Zündfunke 1/09

Happy Birthday, Darwin

Der „Urvater“ der Evolutionstheorie Charles Darwin wurde anlässlich seines 200. Geburtstages gleich mit zwei großen Veranstaltungen geehrt. „Pünktlich“ am 12. Februar fand auf Initiative des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) München im Oberangertheater eine Darwin-Feier statt, auf der zunächst der amerikanische Spielfilm Wer den Wind sät gezeigt wurde – zur Erinnerung daran, dass die Evolu- tionstheorie bis heute immer wieder Angriffen ausgesetzt ist. Anschließend unterhielt der Tänzer und Kabarettist Eisi Gulp die Gäste noch zwei Stunden mit Tanz, Witz und spöttischen Kommentaren zu Gott, Religion, Politik und dem anwesenden Publikum. Zur Krönung des Abends  wurde eine riesige Geburtstagstorte angeschnitten, die eine Karikatur von Rolf Heinrich zierte.

Am darauffolgenden Tag veranstalteten die Giordano Bruno Stiftung (gbs) und die AG Evolutionsbiologen in der Nationalbibliothek zu Frankfurt einen Festakt, auf dem Charles Darwin auch selbst anwesend war. Dargestellt vom Schauspieler Walter Gontermann bedankte er sich für die Party und erläuterte, warum die Evolutionstheorie nicht mit „traditionellen Glaubenssystemen“ in Einklang zu bringen ist. Zuvor hatten Ulrich Kutschera sowie Sabine Paul und Thomas Junker in kurzen Vorträgen aktuelle Forschungsansätze aus der Evolutionsbiologie vorgestellt; Franz Wuketits hatte die Laudatio auf den Jubilar gehalten. Dazwischen wurden immer wieder Videosequenzen eingespielt: Die Filmemacherin Ricarda Hinz hatte Charles Darwin-Gontermann bei einem Spaziergang durch Düsseldorf mit der Kamera begleitet (einige der Passanten erkannten sogar, wer ihnen da begegnete) und dieser warb als Gitarrist in einem Clip für seine These, dass wir Menschen Kinder der Evolution seien. Auch Susi Neunmalklug, eine Comic-Figur aus einem soeben erschienenen Buch, in dem die Entstehung des Lebens für Kinder und Jugendliche erklärt wird, betrat die Bühne (verkörpert durch die Nachwuchsschauspielerin Lilias Baumhögger) und überreichte Darwin einen Blumenstrauß. Die Mischung aus Show und Information kam beim Publikum im vollbesetzten Saal gut an, so dass die Stimmung beim anschließenden Umtrunk im Foyer recht ausgelassen war.

Die an diesem Abend gehaltenen Reden sollen im Sommer in der Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung erscheinen. Eine Videoaufzeichung der Rede Charles Darwins kann im Portal des Humanistischen Pressedienstes angesehen werden (http://hpd.de/node/6395).
 


Islam-Unterricht in Hessen

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten(IBKA) hat sich gegen die Einrichtung eines Modellversuchs zum Islamunterricht in Hessen ausgesprochen. Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hatte – unter dem Beifall der Opposition – einen solchen angekündigt. Der IBKA-Regionalbeauftragte für Hessen, René Hartmann, sprach von einem „absurden Gedanken“, dass ein nach Religionen getrennter Unterricht zur besseren Integration beitragen könne. „Ein Religionsunterricht, in dem Schülerinnen und Schüler in ‘ihrer’ Religion (sprich: in der ihrer Eltern) unterrichtet werden, ist ein anti-emanzipatorisches Relikt aus Zeiten, als die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft als Selbstverständlichkeit betrachtet wurde“, so Hartmann weiter. Die Initiative ziele in die völlig falsche Richtung, da die Vermittlung einer bestimmten Glaubensrichtung in einem weltanschaulich neutralen Staat generell nicht an die öffentliche Schule gehöre. Dem Ziel der Integration könne ein für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsamer Unterricht in Ethik, Religions- und Weltanschauungskunde viel eher dienen.
 


