Vortragsreise
Anfang November führte Gerd Lüdemann, Professor für Geschichte und Literatur des frühen Christentums, eine Vortragsreise nach Bayern; eingeladen hatte der Bund für Geistesfreiheit (bfg). Anlass war die Veröffentlichung des Buches Altes Testament und christliche Kirche. Versuch der Aufklärung (zu Klampen Verlag). Die Vorträge in München, Augsburg, Regensburg und Bayreuth fanden auch dank der effektiven Vorbereitungsarbeit der örtlichen Veranstalter Beachtung; zahlreiche Besucher freuten sich über die Möglichkeit zu Aussprachen über die Bibel bzw. das Alte Testament aus historisch-kritischer Perspektive.
Tatsächlich hat die neueste Erforschung des Alten Testaments in den letzten 30 Jahren staunenswerte Erfolge vorzuweisen. Negativ: Abraham hat nicht gelebt, einen Auszug aus Ägypten gab es nicht, Mose ist ein bloßer Name. Positiv: Die Israeliten sind von Haus aus Kanaanäer und erst seit dem fünften Jahrhundert Monotheisten. Die erzählerische Kombination vom alleinigen Gott Jahwe mit Mose ist eine Rückprojektion des Glaubens des Judentums nach 539 v.u.Z. in die Anfänge Israels über einen Abstand von mehr als 700 Jahren hinweg. Die im Alten Testament erzählte Geschichte entpuppt sich als Erfindung allergrößten Ausmaßes. Aus wissenschaftlichen Gründen kann man sie – ebenso wie die Auferstehung Jesu – nur einen großen Betrug nennen.
Die Konsequenzen hat Prof. Gerd Lüdemann für sich schon lange gezogen. Beruflich hat er als ungläubiger Hochschullehrer aktuell nicht mehr als ein “Bleiberecht” in Hochschuldiensten; um so wichtiger ist es, dass er den Mut und die Energie behält, seinen Platz in der Welt der Wissenschaft zu behaupten.
Assunta Tammelleo
Horizonte
In einem Beitrag des Magazins “Horizonte – Gesellschaft und Religion” (HR) über ältere Ehepaare und ihr Verhältnis zum Glauben kam es zu einem bezeichnenden virtuellen Wortwechsel zwischen Erich Remane und dem ehemaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf. Die Redaktion stellte zwei Paare vor: eines verstand sich als gläubig, besuchte aber selten den Gottesdienst, weil beide mit Auffassungen der Kirche oft nicht übereinstimmten; das andere ließe sich vielleicht als “gemischt-weltanschaulich” bezeichnen. Denn Erich Remane ist seit langem Mitglied im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.), seine Frau ist gläubig und in der katholischen Kirchengemeinde aktiv.
In seinen Statements wurde Remane deutlich: die Bibel sieht er als “verkommenstes Buch der Menschheit”, dass die Welt ohne Religionen schlechter dastünde, kann er sich nicht vorstellen. Vor allem aber sein Urteil, Gläubige hätten ihr Denken aufgegeben, brachte Henning Scherf auf, der die beiden vorgestellten Fälle von oben herab kommentieren durfte. “Dieser alte Herr ist wirklich dämlich, wenn er sagt, die haben das Denken aufgegeben. Der hat sich überhaupt noch nie richtig ausgesetzt, diesem Dialog”, meint Scherf – obwohl allein schon die immense atheistische Bibliothek in Remanes Arbeitszimmer für jeden Fernsehzuschauer unübersehbar signalisierte, dass “dieser alte Herr” ganz offenbar einige Zeit in die Auseinandersetzung mit den Religionen investiert hat. Herablassend wirkte auch Scherfs Gesamteinschätzung des Ehepaars Remane: “ein trostloser Fall”. Da würden sich zwei Menschen “anknurren” und nicht mehr miteinander reden. Wie anders seien da seine Erfahrungen mit Priestern und Theologen: “die haben hochintelligente Fragen!”
