche Hypothesen und Theorien überprüfbar sein. Überprüfbar ist aber nur etwas, mit dem wir wenigstens indirekt interagieren können und das sich gesetzmäßig verhält. Übernatürliches erfüllt genau diese Bedingungen nicht. Zweitens müssen wissenschaftliche Theorien Erklärungskraft besitzen, d.h., sie dürfen nicht alles erklären können, sondern nur genau das, was erklärt werden soll: Sie sollen differenziert erklären. Übernatürliche Wesenheiten wie Götter, Engel oder Dämonen und deren Aktivitäten kann man jedoch im Prinzip zur Erklärung von allem und jedem heranziehen. In der Tat gab es in der Philosophiegeschichte eine Auffassung, den Okkasionalismus, wonach die Materie völlig passiv sei und daher jedes Ereignis von Gott höchstpersönlich verursacht werden muss.7 Diese Position ist selbst für die meisten Supranaturalisten zu extrem, aber wer gern ein bisschen Übernatur übrig behalten möchte, muss begründen, welche Ereignisse wie und warum von übernatürlichen Wesenheiten verursacht sind bzw. sein müssen. Die Wissenschaft kann sich nicht auf solche – wie die Historie zeigt – fruchtlosen Streitereien einlassen, sondern muss versuchen, den ontologischen Naturalismus so lange durchzuhalten, wie es geht. In der Tat zeigt auch die Wissenschaftsgeschichte, dass die Wissenschaften immer erfolgreicher wurden, je konsequenter sie die geistesgeschichtlich bedingten supranaturalistischen Überreste aus ihrem Weltbild entfernt haben.
Drittens setzen die empirischen Methoden der Realwissenschaften – Beobachtung, Messung und Experiment – den Naturalismus voraus, weil empirische Daten, bei deren Gewinnung es nicht mit rechten Dingen zugeht, keine Belegkraft haben können. Mit anderen Worten: Weder das Gehirn des Wissenschaftlers noch dessen Methoden und Instrumente dürfen beliebiger supranaturalistischer Manipulation unterliegen. Sonst wären alle unsere Daten und Erkenntnisse wertlos. Ein Wissenschaftler, der meint, es tummelten sich übernatürliche Wesenheiten in unserem Universum, hat keinen Grund anzunehmen, dass diese immer genau dann darauf verzichten, in den natürlichen Weltengang einzugreifen, wenn er eine Messung durchführt oder ein Experiment macht. Nur Naturalismus oder Okkasionalismus sind konsequente Positionen: Alle denkbaren Kompromisslösungen leiden darunter, dass sie ad hoc sind, d.h., gerade immer dann einen übernatürlichen Eingriff zulassen, wenn es einem in den Kram passt, wie etwa Schöpfungsakte oder Beseelungen, oder einen solchen ausschließen, wie etwa bei den diversen Übeln auf der Welt, für die ja nur selten der liebe Gott verantwortlich gemacht wird.
Neben diesem ontologischen Konfliktfeld besteht noch ein methodologisches, d.h. eines der normativen Erkenntnistheorie. Wie bereits erwähnt, ist eine zentrale methodologische Forderung der Wissenschaft die nach der Überprüfbarkeit aller Aussagen und Methoden. Religiöse Aussagen und Erkenntnismethoden, wie etwa Intuition, Offenbarung, mystische Schau oder religiöse Erfahrung entziehen sich jedoch jedweder Überprüfung, ja selbst der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit. Während subjektive Validierung in den Realwissenschaften grundsätzlich unakzeptabel ist, ist sie im Bereich des Religiösen gang und gäbe: der subjektive Glaube – trotz aussichtsloser Beleglage, innerer Widersprüche oder erdrückender Widerlegungsinstanzen wie etwa im Bereich des Übels – stellt einen hoch geschätzten Wert dar. Ein religiös gläubiger Wissenschaftler muss uns also erläutern, wie man es fertigbringt, zwei derart gegenläufige methodologische Wertesysteme widerspruchsfrei zu vertreten. Offenbar wird im Bereich der Religion, wie Hans Albert schon vor langem beobachtete, das kritische Denken immer genau dann abgestellt, wenn man es nicht mehr brauchen kann. Ob fundamentalistisch oder modernistisch-liberal, früher oder später müssen religiös Gläubige das kritische Hinterfragen abstellen. Eine solche Einstellung lässt sich aber mit dem methodologischen Wertesystem der Realwissenschaften nicht vereinbaren. Man kann eine wissenschaftliche Methodologie (und auch Geisteshaltung allgemein) nur entweder konsequent anwenden oder gar nicht. Sie irgendwann abzuschalten, um religiöse Aussagen zu machen, ist ein subjektiver Akt der Beliebigkeit.
Fazit
Obwohl diese Ausführungen sehr verkürzt sind,8 deuten sie an, dass die Konflikte zwischen den Realwissenschaften und der „modernistisch-liberalen“ Religion heute weniger im Bereich der Tatsachenaussagen über die Welt zu finden sind als auf der Ebene der philosophischen Voraussetzungen der beiden Erkenntnisunternehmen: die Ontologie und Methodologie von Wissenschaft und Religion sind und bleiben unvereinbar.
Anmerkungen
1 Birnbacher, Dieter: Das Dilemma der christlichen Ethik. In: E. Dahl (Hg.) Die Lehre des Unheils. Hamburg: Carlsen 1993, S. 144-155.
2Albert, Hans: Kritischer Rationalismus. Vier Kapitel zur Kritik illusionären Denkens. Tübingen: Mohr-Siebeck 2000, S. 142.
3 Mahner, Martin: „Wissenschaftlicher Kreationismus“ – Eine Pseudowissenschaft mit religiösem Hintergrund, in: Skeptiker 3/1990, S. 15-20; Waschke, Thomas: Die Kreationisten: pseudo-wissenschaftliche Evolutionsgegner mit biblischem Hintergrund, in: MIZ 3/2002, S. 39-48.
4 Siehe www.gwup.org/aktuell/news.php?aktion= detail&id=282.
5 Siehe dazu Bunge, Mario & Mahner, Martin.: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. Stuttgart: Hirzel 2004.
6 Den philosphischen Haupteinwand gegen den ontologischen Naturalismus, nämlich dass die Abgrenzung zwischen natürlichen und übernatürlichen Objekten unklar sei, kann man letztlich nur durch eine systematische Metaphysik begegnen, d.h. eine ontologische Theorie, in der alle wichtigen Charakteristika natürlicher Dinge konsistent expliziert sind (für einen Versuch dazu s. Bunge / Mahner, Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft).
7 In dieser Form wurde der Okkasionalismus von dem französischen Philosophen und Theologen Nicolas Malebranche (1638-1715) vertreten. Großer Anhängerschaft erfreute sich diese Lehre freilich nicht, denn ihr Hauptproblem war zu evident: Wenn Gott wirklich alles verursacht, was passiert dann mit moralischen Kategorien wie Sünde oder Tugend?
8 vgl. dazu Bunge / Mahner, Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft, Kap. 6.
Artikel aus MIZ 3/05
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