Podiumsdiskussion

Es war bezeichnend: weder das Erzbistum Bamberg noch die katholische Hochschulgemeinde  waren bereit, einen Vertreter zu entsenden, und auch der Dekan der katholischen Fakultät hatte es abgelehnt zu kommen – so fand die Podiumsdiskussion „Konkordatslehrstühle und die hinkende Trennung von Staat und Kirche“ ohne die statt, die von der Regelung profitieren, dass 21 Lehrstühle in Bayern nur mit Zustimmung der katholische Kirche besetzt werden können. Auf dem Podium saßen Heinrich Bedford-Strohm (Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Bamberg und Vorsitzender der Gesellschaft für evangelische Theologie), Theodor Ebert (Professor für Philosophie und zweiter Vorsitzender des Bundes für Geistesfreiheit Erlangen) sowie Gerhard Rampp (zweiter Vorsitzender des Bundes für Geistesfreiheit Augsburg). Einigkeit herrschte darüber, dass Konkordatslehrstühle außerhalb der theologischen Fakultäten ungerechtfertigt seien; bei den vielen anderen kirchlichen Privilegien gingen die Meinungen hingegen auseinander. Den Forderungen diese weitestgehend abzuschaffen, wollte Prof. Bedford-Strohm nicht folgen und den politischen Einfluss der Kirchen sah er als durchaus legitim an, da humanistische Werte wie Menschenwürde und Nächstenliebe ihr Fundament im christlichen Glauben hätten. Dies blieb unter Hinweis auf Inquisition, Glaubenskriege und das Verhalten der Kirchen im Nationalsozialismus nicht unwidersprochen.

In der sehr angeregten Diskussion mit dem überwiegend studentischen Publikum wurden viele Detailfragen des Verhältnisses von Staat und Kirche angesprochen wie nichtchristliche Feiertage, das Feierverbot an „Stillen Tagen“ oder konfessionsungebundener Religions- und Weltanschauungsunterricht. Und natürlich kam auch die Frage auf, welche drei Professoren in Bamberg denn einen Konkordatslehrstuhl innehaben und warum die Studenten davon in der Regel nichts mitbekommen.
 


„Goschn halten“

Ende Januar hat die österreichische Aktion kritischer SchülerInnen (AKS) eine Kampagne gegen den Einfluss von Religionen auf das österreichische Bildungswesen gestartet. Unter dem Slogan „Hände falten – Goschn halten“ sollen in den nächsten Wochen verschiedenste Aktionen und Informationsveranstaltungen in ganz Österreich stattfinden. „Im 21. Jahrhundert ist kein Platz mehr in öffentlichen Bildungseinrichtungen für unwissenschaftliche und längst überholte Ansichten“, begründet der Bundesvorsitzende der AKS, Klaus Baumgartner, das Vorhaben. Vor allem der Religionsunterricht soll seinen Charakter als Pflichtfach verlieren und auf freiwillige Teilnahme umgestellt werden. Auch die Wertevermittlung dürfe nicht einseitig konservativ ausgerichtet sein; vielmehr gelte es, „in Schulen ein offenes, kritisches Denken zu fördern“.

Aktuelle Informationen gibt es auf der Webseite der Kampagne: http://goschn-halten.aks.at
 


Evolutionstag

Am Aschermittwoch hat die Giordano Bruno Stiftung (gbs) eine Kampagne gestartet, um den bundesweiten Feiertag Christi Himmelfahrt in einen „Evolutionstag“ umzuwidmen. Für diese Umbenennung spreche, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Christen nicht mehr „an das Glaubensdogma der leiblichen Auffahrt Jesu in den Himmel“ #glaube, erklärte gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon. Außerdem müsse endlich auch das konfessionsfreie Drittel der Gesellschaft bei der staatlichen Feierkultur angemessen berücksichtigt werden. Das Darwin-Jahr 2009 biete einen hervorragenden Anlass, um den enormen Erkenntnisgewinn durch die Evolutionstheorie gesellschaftlich stärker zu verankern, so Michael Schmidt-Salomon weiter: „Am Evolutionstag sollte gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als ‘Krone der Schöpfung’ zu betrachten.“

Am diesjährigen Christi Himmelfahrtstag wird im Planetarium in Nürnberg die Tagung Die Fruchtbarkeit der Evolution: Humanismus zwischen Zufall und Notwendigkeit stattfinden; dabei wird auch auf die Berechtigung des Anliegens hingewiesen werden. Wer die Forderung unterstützen möchte, kann dies auch durch die Unterzeichnung einer Online-Petition tun: http://giordano-bruno-stiftung.org/p_eday /petitionbook.php
 