Scherfs Horizont ist offenbar klar abgesteckt: wer Religion grundsätzlich ablehnt, muss nicht nur doof sein, sondern auch sozial inkompetent. Doch bereits die wenige Bilder des Beitrag ließen erkennbar werden, dass das Ehepaar Remane trotz aller weltanschaulichen Differenzen, die auch ausgesprochen werden (“manchmal ist es nicht einfach mit einer gläubigen Frau...”), ein inniges Verhältnis hat. Henning Scherf hat dies offenbar nicht registriert, und die Redaktion muss sich fragen lassen, wodurch er sich für die Rolle als “Supervisor” denn überhaupt qualifiziert hat (durch seine Auftritte als jovialer “Oma-Knutscher” vielleicht?). Oder rührt der verstellte Blick von einer seiner Kichennähe geschuldeten Voreingenommenheit her? Immerhin hat Scherf in seiner Zeit als Bürgermeister dafür gesorgt, dass die hochverschuldete Hansestadt Bremen den Evangelischen Kirchentag 2009 mit 7,5 Millionen Euro subventionieren wird.
“Ohren auf!”, empfiehlt Scherf am Ende “dem alten Verknatschten”. Dann könne er vielleicht etwas lernen. Vergelt’s Gott, Herr Scherf, vergelt’s Gott.
Flechtheim-Preisverleihung
Am 22. Oktober wurde in Berlin der vom Berliner Landesverband des Humanistischen Verbands Deutschland (HVD) ausgelobte Ossip-K.-Flechtheim-Preis verliehen. In diesem Jahr teilen ihn sich die Frauenrechtlerin Seyran Ates und vier Schülerinnen und Schüler aus Berlin. Letztere hatten sich für eine von Abschiebung bedrohte Mitschülerin eingesetzt, die, obgleich sie seit ihrem dritten Lebensjahr in Deutschland lebte, nach Bosnien “zurückgeführt” werden sollte. Mit Demonstrationen, Pressearbeit und Anschreiben an die politisch Verantwortlichen schafften sie es, eine öffentliche Debatte über die Abschiebung von Flüchtlingskindern in Gang zu setzen. Letztlich führte ihr Engagement dazu, daß die Schülerin und ihre Eltern in Deutschland bleiben konnten.
Als die Jury im Mai Seyran Ates auswählte, konnte noch niemand wissen, welche Aktualität die Auszeichnung für die Rechtsanwältin erreichen sollte. Denn nachdem sie nach einem Gerichtstermin tätlich angegriffen worden war und zunächst nur wenig Solidarität erfuhr, hatte Ates Ende August verkündet, ihren Anwaltsberuf an den Nagel zu hängen. Der “Gegenwind” sei einfach zu stark gewesen: “Ich glaubte plötzlich selbst, für diese Gesellschaft zu weit gegangen zu sein. Ich hatte nicht mehr die Kraft, mich dem entgegenzusetzen, auch weil ich das Gefühl hatte, nicht mehr soviel Rückhalt zu haben”, erklärte sie auf der Preisverleihung. Erst als sie öffentlich erklärt habe, dass sie vor der Allianz von Gewalt und Gleichgültigkeit kapituliere, habe sie Unterstützung von vielen Seiten bekommen und gemerkt, wie viele Menschen ihre Arbeit als wichtig ansehen.
Wie wichtig Ates’ Einsatz für muslimische Migrantinnen tatsächlich ist, darauf verwies Christina Thürmer-Rohr in ihrer Laudatio. Aufgrund der Ergebnisse einer Befragung sei davon auszugehen, dass etwa ein Viertel der Frauen türkischer Herkunft gegen ihren Willen verheiratet worden sind. Seyran Ates konfrontiere die Mehrheitsgesellschaft damit, dass sie dieser permanenten Verletzung eines Grundrechtes achselzuckend gegenüber steht; der türkischen Community hingegen halte sie vor, dass sie eine umfassende soziale Kontrolle über die Frauen und Mädchen ausübe, wie sie in Istanbul längst nicht existiere. Indem sie auf Wahrheiten bestehe, “die weder den türkischen noch den deutschen Berlinern passen”, ecke sie bei beiden Seiten an. Dass sie bei ihren Bemühungen, die Einsicht durchzusetzen, dass alle Bürgerinnen und Bürger mit den gleichen Maßstäben der Menschenrechte zu messen seien, nicht allein stehen möge, sah Christina Thürmer-Rohr als “Aufforderung an uns alle” an.
Muslime in die Rundfunkräte?