Buddhistische Ausfälligkeiten

Im Zuge seiner Lesetour Dala Lama – Fall eines Gottkönigs trat Colin Goldner am 13. März im Schwäbisch Haller Club Alpha auf, dem ältesten selbstverwalteten Kulturzentrum der Republik. Schon im Vorfelde der Veranstaltung suchte die örtliche Sektion der Tibet-Initiative Deutschland Stimmung gegen Goldner zu machen, was sich letztlich in einem entsprechend tendenziösen Artikel in der lokalen Tageszeitung niederschlug. Dieser großformatig aufgemachte Artikel, der Goldners Auftritt als „bewusste Provokation“ ankündigte, erwies sich indes als hervorragende Werbung: der Club Alpha war zum Bersten voll. Auch die Tibet-Initiative war mit einer Abordnung vertreten, bis auf ein paar empörte Zwischenrufe während des Vortrages hielt man sich aber zurück. Offenbar befürchtete man, bei konzertierten Störmanövern, wie sie andernorts schon inszeniert worden waren, vom Club Alpha-Publikum – überwiegend Antifa-Leute, junge Gewerkschafter, Studenten der örtlichen Fachhochschule, ein paar Alt-68er sowie jede Menge Punks – einfach an die Luft gesetzt zu werden. Bei der anschließenden Diskussion indes zog man ordentlich vom Leder. Ein gewisser Wilfried Pfeffer vor allem, Begründer und Leiter des Freiburger Tibet-Kailash-House, riss Mikrophon und Rede an sich. Insbesondere erregte er sich über die Goldnersche Bewertung der „Tibetischen Medizin“ als völlig untaugliches Pseudoheilverfahren. Es war dies allerdings nicht verwunderlich: Pfeffer ordiniert in Freiburg als Heilpraktiker mit Schwerpunkt „Traditionelle Tibetische Medizin“. In noch größere Rage brachte ihn Goldners Darstellung tantrischer Sexualpraktiken, die es laut Pfeffer im tibetischen Buddhismus überhaupt nicht gebe.

Pfeffer ist kein Unbekannter: ein halbes Jahr zuvor war er schon einmal zu einer Dalai Lama-Lesung Goldners angereist. Diese Veranstaltung, organisiert von der Volkshochschule Stetten/Stuttgart, suchte er mit lautstarken Mutmaßungen über die „psychischen Defizite“ Goldners zu unterlaufen, die als Triebfeder für dessen „fanatischen Kampf gegen Seine Heiligkeit den Dalai Lama“ gesehen werden müssten. Nur mit Mühe konnte Pfeffer, der sich eigener Aussage zufolge „vom Kommunisten zum Buddhisten“ emporgeläutert habe, von der Veranstaltungsleitung zur Räson gebracht werden.

Auch im Club Alpha stieß Pfeffers penetrante und zunehmend aggressive Art auf wenig Sympathie. Aufgefordert, sich etwas kürzer zu fassen und seine Argumente auf den Punkt zu bringen, plärrte er ins Mikrophon, er komme sich vor „wie auf einer NPD-Veranstaltung mit Holocaustleugnern“. Er entging einem Rausschmiss nur dadurch, dass die Veranstaltung sich ohnehin ihrem Ende zuneigte.

Pfeffer gilt als persönlicher Freund des Dalai Lama, der dessen Kailash-House schon mit seinem höchstpersönlichen Besuch beehrt hat. Unter dem hybrischen Titel „Mittler zwischen den Welten“ drehte der SWR sogar einen Film über den Buddhisten Pfeffer.
 


IBKA-Regionalverband

Im Dezember ist in Freiburg ein Regionalverband des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) ins Leben gerufen worden, der die Arbeit der vorher bereits sehr aktiven Ortsgruppe auf eine breitere Basis stellen soll. In den ersten Monaten konnten bereits zahlreiche Akzente gesetzt werden, die auch in den regionalen Medien Beachtung fanden.

Über 100 Leute fanden sich zum Streitgespräch „Die Bibel – Richtschnur für das 21. Jahrhundert?“ zwischen dem an der Universität Freiburg lehrenden katholischen Religionswissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Uhde und dem emeritierten Psychologen Prof. Dr. Franz Buggle ein. Unter der Moderation von Michael Rux setzten sich die beiden Kontrahenten sehr sachlich und kenntnisreich mit der Frage auseinander, ob die Bibel heute (noch) Maßstab für unsere Gesellschaft sein kann. Buggle wies an zahlreichen Beispielen nach, dass die Bibel in äußerst drastischer Diktion zu Gewaltanwendung aufruft, und äußerte die Befürchtung, die Quantität könne auch in Qualität umschlagen, was man am Anwachsen evangelikaler Christen in den USA und anderswo sehe. Er beschwor die Gefahr eines Rückfalls hinter die Zeit der Aufklärung. Uhde setzte dagegen, Buggles Befund könne zwar nicht gänzlich verneint werden, das Buch Gottes dürfe aber nicht buchstabengetreu verstanden werden. Vielmehr sei das Zeitbedingte entsprechend ins Heute zu transponieren, dann könne vieles, was in der Bibel stehe, auch im 21. Jahrhundert noch Sinn machen.

Neben den Versuchen durch Veranstaltungen und Pressemitteilungen (z.B. zur Abschaffung der theologischen Fakultäten anlässlich des Entzugs der kirchlichen Lehrbefugnis für einen Freiburger Theologieprofessor durch den örtlichen Erzbischof) öffentliche Aufmerksamkeit herzustellen, bemüht sich der Regionalverband um Kontakte in die Parlamente. Mit mehreren Landtagsabgeordneten und Stadträtinnen haben Gespräche stattgefunden, um die Möglichkeit auszuloten, auch auf dieser Ebene Einfluss zu nehmen. Dabei ging es unter anderem um das Ende 2007 einstimmig im Landtag verabschiedeten Kirchenvertragsgesetz, mit dem Baden-Württemberg die aus dem Jahr 1932 stammenden Konkordatsverträge zwischen dem damaligen Land Baden und der katholischen bzw. evangelischen Kirche auf das ganze Land übertragen und vor allem die immensen Zahlungsverpflichtungen erneuert und bekräftigt hat.

Eine vom IBKA Freiburg initiierte und von der Stadtratsfraktion der „Unabhängigen Liste“ eingebrachte Forderung, die Gebühr für den Kirchenaustritt von 35 Euro auf 5 Euro zu senken, ist zunächst gescheitert. Sprecher Arno Ehret hat jedoch angekündigt, dass der Regionalverband in dieser Frage am Ball bleiben wird.
 


Kritik am Iran

Auf Einladung des Schwulenreferates berichtete Mina Ahadi an der Universität Trier über die Verfolgung von Homosexuellen im Iran. Über 4.000 Männer sind nach Angaben von amnesty international in der Islamischen Republik bislang hingerichtet worden, die Dunkelziffer (Selbstmorde, anderslautende Urteilsbegründung) liegt anzunehmenderweise noch höher; über die Anzahl liquidierter lesbischer Frauen liegt keinerlei Zahlenmaterial vor. In einem vergangenes Jahr bekannt gewordenen Fall wurde ein 17-Jähriger hingerichtet, weil er vier Jahre zuvor einen Freund gehabt haben soll.

Die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Liebe ist in Artikel 110 des iranischen Strafgesetzes, Hadd-Strafen wegen Homosexualität, festgelegt (Frauen trifft dieses Strafmaß erst nach der vierten Wiederholung). Bereits wer einen anderen Mann „in Wollust küsst“, muss mit bis zu 60 Peitschenhieben rechnen. Da die Exekution von Homosexuellen in der iranischen Bevölkerung (obwohl es für Schwule in der Gesellschaft kaum Rückhalt gibt) nur auf geringe Zustimmung stößt, wird den Männern häufig Kindesmissbrauch vorgeworfen.
Nach Einschätzung von Mina Ahadi liegt der Hauptgrund für die brutale Verfolgung der Homosexuellen im Bemühen des islamischen Regimes, die Bevölkerung in einem Grundzustand der Angst zu halten. Indem Menschen mit schwacher Position in der Gesellschaft, wie Homosexuelle oder „Ehebrecherinnen“, mit der Todesstrafe belegt werden, wird auch allen anderen signalisiert, was ihnen blühen kann, wenn sie gegen die islamistischen Vorstellungen verstoßen.

Allerdings gibt es im Iran auch Widerstand gegen Geschlechtersegregation, Steinigung und die religiösen Ansprüche, das Leben bis in die Details zu bestimmen. Durch Internet und Satellitenfernsehen gelangen heute kritische Informationen in den Iran; so sind auch einige Netzwerke entstanden, in denen sich die Menschen organisieren, die sich gegen die Repression wehren. Unterstützung aus Europa könnten die gut gebrauchen; allerdings ist Homosexualität in der Europäischen Union nicht als Asylgrund anerkannt – mit der absurden Begründung, im Iran gerate nur in Schwierigkeiten, wer seine Homosexualität offen auslebe.

  


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