Die Giordano Bruno Stiftung hat in einem Offenen Brief die Vorschläge der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, und des Intendanten des Südwestrundfunks, Peter Voß, kritisiert, Muslime in die Aufsichtsgremien von ARD und ZDF aufzunehmen und islamisch geprägte Sendungen in den öffentlich-rechtlichen Programmen auszustrahlen. Der Vorstandssprecher der Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, wies gegenüber dem Humanistischen Pressedienst (hpd) darauf hin, dass es bemerkenswert sei, dass die größte weltanschauliche Gruppierung in Deutschland, nämlich die Konfessionsfreien, bei solchen Vorstößen chronisch übersehen würde. Obwohl es in Deutschland mittlerweile mehr Konfessionsfreie als Katholiken und zehnmal mehr Konfessionsfreie als Muslime gäbe, wollten die Verantwortlichen offensichtlich nur Vertreter religiöser Glaubenssysteme an politischen Entscheidungsprozesses beteiligen .
3,9 Prozent der Bevölkerung werden gemeinhin “den Muslimen” zugerechnet, obgleich, wie Schmidt-Salomon erklärte, sich hierunter viele Menschen befinden, die zwar einem muslimisch geprägten Land entstammten, aber dem muslimischen Glauben nie angehörten oder diesen längst aufgegeben haben. So sei ein Großteil der in Deutschland lebenden Iraner dezidiert islamkritisch, was einer der Gründe dafür sei, warum diese Menschen vor dem Mullahregime geflohen sind. Solche Menschen durch gläubige Muslime in öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien vertreten lassen zu wollen, sei eine Ungeheuerlichkeit.
In dem Offenen Brief forderte der Vorstand der Giordano Bruno Stiftung, dass in den Aufsichtgremien von ARD und ZDF alle weltanschaulichen Gruppierungen entsprechend ihrer sozialen Verankerung in der Bevölkerung repräsentiert sein sollten. Das würde bedeuten, dass bereits heute auf jeden katholischen Vertreter ein konfessionsfreier kommen müsste und wiederum auf zehn Konfessionsfreie ein muslimischer Vertreter. Am liebsten würde der Stiftungsvorstand islamisch oder christlich geprägte Sendungen überhaupt nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehen oder hören. Öffentlich-rechtliche Sender hätten den Auftrag, zu informieren, nicht zu missionieren. Sollten solche Sendungen dennoch ausgestrahlt werden, argumentierte die Stiftung, sei es im Sinne des Konsumentenschutzes geboten, wenn diese mit dem deutlichen Hinweis ‘Werbesendung’ versehen würden. Auf Basis des Gleichbehandlungsgrundsatzes müsse außerdem gelten: Humanistisch-aufklärerische, auch dezidiert religionskritische Sendungen sollten mindestens im gleichen Umfang das Programm bestimmen wie katholisch geprägte Sendungen. Die bisherige Praxis, konfessionsfreie Standpunkte aus der medialen Berichterstattung auszublenden, dürfe nicht länger fortgeführt werden.
SWR-Intendant Peter Voß reagierte auf den Offenen Brief mit einem dreiseitigen Schreiben. Er führte aus, dass das Merkmal der Konfessionslosigkeit allein “noch keine gesellschaftliche und weltanschauliche Gruppe” konstituieren würde, denn unter einer Gruppe sei “ein aktiver Zusammenschluss von Bürgern zu verstehen”. Voß räumte ein, dass sich dieses Problem zwar auch bei Muslimen stellen würde, “da der Islam eben nicht in der gleichen Weise wie die christlichen Kirchen verfasst ist”, aber um dem “hohen gesellschaftlichen Ziel der Integration zu dienen”, sei es dennoch sinnvoll, über eine Repräsentanz der Muslime in den Medien nachzudenken.
Voß widersprach auch der Kritik, dass “konfessionsfreie Standpunkte aus der Berichterstattung ausgeblendet würden”. Es sei “keineswegs so, dass die Journalisten des SWR von einem konfessionellen Standpunkt aus berichteten”. Trotz der offensichtlich weit auseinander gehenden Beurteilung der medialen Berichterstattung bedankte sich der SWR-Intendant für die kritischen Anmerkungen, die, wie er schrieb, “für die weitere Diskussion in unserem Haus wichtige Hinweise geben”. Ob es sich hierbei, wie zu vermuten ist, nur um eine formale Höflichkeitsbezeugung handelte, wird die Zukunft zeigen.
Ostseekonferenz
In Stockholm trafen sich Humanistinnen & Humanisten vom 10. bis 12. November zur Ersten Baltischen Humanisten Konferenz. Die Mehrzahl der Teilnehmer kam aus dem Ostseeraum, vor allem aus skandinavischen Ländern, daneben waren Besucher aus Polen und Deutschland anwesend sowie Vertreter der European Humanist Federation (EHF) und der International Humanist and Ethical Union (IHEU), die zu der Konferenz eingeladen hatten.Unter dem Motto “Wie können wir die Welt sicher machen für Demokratie und eine säkulare Gesellschaft?” fanden Vorträge und Podiumsdiskussionen zur Rolle des Säkularismus im modernen Staat, zum sog. Karikaturenstreit oder zur Stellung des Humanismus bzw. der entsprechenden Verbände im Schulsystem statt. Vor allem aber gab es einen regen Austausch über die teilweise recht unterschiedliche Situation in den einzelnen Ländern.
Dabei zeigte sich, dass erfolgreiche Arbeit nicht immer an der Anzahl der organisierten Konfessionslosen hängen muss. So sind beispielsweise in Norwegen beachtliche 4,5% der Bevölkerung Mitglied im Humanisten-Verband, doch die Schule bleibt der Vereinigung – anders als den weit kleineren Partnerorganisationen in Deutschland – verschlossen. In der Diskussionsrunde über die Präsenz in der Öffentlichkeit war der Beitrag aus Polen aufschlussreich: einerseits erlebt Polen einen klerikalen Backlash unvorstellbaren Ausmaßes, andererseits hat die Satire-Zeitschrift Fakty i Mity, die regelmäßig antiklerikale Karikaturen bringt, eine wöchentliche Auflage von bis zu 100.000 Exemplaren und die Webseite der Rationalisten zählt täglich etwa 15.000 Besucher.
Ein klares Profil scheint gerade in Zeiten sich verstärkender weltanschaulicher Konflikte fast schon Voraussetzung für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit. Babu Gogineni (IHEU) verwies auf eine atheistische Gruppe in den USA, die darauf verzichte, Begriffe wie “atheistisch” oder “humanistisch” zu verwenden: “Sie ist die niedlichste und liebste Vereinigung dieser Art, die mir bekannt ist.” Doch seit Jahren konnte sie nicht ein neues Mitglied dazu gewinnen. Von Medien und Politik als “niedlich” wahrgenommen zu werden, führt offenbar nicht dazu, von den Menschen als kompetente Interessenvertretung angesehen zu werden. Dies unterstrich auch ein Einwurf von Christer Sturmark, dem Vorsitzenden der schwedischen Humanisten. Ein Radiobeitrag am Konferenzsonntagmorgen stellte die Konferenz als Ansammlung ewig kritischer Nörgler dar – mit dem Ergebnis, dass beim humanistischen Verband innerhalb weniger Stunden 42 Mitgliedsanträge eintrudelten.
Monismus
Auf einem Tagesseminar befasste sich die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur (die am 11. Januar 1906 als Deutscher Monistenbund gegründet worden war – mit dem Thema “Monismus und Naturwissenschaft”.
Jan Bretschneider, Biologe aus Jena, berichtete über die Zeit aus den Anfängen des Monistenbundes. Dieser war stets mit dem Namen seines Gründers, Ernst Haeckel (1834-1919), verknüpft, dessen Buch Die Welträtsel zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein “Bestseller” gewesen war. Mit seinem Werk reagierte Haeckel auf die sog. Leibniz-Rede, die der Physiologe Emil Heinrich du Bois-Reymond 1880 vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften Berlin gehalten hatte. Dabei kam er auf sieben noch ungelöste allgemeine Probleme zu sprechen, die er als “Welträtsel” bezeichnete. Bretschneider beschrieb die große Wirkung der aufklärerischen Arbeit Haeckels, die in eine Zeit fiel, in der die Naturwissenschaften einen immer größeren Stellenwert in der Gesellschaft einnahmen.
Heiko Weber, Mitarbeiter im Ernst-Haeckel-Haus in Jena, gab den Teilnehmern des Seminars einen guten Eindruck der Epoche, die die Entstehung des Monistenbundes ermöglicht hatte. Eine große Rolle hatten die Arbeiten Charles Darwins gespielt, der wiederum von Haeckel verehrt wurde. Haeckel, von Darwins Forschungsergebnissen überzeugt, sorgte dafür, dass Darwins Entwicklungslehre in Deutschland bekannt wurde. Dafür wiederum wurde Haeckel (als “Gegenpapst” verschrien) hierzulande angegriffen, weil er den “Affenprofessor” unterstützte. Die von Heiko Weber gezeigten zeitgenössischen Karikaturen Haeckels und Darwins demonstrierten auf beeindruckende Weise, mit welchen Anfeindungen und mit welcher Häme sich die fortschrittlichen Denker auseinanderzusetzen hatten. Nichtsdestotrotz waren Haeckels eigene zoologische und philosophische Verdienste zum Zeitpunkt der Gründung des Monistenbundes bereits so groß, dass Straßen nach ihm benannt wurden und er schon zu Lebzeiten eine Legende geworden war.
Der Präsident des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW), Volker Mueller, betonte, dass es ein Grundanliegen des denkenden Menschen sei, alles Geschehen, alle Verhältnisse und alle Zustände in der Welt zu einer Einheit zusammenzufassen. Die Suche nach dem Ursprünglichen, der Ursache, den inneren Gesetzmäßigkeiten, dem Prinzip, dem Einen, durch die unsere Welt als Ganzes und All-Eines erkannt und verstanden werden kann, sei ein bedeutsames Motiv für freies philosophisches Denken. Es sei von grundsätzlicher Bedeutung, ob wir weltanschaulich die Wirklichkeit in zwei voneinander unabhängigen Welten, also dualistisch, oder als Eine Welt, also monistisch auffassen (wollen). Die monistischen Bestrebungen, eine wissenschaftlich begründete Welt- und Lebensanschauung zu entwickeln und zu besitzen, schließen aus, dass man nicht oder noch nicht verstandene Zusammenhänge der Wirklichkeit bzw. die noch nicht erkannten, ihnen innewohnenden Gesetzmäßigkeiten durch Spekulation, Konstruktion oder Eklektizismus ersetzt.
Schließlich gab der Vorsitzende der Freigeistigen Aktion Arnher E. Lenz einen Einblick in die Entwicklung des Monistenbundes in jüngerer Zeit. Nachdem der Deutsche Monistenbund 1933 von den Nationalsozialisten verboten worden war, konnte er erst 1946 nach seiner Neugründung die Arbeit wieder aufnehmen. Im Seminarraum des Schlosses ausgelegte Dokumente aus dem Archiv der Freigeistigen Aktion belegten eindrucksvoll, welchen bürokratischen Schwierigkeiten der Bund nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt war, um unter der damaligen Militärregierung akzeptiert zu werden. Dass dies dennoch ohne inhaltliche Probleme gelang, zeigt, dass die Zeit noch immer bzw. wieder reif für die Ideen und Ziele der Monisten war. Die Aufgabenfelder, die sich der Bund im Laufe der folgenden Jahrzehnte vorgenommen hat, sind u.a. im Bereich der gewünschten Trennung von Staat und Kirche (z.B. Versuch der Einführung eines religionskundlichen Unterrichtes statt konfessionellen Unterrichts in niedersächsischen Schulen), aber auch in Bildungsarbeit für Jugendliche und Erwachsene (zahlreiche Seminare und Veranstaltungen) sowie in publizistischer Tätigkeit in freigeistigen Themenbereichen zu sehen.
Zum 100-jährigen Bestehen der Freigeistigen Aktion ist kürzlich ein Sammelband im Lenz Verlag erschienen: Darwin, Haeckel und die Folgen. Monismus in Vergangenheit und Gegenwart, hrsg. von Arnher E. Lenz und Volker Mueller. Neustadt 2006. 360 Seiten, kartoniert, Euro 24,90, ISBN 3-933037-56-5
Artikel aus MIZ 4/06
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